Verehrte, liebe Inga Maren Otto!
Liebe Familie Otto!

Unser aufrichtiges Beileid zum Heimgang von Werner Otto! Einhundertzwei Jahre sind ein gesegnetes Alter in einem arbeitsreichen und erfolgreichen Leben.
Werner Otto hat viel für Deutschland und auch für Brandenburg getan. Er hat den Menschen Perspektiven gegeben und immer wieder in Nöten geholfen. Ihre Stiftungen haben Maßstäbe gesetzt.
Werner Otto wurde schon zu Lebzeiten von der ganzen Bevölkerung hochverehrt und ist zu einem Denkmal geworden, das sich auch an wichtigen Bauwerken festmacht.
Bei aller tiefer Betroffenheit überwiegt die Dankbarkeit für seine Leistungen und an seine Familie, die seine Ziele weiter führt.
Sie können sehr stolz auf Werner Otto sein und wir sind es auch.

Herzliche Grüße

Manfred und Ingrid Stolpe

Die Errichtung eines internationalen Flughafens war nach der Neugründung des Landes Brandenburg von herausragendem Interesse. Die deutsche Hauptstadtregion sollte für Besucher und Touristen aus aller Welt bestmöglich erreichbar sein, und sie sollte fest in den internationalen Know-how-Transfer eingebunden werden. Im Ergebnis eines Suchverfahrens nach dem idealen Standort fiel die Entscheidung zunächst auf Sperenberg, weil dort die Beeinträchtigung für die Bevölkerung am geringsten wäre und dort hätte sich auch ein 24-Stunden-Betrieb realisieren lassen. Doch leider haben weder der Bund noch die damals in Berlin regierende Koalition den Standort akzeptiert. Von einem Parlament des Landes Berlin-Brandenburg wäre Sperenberg durchsetzbar gewesen – so meine feste Überzeugung. Mit dem Scheitern der Bemühungen zur Bildung eines gemeinsamen Landes scheiterte auch die Option Sperenberg. Alle Kraft musste nun auf den Standort Schönefeld konzentriert werden.

Heute freue ich mich auf die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg am 3. Juni 2012. Für die Region erwarte ich von diesem Flughafen starke Impulse für weiteres Wirtschaftswachstum.

Ich wünsche dem Flughafen Berlin Brandenburg einen guten Start.

Manfred Stolpe

Lieber Gerhard Wolf,
liebe Familie Wolf,

zum Tod unserer großen Schriftstellerin Christa Wolf spreche ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid aus.

Die überraschende Nachricht trifft mich sehr. Nun wird sie nicht mehr deutsche Verhältnisse in die Weltliteratur einbringen. Christa Wolf hat Nazideutschland, geteiltes und wiedervereintes Deutschland miterlebt ohne ausweichen zu können und zu wollen. Wie viele andere hierzulande spüre ich bei ihr den Puls meines eigenen Lebens. Seit ich den „geteilten Himmel“ las, bin ich ihr absoluter Fan geworden und geblieben.

Sie hat die Entwicklung in der DDR mit wachsender Skepsis erlebt und doch die Trennung vermieden. Dies wäre ihr mit einem Parteiaustritt in den siebziger Jahren oder einer frühen Veröffentlichung von „Was bleibt“ sehr leicht gemacht worden. Sie blieb bei uns, machte Mut und lässt uns in ihren Werken die Mitbetroffenheit an den Zuständen erfahren. Ihre Hoffnung auf eine bessere DDR hat sie vor einer Million Menschen am 4. November 1989 in Berlin ausgerufen und wurde doch vom Einheitsjubel überrannt. Ihre Skepsis gegenüber Märkten und Medien wurde bald bestätigt!

Christa Wolf wurde übel verleumdet, wohl auch um Ostkonkurrenz hässlich zu machen. Vorher bejubelt, als man sie als Dissidentin brauchte. Dann geschmäht, als sie der Schwarzbildmalerei der Vergangenheitsbewältigung im Wege stand. Sie hat darunter sehr gelitten. Ich hatte Hemmungen, mich deutlicher zu ihr zu stellen. Denn ich vermutete, dass meine öffentliche Unterstützung ihr neue Angriffe bringen würde.
Umso dankbarer bin ich für jede Begegnung mit ihr, ihren Widmungen in ihren Büchern, wenn sie mir zum Beispiel „Glück, Gelassenheit und weiter gute Nerven“ wünschte.

Christa Wolf bleibt bei Ihnen und sehr, sehr vielen Menschen weltweit. Bei mir überwiegt die Dankbarkeit, dass wir diese großartige Frau und nobelpreiswürdige Schriftstellerin haben durften.

Manfred Stolpe