Lieber Bruder Furian, herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag!
Wir feiern heute eine außergewöhnliche Persönlichkeit: Hans-Otto Furian – Propst der Mark – eine theologische Respektperson, die man auch etwas fragen kann – sprachfähig in säkularisierter Gesellschaft – eine glaubwürdige Vertrauensperson – ein geistlicher Wächter in Kirche und Gesellschaft – ein klar bekennender Kirchemann und Senior-Chef einer eindrucksvollen Großfamilie.

Für mich war Hans-Otto Furian sehr gewöhnungsbedürftig! Seine ganz besonderen Augenbrauen, sein ironisches Lächeln, seine aggressiven Zähne, seine flotten oft bissigen Sprüche zwangen zur Wachsamkeit. Als er dann noch gegen die Gründung des BEK kämpfte und sogar die VEK zu Fall brachte, hielt ich ihn für einen Gegner.

Doch seit dem Scheitern des DDR-Kirchenreformprojekts an seiner Sperrminorität in der Berlin-Brandenburgischen Synode in Hermannswerder versuchte ich, diesen kantigen Oppositionsführer zu begreifen. Hans-Otto Furian zu verstehen und gerecht zu beschreiben, war für mich ein Lernprozess!
Vater Hans-Georg Furian hat ihn geprägt. Der war ein „eiserner Bekenntnispfarrer“, ein treuer, ehrlicher gerader Mann, der konzentriert auf das Wort Gottes hörte, wie ihn Zeitzeugen beschrieben. Mit der Barmer Theologischen Erklärung kam er zur Bekennenden Kirche, wurde Vertrauensmann des Pfarrernotbundes und Kreispfarrer der Bekennenden Kirche. Für Hans-Georg Furian gab es keine faulen Kompromisse den Deutschen Christen der Nazis musste widerstanden werden. Im damals  umstrittenen Verhältnis zu den Juden bezog er Position gegen den Strom der Zeit, verbarg Juden, was ihm Heinrich Grüber hoch anerkannte.

Vater Furians Kampf gegen die Anpassung der Kirche an politischen oder gesellschaftlichen Zeitgeist sowie die Grundüberzeugung, dass Neutralität in Fragen des Glaubens in der Regel den christusfeindlichen Mächten nützt, bestimmen Hans-Otto Furian! Der Gemeindepfarrer Hans-Georg Furian in Kürtow bei Armswalde, in der brandenburgischen Neumark, erlebte die großen Gefahren des Kriegsendes 1945 und der herannahenden Roten Armee. Hier erwies er sich als treuer Hirte, der den Gemeindegliedern beistand und mit vielen von ihnen unter unmittelbarer Gefahr und Gewehrfeuer zu Fuß die Flucht aus der geliebten Heimat antrat.
Sohn Hans-Otto war dabei und wurde noch zuletzt von der deutschen Wehrmacht/Oberleutnant Rosenbaum als Meldegänger eingesetzt.

Die Nazi- und Kriegserfahrungen hat unser Jubilar über Jahrzehnte verarbeitet. Eindrucksvoll nachzulesen, mitzuerleben in seinem großen Buch zur Kirchen- und Zeitgeschichte „Vom Kirchenkampf zum Christuskampf“. Zu den Lehren jener grausamen Zeit gehört für Furian: Mitmenschlichkeit, Toleranz, Achtung der Menschenwürde sind zwingende Gebote, das Nazisystem war nur durch Krieg von außen zu überwinden und das Ende mit allem Schrecken war wirklich Befreiung. Unseren östlichen Nachbarn, Polen und Russen haben wir Deutsche, Brandenburger, Preußen besondere Aufmerksamkeit zu geben.

Für den jungen Theologen und Pfarrer kamen bald nach dem Kriege neue Herausforderungen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR, in denen die väterlichen Vorgaben wichtig wurden. Wieder ging es um die Kirche und ihre Position in der Gesellschaft.
Die beim Vater erlebten Kämpfe konnte Hans-Otto in eigenen ähnlichen Erfahrungen werten. Sein Fazit aus dem Kirchen- und Glaubenskampf lautet: Die Kirche baut sich auf der Gemeinde auf, der Zusammenhalt der Gesamtkirche ist außerordentlich wichtig, Kirche und Christen dürfen dem Widerspruch zum Zeitgeist nicht ausweichen. Richtung christlichen Handelns muss es sein, Menschen in der Not beizustehen. Jesus Christus und sein Wort haben Vorrang vor der Institution Kirche einschließlich aller Reform-Ideen.

In seinen Veröffentlichungen bedauert Hans-Otto Furian, dass die Notwendigkeit, eine Kirche für die Zukunft zu gestalten, nicht genutzt wurde. Zweimal haben wir den Weg in die Vergangenheit dem Weg in die Zukunft vorgezogen: 1945 und 1990. Denn der Verlust und Abbau überlieferter institutioneller Gestalt soll zum Neubau der Kirche führen, einer wirklichen Kirche der Schwestern und Brüdern vor Ort mit voller Verantwortung für die Belange des Gemeindelebens. In der Gemeinde sollen sich zu Gotteslob, Dank und Besinnung wöchentlich die Gemeindeglieder sammeln.
Die Verkündigung des Wortes Gottes in verschiedener Gestalt und die Antwort darauf mit dem Gebet und einem christlichen Lebensstil sollen auch in den kleinsten Gemeinden erfolgen. Der Kirchenkreis hat die Kooperation der Gemeinden zu organisieren. Bei zerfallenden Gemeinden sollen gemeindeübergreifende Gottesdienstkerne gebildet werden.

Wach beobachtet Hans-Otto Furian bis in diese Tage den Rückzug kirchlichen Handelns ohne dass die Chancen neuer Möglichkeiten genutzt werden. Bedauerlich besonders, dass die Bereitschaft hauptamtlicher Mitarbeiter zu einer Bewerbung mit zunehmender Berlin-Potsdam-Entfernung abnimmt. Womit in Regionen der Abwanderung und z. B. des Ärztemangels das Gefühl wächst, nun auch noch von der Kirche verlassen zu werden. Hans-Otto Furian leidet geradezu, wenn er bei seiner privaten Visitationsrundfahrt am Buß- und Bettag die Vernachlässigung dieses Feiertags erlebt. Visitation ist unverzichtbar, fordert er seit Jahren, sie ist Kern kirchenleitenden Handelns, sie muss konkrete Fehlentwicklungen benennen, Anregungen und Impulse geben, Termine setzen, nachfassen.
Der Synodenbeschluss der EKBO vom 9. April d. J. muss ihn gefreut haben. Deutlich kritisiert Furian, wenn durch den Westeinfluss die individuelle Befindlichkeit der Pfarrer einen höheren Stellenwert gewinnt als die Kirche der Schwestern und Brüder in der Gemeinschaft des Glaubens. Das emanzipatorische Denken und Verhalten verbreite sich nun auch in der Ostregion. Bei Anfragen an die Lebensführung und Arbeitsmoral der Mitarbeiter komme häufig die Antwort „Mein privates Lebens ist meine Sache und geht auch die Gemeinde und die Kirche nichts an.“

