Ausstellungseröffnung „ganz selbst. Regine Hildebrandt“

· 15. März 2011   - 

Ansprache von Manfred Stolpe bei der Ausstellungseröffnung am 15. März 2011
„ganz selbst. Regine Hildebrandt“

Fotos von Magda Greßmann

 

Als Regine Hildebrandt vor 10 Jahren starb, nahmen wir in einer eindrucksvollen Gedenkfeier Abschied von ihr. Bischof Huber, Bundeskanzler Schröder, Ministerpräsidentin Simonis sprachen, die Berliner Domkantorei sang Choräle. Wir waren alle tief bewegt.

Beim Verlassen der Nikolaikirche sagte einer dieser klugen Journalisten zu mir „in 6 Monaten ist die vergessen!“ Offenbar ging er davon aus, nur was er schreibt, gilt bei den Menschen. Aber für Regine Hildebrandt galten nicht die Regeln der Medien und der Politik.

In Brandenburg und weit darüber hinaus ist sie unvergessen! Hier rangiert sie im Ansehen weit vor allen Politikern und auch vor Friedrich dem Großen – was Prof. Dorgerloh 2012, dem 300. Geburtstag Friedrichs, noch zu schaffen machen wird.

Regine Hildebrandt ist ein Phänomen, keine Politikerin wie üblich, nicht auf Medien und Umfragen bedacht, nicht herausgeputzt, nicht stromlinienförmig erfolgsorientiert.

Aber: glaubwürdig, zäh, uneitel, bescheiden, selbstironisch, mit unbeirrter christlicher Grundhaltung, Berliner Schnauze und ein mitreißendes Lachen.

Regine Hildebrandt ging es um die Menschen, ihre Würde, um Gerechtigkeit.

Sie erkannte im Frühjahr 1990, dass das Wunder der deutschen Einheit und der nötige Anpassungsprozess für die Ostdeutschen auch Probleme, Gefährdungen, Verlust von Arbeit und Selbstvertrauen bringen wird.

Regine Hildebrandt wollte, dass der Lebensweg, die Lebensleistung, der Ostdeutschen gerecht beurteilt wird.

Sie wollte, dass sich niemand entschuldigen muss, weil er in der DDR gelebt und gearbeitet hat. Sondern im Gegenteil stolz darauf sein kann, wie unter schwierigen Bedingungen beachtliche Leistungen im Alltag von Arbeit und Familie erbracht und das Zusammenleben aufrecht erhalten wurde.

Ihre Worte:

Nicht unterkriegen lassen, die neuen Herausforderungen annehmen,

Wer abwartet, hat schon verloren,

Die Menschen mitnehmen, ihnen eine Chance geben.

Die DDR nicht pauschal verteufeln, aber auch nicht glorifizieren!

Gutes Neues übernehmen, aber auch Bewährtes erhalten.

Den Menschen Mut und Selbstbewusstsein geben.

Die Brandenburger sollten nicht Fremde im eigenen Land werden.

 

Wie eine Löwin hat Regine Hildebrandt für die Menschen gekämpft, für die Benachteiligten, für die Gefährdeten. Sie hatte als Ministerin für Arbeit – Gesundheitswesen – Soziale Fragen – Frauen das schwerste Paket beim Start Brandenburgs.

Sie redete wie ein Wasserfall mit der ganzen Kraft des Herzens.

Richard von Weizsäcker sagte einmal über sie: „Ich habe keinen Menschen kennen gelernt, der mit solchem Einsatz das Zusammenwachsen gestaltet hat.“

Regine Hildebrandt ist allein mit Worten nicht zu erfassen. Wir brauchen den Ton und wir brauchen die Bilder.

Magda Greßmann ist es mit ihren einfühlsamen Fotos gelungen, die drei Dimensionen von Regine Hildebrandt festzuhalten:

–         die Kämpferin,

–         die Nachdenkliche, Besinnliche

–         die Fröhliche.

In einem Jahrzehnt fotografischer Wegbegeleitung hat Magda Greßmann so etwas wie ein Psychogramm herausgefunden.

Wir erkennen auch die Getroffene:

von der politischen Trennung 1999 – als Regine Hildebrandt – vielleicht prophetisch – eine andere Regierungskoalition in Brandenburg wollte.

Wir sehen die Leidende, vom Krebs Besiegte und im Angesicht des Todes.

Liebe Magda Greßmann, ich danke Ihnen, dass sie bei aller optischen Nähe die Menschenwürde Regines gewahrt haben.

Das ist nicht selbstverständlich bei den Fotografen!

Sie haben auch die Schönheit dieser Frau festgehalten und sie helfen mit ihren Bildern mir und anderen so wie es Jörg Hildebrandt sagte „Die Erinnerung macht mich fröhlich“

Ich danke der Künstlerin Magda Greßmann und wünsche Ihnen, dass Ihr großes Talent noch viel mehr Beachtung findet und diese Ausstellung ein voller Erfolg wird!

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