Der Propst der Mark nennt seine konkreten Erwartungen an den Verkündigungsdienst so: die Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes hat oberste Priorität, die ev. Kirche steht und fällt mit der Verkündigung des Wortes Gottes, die große Chance der Beerdigungspredigt an viele noch Außenstehende, in oft großer Öffentlichkeit muss genutzt werden. Kernkompetenz der ev. Kirche ist es, in Bibelstunden, Gesprächen über den Glauben mit den Gemeindegliedern, in das Verständnis des Wortes Gottes einzuüben und draus Konsequenzen für das alltägliche Leben zu ziehen.
Eine geordnete Kinderarbeit der Gemeinde ist unverzichtbar und nicht durch Religionsunterricht zu ersetzen. Diese von Hans-Otto Furian genannten Erkenntnisse hat er schon in DDR-Zeiten gewonnen und in den letzten Jahren bestätigt gefunden.
Das kirchliche Leben in der DDR war nicht vergebens, es erschöpfte sich nicht nur im Widerstand und Bewahren, sondern entwickelte in der Herausforderung neue Erkenntnisse, Erfahrungen, die auch im vereinten Deutschland gelten.

Der Zusammenhalt der Deutschen war für den Pfarrer, Superintendenten, Propst Furian außerordentlich wichtig. Er hat deshalb gegen strukturelle Sonderwege der Kirchen in der DDR gekämpft. Er förderte Ost-West-Kirchenkontakte auf allen Ebenen – insbesondere der Gemeinden. Er unterstützte den theologisch/geistlichen Ost-West-Austausch und war enttäuscht, dass im Westen das Interesse an der Barmer Theologische Erklärung sank.

Hans-Otto Furian hat als Propst in der Umbruchzeit der DDR die Oppositionsbewegung unterstützt und maßgeblich dazu beigetragen, dass ihnen kirchliche Freiräume die Arbeit ermöglichten und sie zum Kern des Umsturzes werden konnten.

Nach dem Sturz der DDR-Diktatur war Furian nicht für eine verbesserte DDR sondern für die Wiedervereinigung Deutschlands – auch in der kirchlichen Struktur. Aber Furian wollte sie auf Augenhöhe, wollte, dass die Belange der Menschen im Osten nicht untergehen und hat sie in großer Klarheit in Kirchenleitung und Öffentlichkeit genannt. Er war Seelsorger der Ostler in den Wirren der Wende. Doch nicht nur westliches Siegergebaren, sondern auch östliche Anpassungssucht machten ihm diese Haltung schwer.
Unverdrossen nennt Furian in seinen Äußerungen dieses Defizit – und er wird recht behalten! Der Propst der Mark sieht die Gefahr, dass bei manchen Problemen und Herausforderungen durch die Öffentlichkeit die Meinungen der Kirchengemeinden Westberlins und der brandenburgischen Dörfer und Kleinstädte sich nicht treffen.

Die Verkündigung Jesu heißt, so Furian, die Dinge klar beim Namen zu nennen. Das gilt auch für die soziale Verantwortung der Kirche!
Die Kirche muss für Arme und Schwache da sein! Wer sind heute und hier die Armen und Schwachen, fragt Hans-Otto Furian. Sicher auch die Asylanten, vor allem aber die Arbeitslosen und ganz besonders die arbeitslosen Jugendlichen!
Hier besteht ein brisantes sozial-ökonomisches Problem. Die Kirche sollte ihr Sozialwort auch praktizieren, es vor Ort mit Inhalt füllen: Z. B. könnte die Kirche bei ihrem Land- und Forst-Besitz nicht zuerst auf Gewinn achten, sondern Menschen in Arbeit bringen!

Furian hat Verständnis, wenn Protest-Gruppen sich zu gesellschaftlichen Problemen formieren. Doch er prüft, ob dabei echte Betroffenheit oder wichtigtuerischer Aktionismus überwiegen. Er ermöglichte den kirchenfremden Oppositionellen in der DDR den Zugang zu kirchlichen Räumen nicht ohne Bedenken. Doch als das Konsistorium 1994 besetzt und als Bühne eines RAF-Protestes benutzt werden sollte, setzte Propst Furian das Hausrecht durch.  Selbst in der Auseinandersetzung nahm er die Aufgabe der Seelsorge wahr. Seelsorge an Menschen in Sondersituationen war ihm auch nach der Wiedervereinigung wichtig. Propst Furian ordnete die Gefangenenseelsorge neu – zur Zufriedenheit der Inhaftierten und der Justizangestellten – unter Murren der Gefängnisseelsorger.
Intensiv rang Furian um die Gestaltung der Militärseelsorge für die östlichen Gliedkirchen. Er verhinderte eine einfache Anpassung an die West-Regelung unter Vernachlässigung von Osterfahrungen, er erwarb den Respekt der Militärs und erfuhr Unverständnis bei den westlichen Kirchengeschwistern.

Lieber Bruder Furian, vielleicht wäre Obermarine-Seelsorger, Marine-Dekan, eine interessante neue Karriere gewesen?
Furian blieb Propst, Propst der Mark Brandenburg. In Gesellschaftskrise und Umbruch hätte es keiner besser gemacht. Kirchensheriff und Feuerwehrmann, prinzipienfest und doch ergebnisorientiert, gemeindeverbunden, verlässlich, vertrauengewinnend. Bezugs- und Orientierungs-Person für Pfarrer, Mitarbeiter und Gemeindeglieder in Brandenburg und Ostberlin. Und wer wirklich wissen wollte, was die Menschen im Osten dachten und brauchten und nicht schon alles besser wusste, der sollte auf Propst Furian hören.

Ob dieser Propst auch an der konsistorialen Verwaltungsarbeit Freude hatte, kann ich nicht voll beurteilen. Sicher hatte er nicht die Akribie von Friedrich Winter, aber auch nicht den Akten-Hass von Siegfried Ringhand.
Auffällig wurde er jedenfalls nicht. Aber als Super-Abteilungsleiter wird er wohl nicht in die Kirchengeschichte eingehen. Superintendent war Hans-Otto Furian aus Leidenschaft. Albrecht Schönherr hat ihn entdeckt, trotz seiner vernichtenden Beurteilung aus dem Predigerseminar, denn Furian konnte einen Konvent voller Charakterköpfen zusammenhalten, sagte, wo es lang ging!
18 Jahre Superintendent in Zossen, das war vorderste Front. Mitten im Gelände der Sowjettruppen und im Gegenüber zu den härtesten kommunistischen Funktionären. Das hätte in seiner Lage auch Amok-Lauf – Haft – Ausreiseantrag bedeuten können. Furian entschied sich für Augenmaß, um kirchliche Arbeit zu sichern. Russen und Funktionäre lernten, dass er furchtlos auf Gott vertraute, nicht einzuschüchtern war, seine System-Kritik zeigte, aber berechenbar war. Die Kommunisten respektierten ihn und die Russen spielten sogar mit ihm Skat. Superintendent Furian verstand, dass die Ablehnung des Diktatur-Systems nicht die Ablehnung gegen Menschen sein musste. Das hat die Funktionäre überrascht. Für sie galt Furian wegen seiner offenen Kritik am DDR-System, seiner Wahlenthaltung als Feind und sie waren dann ganz froh, dass er menschenfreundlich mit ihnen umging und so manches durchsetzen konnte.

Das war bei mir anders.
Auch ich musste bei den Funktionären etwas erreichen. In mir sahen sie einen Freund im wörtlichen Sinne, Jugendfreund der FDJ, wie mich Honecker regelmäßig ansprach. In der DDR studiert, aus der Arbeiterklasse stammend „Das muss unser Mann sein!“.

Eine gute Ausgangslage für mich, um etwas durchzusetzen. Aber die Gefahr der Vereinnahmung bestand. Umso größer die Enttäuschung der Genossen, als das nicht gelang und schließlich Ende 1988 Honecker selbst mich mit der Kampagne „Stolpe und der Idealfall“ zum Gegner stempelte. Mein Platz im Internierungslager bei Lehnin war vorgesehen. Lieber Bruder Furian, vielleicht wären wir uns dort begegnet und hätten schon da Gemeinsamkeiten deutlicher gefunden: Angst hatten wir beide nie. Und mein Kinderglaube ist wohl nicht weit von Ihrem Glaubens-Grund entfernt.

Beide hatten wir am 13. August 1961 die Möglichkeit, auf der Westseite zu bleiben. Und beide blieben wir im Osten. Beide haben wir Kriegsende und Vertreibung voll miterlebt und beide lieben wir Brandenburg. Die geografischen Wurzeln sind nahe beieinander in der Neumark von Ihrem Kürtow/Arnswalde – Nörenberg – Dramburg zu meinem Schievelbein. Alles Neumark, alles unter Hitler Pommern zugeschlagen. Aber Brandenburg im Herzen – bis heute!

Sie haben mir den Text vom Brandenburg-Lied besorgt. Da habe ich den Roten Adler schätzen gelernt. Ohne Sie hätte ich in der DDR-Endzeit meine politischen Schleichwege weder gewagt noch durchgehalten. Danke für Ihre Toleranz und Treue!
Heute weiß ich allerdings, dass der Zweck – und sei er noch so humanitär – nicht jedes Mittel rechtfertigt.

Lieber Bruder Furian,
Danke für Ihre Lebensleistung! Danke für unsere Weggemeinschaft!
Bitte bleiben Sie uns als der Propst der Mark, als geistlicher Wächter in Kirche und Gesellschaft noch lange erhalten.
Bitte finden Sie die Zeit, Ihre Lebenserfahrung und Einsichten zu Papier zu bringen. Jeder Kommentar von Ihnen in der Kirchenzeitung ist wichtig!

Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Glück und Freude vor allem auch mit Ihrer Großfamilie, mit Ihrer Frau, der ich für viel Verständnis und Hilfe danke!
Gott behüte Sie!

30. April 2011

Manfred Stolpe über Regine Hildebrandt, die heute 70 Jahre geworden wäre
Interview in der Märkischen Allgemeinen

Eröffnung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen vor 50 Jahren

Ich weiß nicht, ob einige von Ihnen vor 50 Jahren schon einmal hier standen, als die DDR mit einem riesigen Festakt die Eröffnung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte feierlich würdigte. Weit mehr als 100.000 Menschen aus dem In- und Ausland kamen zu der Veranstaltung, an den Straßen standen tausende DDR-Bürger, um vor allem die ehemaligen Inhaftierten zu begrüßen und respektvoll zu empfangen.

Damit leistete die Einweihungsfeier etwas, was entscheidend für die Opfer des Nationalsozialismus war: Sie wurden mit allen Ehren empfangen.  Gleichzeitig zeigte die Gedenkveranstaltung, dass auch für die Nachgeborenen der politische Auftrag, gegen Diktatur und Faschismus zu kämpfen, noch galt.

Heute, mit 50 Jahren Abstand müssen wir aber die Frage stellen, ob die wichtigen Anliegen der Opfer bei der Eröffnungsveranstaltung erfüllt, oder ob sie nicht durch den politischen Missbrauch entstellt wurden.

Weltpolitisch war das kommunistische Lager 1961 in der Offensive: Die Sowjets hatten mit Juri Gagarin den ersten bemannten Weltraumflug erfolgreich abgeschlossen. Der Versuch, Fidel Castro in Kuba zu stürzen, war in der Schweinebucht kläglich gescheitert. Die Schwachstelle des Ostblocks aber war die DDR. Mit ihren offenen Grenzen und der Abwanderung tausender Fachkräfte Richtung Westen stellte sie das kommunistische System in Frage. Wenn Westberlin als Fluchtweg offen bliebe, wäre ein Ausbluten der DDR unausweichlich. Die DDR steckte in einer Legitimationskrise. Sie wollte und musste beweisen, dass ihre Existenz notwendig war.

Sie propagierte den Schutz ihres antifaschistischen Systems vor einer bundesrepublikanischen Regierung, die als Hort des fortdauernden Nationalsozialismus bezeichnet wurde. Schließlich konnte dort ein verurteilter Wehrmachtsgeneral Foetsch zum Generalinspekteur der Bundeswehr ernannt werden oder der prominente Nazi Staatssekretär Globke im Kanzleramt tätig sein.

Mit dieser Argumentation sollte den Verbündeten deutlich werden, welch schweren Kampf die DDR gegen den Nazi-Nachfolge-Staat Bundesrepublik Deutschland führte. Und dass sie deshalb besonderen Angriffen aus dem Westen ausgesetzt war, die einen Mauerbau als antifaschistischen Schutzwall erforderlich machten.

Dafür hatte SED-Chef Walter Ulbricht seit März 1961 die Zustimmung Moskaus. In einer Rede am 21. April hat er dies unverblümt angekündigt.

Etwa zeitgleich mit der Eröffnungsveranstaltung in Sachsenhausen am 23. April 2961 liefen die Vorbereitungen des Mauerbaus an. So bekam die Einrichtung der Gedenkstätte Sachsenhausen die Rolle einer vorbereitenden Begründung für die Mauer. Deren Bau verzögerte sich bis zum 13. August 1961, da vorher noch zu einem gesamtdeutschen evangelischen Kirchentag nach West-Berlin eingeladen worden war.

Die DDR verhinderte den Kirchentag nicht. Sie sperrte weder die Zufahrtswege noch schränkte sie den innerstädtischen Verkehr in Berlin ein. Das war politisches Kalkül. Schließlich wusste man, dass sonst weite Teile der evangelischen Kirche verprellt würden. So hat dann auch Ulbricht in seiner Ansprache in Sachsenhausen nicht nur den kommunistischen Widerstand, sondern auch andere anti-faschistische Kreise gewürdigt. Insbesondere nannte er die Sozialdemokraten, die Bürgerlichen und Menschen der verschiedensten Welt-Anschauungen, die gemeinsam den Kampf gegen das Hitler-Regime geführt hatten.

Den Kirchenvertretern, die an der Eröffnungsveranstaltung der Gedenkstätte teilnahmen, war jedoch die grundsätzliche Haltung der SED gegenüber der Kirche und der Religion bewusst. Danach waren sie nicht nur weltanschauliche Gegner, sondern meist auch politische Feinde, die gute Kontakte zu den führenden politischen Kräften in der Bundesrepublik hatten.

Doch trotz dieser staatlichen Einstellung zu den Kirchen lebten deren Vertreter in der Glaubensgewissheit, dass die Zukunft der Kirche nicht von Parteiabsichten, sondern vom Willen Gottes abhängig sei.

Die Teilnahme zahlreicher Vertreter der evangelischen Kirche entsprang nicht politischer Taktik. Bestimmendes Element war vielmehr die tiefempfundene Ablehnung des menschenverachtenden Nazi-Systems.

Hier spielten die Erfahrungen des Kirchen-Kampfes gegen die Nazis im Dritten Reich eine Rolle. Aber auch die Erkenntnis, nicht rechtzeitig genug gegen die Nationalsozialisten vorgegangen zu sein. Die schrecklichen Erfahrungen des Nazi-Terrors waren noch präsent, als zuerst Kommunisten, dann Sozialdemokraten und schließlich Christen verfolgt und ermordet worden waren.

In den Konzentrationslagern dieses furchtbaren Regimes hatten sie begriffen, dass ihre Differenzen unwesentlich waren, angesichts der massiven Menschenrechtsverletzungen, die sie erleiden mussten. Einige spätere SED-Funktionäre und kirchliche Repräsentanten hatten diese verbindende ganz persönliche Erfahrung gemacht!

Obwohl 1961 die Sorge vor einer politischen Instrumentalisierung des Opfergedenkens in Sachsenhausen bei den Kirchenvertretern groß war, überwog doch die Erinnerung an die gemeinsam erlittenen Qualen bei der Abwägung, an der SED-Veranstaltung teilzunehmen.

Auch hatten die teilnehmenden Kirchenleute noch die Hoffnung, die drohende Absperrung der DDR zu verhindern und einen evangelischen Kirchentag zu ermöglichen. Man wollte die politische Lage entspannen. Der ausschlaggebende Grund aber war: das klare Bekenntnis zum Antifaschismus.

Zehn Jahre später waren bei einer entsprechenden Feierstunde hier die evangelischen Kirchen offiziell in Sachsenhausen vertreten und hatten nun weniger Sorge vor einem politischen Missbrauch ihrer Anwesenheit. Sie waren zu der Überzeugung gelangt, dass die ehemaligen Konzentrationslager unverzichtbare Orte des Erinnerns für Häftlinge, ihre Angehörigen und die gesamte Nachwelt seien.

Das gilt noch heute: Tod, Angst und Qualen tausender Menschen in den KZs des Nazi-Regimes dürfen nicht vergessen werden. Und die Erinnerung entfaltet an authentischen Orten eine besondere Kraft. Steine, Gebäude und Schauplätze sind beredte Zeugnisse der schrecklichen Terror- und Diktaturgeschichte in Deutschland. Die Worte des Präsidenten des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Pierre Gouffault, sind ein eindringliches Vermächtnis:

„Die letzten Augenzeugen bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzusetzen.“

Das Gedenken an die Schreckens-Taten der Nazis an einem solchen Erinnerungs-Ort verleiht den Opfern der Überlebenden große Bedeutung und würdigt ihr unermessliches Leid. Zugleich geht von solchen Orten die unabdingbare Verpflichtung aus, stets für Menschenwürde und Menschenrechte zu kämpfen und allen neonazistischen Anfängen entschlossen zu wehren.

So blieb und bleibt der Kerngedanke der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen trotz ihres politischen Missbrauchs während des Kalten Krieges erhalten.

Dank der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen und ihrer aktiven Aufklärungsarbeit wissen wir UND die nachfolgenden Generationen:

Weltweit für Menschenrechte, Toleranz und Freiheit einzutreten, ist eine Frage der Menschlichkeit oder Menschenwürde!

Station Z wurde der Teil des KZ Sachsenhausen zynisch von der SS genannt, in dem sich die Krematorien befanden. Solche Orte darf es nie wieder geben.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die 850jährige Geschichte des Domkapitels Brandenburg das Verhältnis zum Staat. Der christliche Hevellerfürst Pribislaw-Heinrich gestattete Bischof Wigger unmittelbar vor der Burg Brandenburg in Parduin (später Altstadt Brandenburg) ein Prämonstratenserstift zu errichten. Sein Nachfolger, der Askanier Albrecht, übernahm 1157 die Burg Brandenburg, auf die 10 Jahre später Bischof Wilmar das 1161 gegründete Domkapitel – hervorgegangen aus dem Konvent der Prämonstratenser – überführte. Domkapitel und Markgraf konkurrierten nun auf der Burg. Die Wurzeln einer Jahrhunderte wirkenden  Spannung zwischen  geistlichem Anspruch und staatlicher Macht waren gelegt.

Das ökonomische Potential des Domstifts weckte die Begehrlichkeit der Markgrafen, später der Kurfürsten. Die Einkünfte aus 30 Dörfern, zahlreichen Einzelgütern, umfangreichen Gewässern und Fischereigerechtigkeiten konnten der Versorgung von Beamten des Landesherren dienen. Auch die Reformation war für das Domkapitel Brandenburg  stark von ökonomischen Erwägungen geprägt. Das Domkapitel gab seinen Widerstand gegen die neue Lehre erst 1541 auf, als der Landesherr die Sperrung der Einkünfte eindrohte. Das Domkapitel wurde vom Kurfürsten als Evangelisches Stift zugelassen. Der Kurfürst konnte Domherren bestimmen und damit Versorgungsmöglichkeiten schaffen. Diese Pfründe waren begehrt und mehr und mehr wuchs die Gefahr, das Domstift nur noch formal als geistliche Institution zu sehen.

Das Domstift Brandenburg konnte 1809 die Einziehung geistlicher Güter überstehen und war dann völlig vom König abhängig. Die preußische Krone besetzte Domherrenstellen mit Persönlichkeiten, die wegen ihrer ausgezeichneten Verdienste für den Staat – häufig hohe Offiziere – belohnt und materiell versorgt werden sollten. Die enge Bindung zur Krone wurde auch in der Revolution 1848 deutlich, als der Dom Brandenburg zum Ausweichort  für die Preußische Nationalversammlung wurde.

Nach dem Sturz der Monarchie 1918 fielen die Rechte des Königs an dem Domstift an das Preußische Staatsministerium, das die Pfründenvergabe fortsetzte. Generalfeldmarschall von Hindenburg erhielt die Dechantenstelle. Der Generalsuperintendent der Kurmark Otto Dibelius forderte, das Domstift Brandenburg in den Dienst der Kirche zu stellen. 1930 wurde es in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt, deren Einnahmen für kulturelle und soziale Zwecke verwendet werden sollten. Die Verwaltung oblag dem Regierungspräsidenten in Potsdam.

Nach dem Zusammenbruch der Nazidiktatur kam es in der Sowjetischen Besatzungszone zu einer totalen Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Sowjetunion tolerierte die Kirchen in Anerkennung ihres Widerstandes gegen Hitler und ließ kirchenfreundliche Entscheidungen der neuen deutschen Verwaltungen zu. Otto Dibelius, nun Bischof in Berlin-Brandenburg, drängte auf die volle Übernahme des Domstifts Brandenburg durch die Evangelische Kirche.

Der evangelische Ministerialdirektor Kurt Grünbaum, verantwortlich für Kirchenangelegenheiten in der Provinz Brandenburg, musste die Vermögensentflechtung von Staat und Kirche bei Küster-Schulvermögen und Patronaten über Kirchengebäude regeln. Als Ausgleich für wegfallende Patronatseinnahmen konnte er die Übernahme des Domstiftes Brandenburg durch die Evangelische Kirche rechtsverbindlich durchsetzen (Patronatsverordnung). Die Kirche sollte mit den erhaltenen Vermögenswerten eine wirkungsvolle Hilfe im kirchlichen Bauwesen erhalten. Langfristig sollten die Einnahmen aus den Gütern der Erhaltung kirchlicher Gebäude zugute kommen. Allerdings sahen alle Beteiligten, dass die Güter völlig devastiert waren, weder Vieh noch Maschinen vorhanden und auf absehbare Zeit keine Einnahmen zu erzielen waren. Dennoch übernahm die Evangelische Kirche das Domstift in ihre Verantwortung. Dabei ging es ihr um das geistliche Erbe der Mutterkirche des Landes.

Die Kirchenleitung erließ 1946 eine Satzung, mit der das Domstift der Evangelischen Kirche zugeordnet und der Aufsicht des Konsistoriums unterstellt wurde. Das Domstift sollte Gottesdienste auf der Dominsel halten, den Dom und seine Nebengebäude erhalten, kirchliche Bildungsaufgaben übernehmen, theologische Wissenschaft, kirchliche Kunst und Kirchenmusik fördern sowie für weitere kirchliche Aufgaben zur Verfügung stehen. Das Domkapitel wurde neu gebildet, Dechant, Kurator und Domherren wurden von der Kirche berufen.

Erstmalig wurde für das Domstift Brandenburg seit seiner Gründung eine vollständige Trennung von Staat und Kirche vollzogen und erstmalig nach der Reformation eine ausschließlich kirchliche Aufgabenstellung bestimmt. Das Domstift Brandenburg ging in die neue Zeit als unbestritten kirchliche Einrichtung. Übrigens war es ein wichtiger Nebeneffekt, die Domgüter aus der staatlichen Bodenreform 1946 herauszuhalten und deren Enteignung und Aufteilung zu verhindern.

In einer ersten vorbereitenden Sitzung am 7. Juli 1946 erklärte das Domkapitel seine Absicht, ein Predigerseminar zu errichten, eine Bibliothek zu unterhalten und erörterte die Lage der Domgüter. Unter Vorsitz von Bischof Dibelius wurde am 5. 12. 1946 die neue Zusammensetzung des Domkapitels entschieden und der Brandenburger Superintendent Albrecht Schönherr als Dechant benannt. Am 28. Juli 1947 trat das neue Domkapitel zusammen. Es sah sich in der Kontinuität eines jahrhundertealten kirchlichen Erbes und demonstrierte diese Haltung mit der Vorbereitung einer Tausendjahrfeier der Bistumsgründung für 1948.

Doch diese Wiedergeburt des Domstiftes und des Domkapitels Brandenburg geschah in einem zunehmend kirchenfeindlichen Umfeld. In der sowjetischen Besatzungszone wurde immer deutlicher die kommunistisch-atheistische Ideologie zu beherrschenden Orientierung politischen Handelns. Die Geschichte des Domkapitels Brandenburg vom Kriegsende bis 1990 ist konkrete Geschichte der Evangelischen Kirche in der sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik. Kämpfe, Niederlagen und Verbesserungen der Lage der Evangelischen Kirche spiegeln sich in der Arbeit des Domkapitels wider.

Die herrschende Meinung der DDR-Partei- und Staatsführung war negativ zu Kirche und Christen. Danach waren Kirche und Religion Reste der Vergangenheit, unwissenschaftlich und zum Absterben verurteilt. Die Kirche wurde als Instrument der früher herrschenden Klasse der Kapitalisten und Großgrundbesitzer und somit als fünfte Kolonne des westlichen Klassenfeindes gesehen. Kirche und Christen waren deshalb  in doppelter Hinsicht Feinde:

Im Kampf der Weltanschauungen und im Klassenkampf. Deshalb sollte dem Untergang von Religion und Kirche nachgeholfen werden. Ihr Einfluss auf die Jugend sollte beseitigt werden. Das Domkapitel befasste sich zum Beispiel mit den Auseinandersetzungen um das vom Evangelischen Jungmännerwerk für Rüstzeiten benutzte Haus am See in Mötzow.

Christliche Kinder wurden in ihrem Fortkommen benachteiligt. In den 50er Jahren wurden umfangreiche Austrittskampagnen gegen die Kirchenmitgliedschaft gestartet. Die Evangelische Kirche in der DDR verlor in den Jahrzehnten der staatlichen Bedrängung nahezu 2/3 ihrer Mitglieder. Der Rückgang der Mitglieder der Domgemeinde, noch durch Abwanderung in die Bundesrepublik Deutschland verstärkt, war eine der großen Sorgen des Domkapitels in den DDR-Jahren. Der Gottesdienstbesuch ging zurück während gleichzeitig die Abendmahlteilnahme und die Kollekteneinnahmen sogar leicht stiegen.

Die Auseinandersetzung verschärfte sich, insbesondere nachdem die SED 1952 beschloss, die Grundlagen des Sozialismus zu errichten. Kandidaten des Predigerseminars wurden ausgewiesen. Es kam zu Verhaftungen. Gegen Betriebsleiter der Domgüter ergingen Strafbefehle. Kredite wurden gesperrt. Die Domgüter erhielten kein Saatgut und keinen Treibstoff, denn kirchliche Aktivitäten im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich sollten eingeschränkt werden. Das Domkapitel hatte gegen diese ideologische Vorgabe über lange Jahre die Existenz der Domgüter zu sichern. Eine Zuspitzung der Auseinandersetzungen waren die Jahre 1952 und 1953. Das war auch der Höhepunkt eines Kirchenkampfes, der zugleich bei einer breiten Unzufriedenheit der Bevölkerung über Mangelwirtschaft und Normerhöhungen stattfand. Die SED-Führung lenkte ein und überlebte einen Volksaufstand am 17. Juni 1953 nur mit Hilfe sowjetischer Panzer.

Offiziell wurde eine weiche kirchenpolitische Linie verkündet. Für die kircheneigenbewirtschaftete Landwirtschaft, wie die Domgüter, wurden von der Regierung Erleichterungen in Aussicht gestellt. Tatsächlich aber erkannten die staatlichen Stellen auf den unteren Ebenen die zugesagten Überlebenshilfen häufig nicht an. Immerhin wurden Produktionskredite bei den Banken wieder möglich. Doch ohne Zuschüsse der Evangelischen Kirche in  Berlin- Brandenburg von mehr als 1 Million Mark hätten die Domgüter diese Zeit nicht überstanden.

Der Aufbau des Sozialismus und damit die kirchfeindliche Linie wurde fortgesetzt und die Unzufriedenheit der Bevölkerung nahm weiter zu. Der wirtschaftliche Erfolg und die freie Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland gewannen eine wachsende Attraktivität für die Menschen in der DDR und wurden von der Partei- und Staatsführung als Existenzgefährdung empfunden. Dem wurde mit verstärkter Abgrenzung begegnet. Schließlich mit dem Bau einer Mauer am 13. August 1961.

Als feindlich empfand die DDR den Zusammenhalt der Evangelischen Kirche und ihrer Einrichtungen in der DDR und der BRD. 1968 schuf sich die DDR eine neue Verfassung. Diese stärkte die Führungsrolle der SED. Deren Beschlüsse erhielten Gesetzesrang. Der Aufbau des Sozialismus sollte beschleunigt werden. Die Abgrenzung zur Bundesrepublik Deutschland wurde vertieft. Die Zusammenarbeit mit den evangelischen Kirchen in der BRD und Westberlin in gemeinsamen Organisationen wurde für illegal erklärt.

Kirchliche Kontakte in die Bundesrepublik und nach Westberlin sollten verhindert werden. Westbücher wurden beschlagnahmt auch im Predigerseminar Brandenburg. Für das Domkapitel wurde der Bau der Mauer eine einschneidende Behinderung, da die in Berlin West und der BRD ansässigen 4 Domherren und der Bischof nicht mehr teilnehmen konnten und sogar an der Teilnahme zur 800-Jahrfeier des Doms 1965 gehindert wurden. Jahr für Jahr wurde deren Einreise beantragt und abgelehnt. Ihre Stühle blieben leer, aber die Verbindung blieb und vielfache Unterstützung aus dem Westen durch geistlichen Zuspruch und konkrete Hilfe wurde gegeben. So erhielt das Domstift und seine Betriebe erhebliche finanzielle Mittel für den laufenden Betrieb und Investitionen sowie zahlreiche Materialien, wie zum Beispiel Zinkblech, spezielle Glasscheiben, Schnellbaugerüste, Luftentfeuchter oder Saatkartoffeln. Die Domherren und die Mitarbeiter des Doms wussten, dass sie nicht allein gelassen wurden. Das stärkte ihre Entschlossenheit, den Dienst des Domstiftes gegen alle Widrigkeiten fortzuführen.

Um ihre Handlungsfähigkeit zu sichern, schlossen sich die evangelischen Landeskirchen in der DDR zum Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR zusammen. Der Zusammenhalt mit den evangelischen Kirchen und Christen in der Bundesrepublik Deutschland wurde in der Ordnung dieses Kirchenbundes als besondere Gemeinschaft festgeschrieben und trotz massiver staatlicher Forderungen nicht aufgegeben.

Diese besondere Gemeinschaft hatte zwei entscheidende Elemente. Zum einen verzichtete sie auf offensive Wiedervereinigungsforderungen, die die Staatsmacht DDR aufs Äußerste gereizt hätte. Sie ließ aber auch keinen Zweifel an ihrer Überzeugung, dass die Teilung Deutschlands in zwei Staaten nicht das Ende aller Wege Gottes mit den Deutschen sein müsste. Zum anderen geschah in der Zeit der erzwungenen Trennung ein vieltausendfacher Kontakt von Gemeindegliedern und Amtsträgern, Patenschaften und Gesprächskreisen durch nur einseitig mögliche Besuche von West nach Ost. Tatsächlich haben diese Verbindungen den Zusammenhalt der Deutschen zu bewahren geholfen. Sie waren ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Nation und schließlich zur Wiedervereinigung.

Das Domkapitel Brandenburg, die Domgemeinde und alle Einrichtungen des Doms hatten daran großen Anteil. 1982 gelang es mit Vizepräsident Dr. Wolfgang Martens aus Bielefeld, einen Domherren aus der Bundesrepublik Deutschland zu gewinnen. Dem Staat war die Duldung dieser Entscheidung durch Einreiseerlaubnis erleichtert, da zeitgleich Bischof Karoly Toth aus Budapest als Domherr eingeführt wurde. Zunehmend kamen auch im Zuge der erleichterten Einreiseregelungen westdeutsche Besucher zum Dom.

Eine große Freude für das Domkapitel waren die Besuche der damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin West Hans-Jochen Vogel und Richard von Weizsäcker und ab 1986 des Bischofs der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg West Martin Kruse, der ab 1987 ständiger Gast des Domkapitels war. 1989 besuchte Otto Graf Lambsdorf, der spätere Domherr, den Brandenburger Dom. Auch die Domgemeinde hatte zahlreiche Kontakte zu westdeutschen Gemeinden und führte zum Beispiel ein Treffen mit der Partnergemeinde Wuppertal im Haus am See in Mötzow durch.

Mit der wachsenden Ost-West-Entspannung insbesondere im Prozess zur Verbesserung von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der in der Schlussakte von Helsinki 1975 festgeschrieben wurde, wuchsen die Erwartungen auf einen Abbau der ideologischen Bedrängung und auf mehr Freiheit in der DDR, insbesondere auch für Kirchen und Christen.

Am 6. März 1978 erklärte die Partei- und Staatsführung der DDR einen veränderten Kurs gegenüber den Kirchen. Sie akzeptierte deren dauernde Existenzberechtigung, versprach Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Christen und gewährte eine Reihe praktischer Erleichterungen der kirchlichen Arbeit. Verhandlungspartner auf  kirchlicher Seite war der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR, an dessen Spitze der Dechant des Domkapitels, inzwischen Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg, Albrecht Schönherr, stand. Schönherr war geprägt durch die Erfahrungen des Kirchenkampfes der Nazizeit, die Barmer Theologische Erklärung und seinen Lehrer Dietrich Bonhoeffer. Schönherr vertrat in all den Jahren als Dechant und Bischof die Überzeugung, dass Christen sich nicht von den Prognosen der Kommunisten einschüchtern lassen dürfen. Kirche werde Kirche bleiben, weil Gott sie will. Schönherrs unbeugsamer aber freundlicher Verhandlungsführung waren vor allem die Verbesserungen zu verdanken. So konnte unter anderem die Gefangenen- und Krankenhausseelsorge ermöglicht, Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu kirchlichen Fernsehsendungen erreicht, ein Luther-Jubiläumsjahr vereinbart, mehrere Kirchentage genehmigt werden, Grundstücksfragen geklärt und Erleichterungen für die kircheneigene Landwirtschaft erwirkt werden.

Das Domkapitel konnte 1978 Resümee ziehen und feststellen, dass das Verhandlungsklima bei den Staatsorganen wesentlich verbessert sei. 1984 sagte der Staat zu, dass alle Gebäude des Doms wieder in kirchliche Nutzung kommen würden. 1988 statteten Regierungsvertreter einen offiziellen Besuch im Domstift als Würdigung seiner kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen ab. Für die Domgüter konnte eine annähernde Gleichbehandlung mit Staatsgütern erreicht werden. Und der Kirchenforst konnte in seiner Preisgestaltung Lieferungen an kirchliche Abnehmer günstiger stellen.

Doch bei der Bevölkerung der DDR wuchs die Unzufriedenheit weiter. Die Menschen litten unter mangelnder Reisefreiheit, fehlender Meinungsfreiheit, Behördenwillkür, Ungleichbehandlung, Benachteiligung und Verfolgung Andersdenkender, wirtschaftlicher Unzulänglichkeiten und unzureichender Versorgung, Zehntausende versuchten auszureisen, die Proteste wurden öffentlich. Seit Mitte 1989 gab es Demonstrationen in allen größeren Städten, die in den evangelischen Kirchen begannen. Auch im Brandenburger Dom fanden jeden Mittwoch Andachten für Veränderungen im Lande statt. Am 21. 10. 1989 fand im Dom und im Domhof ein Gottesdienst mit über 8.000 Menschen statt, in dem die Reformforderungen des Neuen Forum vorgestellt wurden. Die Sicherheitskräfte der DDR rechneten bei diesen Protesten mit Steinwürfen, brennenden Parteizentralen und gelynchten Funktionären, um dann den starken bewaffneten Kräften einen Einsatzbefehl zu geben. Doch die in den Kirchen zu Gewaltlosigkeit aufgeforderten Demonstranten trugen Kerzen statt Steinen. Es gab keine Gewalt der Demonstranten und keinen Einsatzbefehl der Sicherheitskräfte. Die Staatsmacht wurde handlungsunfähig und mit dem Sturm auf die Mauer am 9. November 1989 nahm das Volk der DDR sein Selbstbestimmungsrecht wahr. Die Siegermächte befürchteten Chaos und ein Ende der Ost-West-Entspannung. Für die Sowjetunion wurden die Beruhigung der Lage und die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Westen wichtiger als eine gewaltsame Aufrechterhaltung der DDR. Der Übergang in eine demokratische Gesellschaft wurde an Runden Tischen vorbereitet. Ein Runder Tisch der Protestbewegung mit dem Oberbürgermeister und allen Parteien trat am 19. 12. 1989 in  Brandenburg unter Leitung der Dompfarrerin Cornelia Radeke zusammen. Die Menschen in der DDR konnten am 18. März 1990 frei wählen und entschieden sich mit großer Mehrheit für eine schnelle Wiedervereinigung Deutschlands. Nun begann ein Sturzflug in die deutsche Einheit mit einem totalen Umbruch der Verhältnisse.

Die neue Zeit brachte für das Domkapitel neue Herausforderungen. Kredite und Hypotheken mussten aufgenommen werden. Die Domgüter kämpften ums Überleben und mussten sich darauf einstellen, dass nun Flächenstilllegungen statt Höchstleistungen gefordert wurden. Das Forstamt sah sich durch verschärfte Arbeitsschutzbestimmungen gefordert. Verwaltung und Archiv mussten sich auf die PC-Nutzung einstellen. Starkes Interesse an Grundstücken und Jagdpachten wurde gezeigt. Die Domgemeinde erlebte völlig neue Aufgaben an jugendlichen Arbeitslosen. Das Domkapitel beklagte mangelnde Akzeptanz bei kommunalen Behörden und tat sich gleichzeitig schwer mit dem wachsenden öffentlichen Interesse am Dom. Gegenüber den „Klassikern auf Landpartien“ mit Fernsehübertragung und großer Lichtfülle wurde in mehreren Beratungen des Domkapitels gefremdelt. Im Predigerseminar gab es Ost-West-Diskussionen. Doch bald setzte sich im Domkapitel die Erkenntnis neuer Chancen durch in viele Bereiche der Gesellschaft hineinwirken zu können.

Denn das Domstift unter Leitung des Domkapitels hat sich nicht nur in einer kirchenfeindlichen Kampfzeit behauptet, sondern auch gute Voraussetzungen für künftiges Handeln geschaffen. Die Domgemeinde konnte die Botschaft des Evangeliums in vielfältiger Weise für Jung und Alt bereithalten und dabei auch jahrhunderte alte Gegensätze zu den Stadtgemeinden verringern. In der Krypta konnte eine viel beachtete Mahn- und Gedenkstätte gegen Nazibarbarei, für Gerechtigkeit, Toleranz und Frieden geschaffen werden. Die Kirchenmusik am Dom, insbesondere die von den Kantoren Wolfgang Fischer und Matthias Passauer gestalteten Sommermusiken, fanden wachsendes Interesse weit über die Kirchenmitglieder hinaus. Das Archiv wurde vorbildlich geordnet, nahm zahlreiche kirchliche Einzelarchive auf und gewann hohe Anerkennung in allen Fachkreisen. Seine Leistungen wurden weltweit beachtet, als bei der 750-Jahrfeier Berlins 1987 Ost und West auf die Ersterwähnungsurkunden Berlins angewiesen waren. Die Ausstellungen im Dom und in der Petri-Kapelle fanden starkes Interesse, vor allem nachdem 1985 mit einer Loriot-Ausstellung ein gesellschaftliches Großereignis gelungen war. Die kirchliche Ausbildungsaufgabe konnte am Dom aufrechterhalten werden und hatte in den Beratungen des Domkapitels einen hohen Stellenwert. Das Domkapitel bekannte sich in all den Jahren zur Behindertenarbeit auf dem Lindenhof und steuerte diesen Auftrag 20 Jahr lang in unmittelbarer Verantwortung unter Einbeziehung der Domgüter. 1970 wurde diese Arbeit an den Landesausschuss für Innere Mission übertragen, der sie in seine vorbildliche Behindertenarbeit eingliederte. Dabei konnten die Wohn-, Arbeits- und Betreuungsbedingungen verbessert werden. Die Domgüter und der Forstbetrieb waren eine gewaltige finanzielle und organisatorische Belastung für das Domkapitel. Der Staat hat eine zeitlang die Domgüter als finanzielles Druckmittel genutzt und wohl gehofft, die Kirche damit ruinieren zu können. Mehrfach wurde im Domkapitel über deren Abgabe diskutiert. Das Domkapitel, vor allem der Dechant und der Kurator sahen sich in der Pflicht gegenüber dem Erbe und verstanden die Güter als Vorposten kirchlichen Dienstes in der Gesellschaft. Theologischer Streit brach auf, ob es denn Aufgabe der Kirche sei, landwirtschaftliche Arbeitsplätze vorzuhalten. Die Landwirtschaft konnte schließlich durch die hervorragende fachliche Beratung von Wilfried Merian und den Einsatz der Verwalter Siegfried Bauer, Hans Müller und Klaus Steglich sowie breiter Hilfsmaßnahmen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und der Evangelischen Kirche in Deutschland erhalten bleiben. Unter günstigeren Bedingungen und mit dem Geschick von Forstmeister Robert Hinz konnte der Forstbetrieb zu einem Vorzeigeunternehmen werden und dem Dom Baumaterial sowie Finanzen zur Verfügung stellen. Der Erhalt der Domgebäude war die größte Herausforderung in den DDR-Jahren. Mit Unterstützung der staatlichen Denkmalpflege, Hilfe aus dem Westen und der Umsicht der Kuratoren Kurt Grünbaum, Willy Kupas und Hans-Georg Hafa konnte dieser Schatz für die neue Zeit erhalten werden.

Das Domkapitel Brandenburg hat von 1945 bis 1990 das wiedergewonnene Erbe kirchliches Domstift bewahrt, ausgebaut und zukunftsfähig gemacht. Großen Anteil haben daran mit ihrer Glaubensgewissheit und ihrem großen Geschick der Dechant Albrecht Schönherr und der langjährige Kurator Kurt Grünbaum.

Wir wollen Gott danken, dass unserer Kirche und unserem Land Brandenburg mit dem Dom Brandenburg ihre geistliche Mitte und Wurzel gefestigt wurden.

Quellen:
Wolfgang Schößler Das Domstift Brandenburg und seine Archivbestände, Frankfurt am Main 2005
Protokolle des Domkapitel Brandenburg 1946 bis 1992 (unveröffentlicht)
Vermerk von Hans-Georg Hafa vom 30. 1. 2011 (unveröffentlicht)
Vermerk von Christian Spree vom 16. 3. 2011 (unveröffentlicht)
Vermerk von Joachim Nischwitz vom 23. 3. 2011 (unveröffentlicht)

 

Wer Bäume pflanzt, will Zukunft und Frieden!

Was vor 20 Jahren von manchem als abwegige Idee gesehen wurde, ist Wirklichkeit geworden: Am Odertal, einem Platz des Todes und der Verzweiflung, aber auch der Hoffnung und des Neubeginns, ist die Saat der Verständigung aufgegangen!

Gernot Schmidt, Ben Wargin, Eberhard Grashoff und Martin Stade hatten vor 20 Jahren die Vision, genau an diesem Ort Bäume zu pflanzen. Zur Erinnerung an den mörderischen Krieg, an die vielen Toten, die Soldaten, die Zivilisten aus Rußland, Polen, Weißrußland, Deutschland und um zum sinnlosen Sterben ein Gegensignal zu setzen, auf Wachstum Leben und Zukunft für alle betroffenen Völker, für Verständigung und Zusammenarbeit in Europa.

Als Auftrag für die Lebenden, besonders die Jugend!

Und jetzt sehen wir die Ergebnisse einer 20jährigen Friedensarbeit: Der Friedenswald auf dem Krugberg bei Werbig wurde der Anfang einer Kette von Friedenswäldern, die über Polen bis Rußland reicht.  Sie wurden von deutschen, polnischen und russischen Jugendlichen gepflanzt. Schüler des Gymnasiums in Seelow pflegen eine Partnerschaft mit der Schule Nr. 7 in Brest.

Auf Einladung von Werner Stötzer haben Künstler aus mehreren Ländern hier Skulpturen geschaffen als „Zeichen für den Aufbau eines gemeinsamen Hauses Europa“. Das Bildungs- und Begegnungszentrum Trebnitz führt im Zusammenhang mit dem Friedenswald Projekte mit Jugendlichen aus Deutschland, Polen, Rußland, Weißrußland durch. Im Juni dieses Jahres aus Anlass des Überfalls Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion vor 70 Jahren.

Am Ort der Trauer und der Mahnung wächst Zukunftsarbeit. Ginko-, Eschen- und Birken-Bäume symbolisieren Unterschiede und Zusammenhalt, geben Hoffnung auf eine menschen- und naturfreundliche Welt: für unsere Völker.  Auch unsere Staaten sind sich näher gekommen trotz mancher Missverständnisse, Vorurteile und Differenzen.  Es wächst die Erkenntnis der gemeinsamen Aufgabe zur Friedenssicherung, Rückbau der Nuklearwaffen, Terrorismusabwehr, Katastrophen- und Seuchenschutz.

Aber auch zur Notwendigkeit kultureller, wissenschaftlicher Kooperation und nicht zuletzt für die Energiesicherheit. Die Erkenntnisse, die unsere Völker in der unmittelbaren Erfahrung gewonnen haben, können weltweit nützlich sein, um gegen den Krieg oder gegen atomare Katastrophen vorzubeugen.

Ich danke allen, die das Projekt Friedenswald gestützt, betrieben, lebendig gemacht haben. Ich danke dem Verein Bildungs- und Jugendzentrum Schloß Trebnitz und der Stiftung für West-Östliche Begegnungen für diesen Erinnerungstag. Ich danke den Initiatoren Gernot Schmidt, Ben Wargin und Eberhard Grahoff und setze auf weitere Friedensanstöße von Ihnen!

Ich erinnere dankbar an den unlängst verstorbenen Generaloberst Matwej Burlakow, der hier vor 20 Jahren mahnte, dass Verständigung und Frieden wichtige Gebote des Miteinander sind.  Er selbst hat das im kritischen Sommer 1991 als Oberkommandierender der Westgruppe praktiziert und damals maßgeblich mitgeholfen, die Ost-West-Verständigung fortzuführen.

Ich wünsche uns, dass dieser Ort des Friedens zwischen den Menschen und Völkern und den Menschen mit der Natur weiter starke Beachtung als Zukunftssymbol findet und immer mehr junge Menschen hier Friedensförderung als dringliche Pflicht und als eine schöne Aufgabe erfahren.

Den Menschen im Oderland wünsche ich Glück und Segen!

Lieber Jörg Hildebrandt,

Sie fragen mich, ob ich von der „kleinen DDR Brandenburg“ gesprochen habe.

Die „kleine DDR Brandenburg“ war ein Kampfbegriff einiger Westberliner Fusionsgegner. Ähnlich wie „sozialistische Wärmestube“, „rotes Meer um Berlin“, „wir wollen in einem Land Berlin-Brandenburg nicht von einem IM regiert werden“.

Damit wurden letztlich nicht die Westberliner gegen die Fusion mobilisiert, aber der Widerstand vieler Brandenburger gegen ein Land mit solchen Hetzern geweckt.

Manche Attacken verhallten nach der gescheiterten Fusion. Gegen den IM mußte ich erfolgreich bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen.

Der Vorwurf „kleine DDR Brandenburg“ wurde dann im Landtag gegen die Regierung erhoben. Ich habe ihn nicht als Verleumdung zurück gewiesen, sondern erklärt, was in der DDR sinnvoll war wollten wir behalten. Poliklinik, Kleinkinderbetreuung, Rechte der Frauen, Ganztagsschulen …

Die Entwicklung gab uns recht und die Totalverteufelung der DDR hat zu einer geteilten Erinnerungskultur mit Tendenzen zur Glorifizierung der DDR geführt.

Es bleibt noch viel zu tun! Dank für Ihre Wachsamkeit!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Manfred Stolpe