In Doberlug findet eine Weltpremiere statt! Denn noch nie und nirgendwo wurde in einer Ausstellung die sächsisch-brandenburgisch/preußische Nachbarschaft mit ihrer wechselvollen Geschichte dargestellt. Das verdient hohe Anerkennung, vor allem, weil es der Lausitz, die von manchen Menschen als verlorene Region angesehen oder sogar vergessen wird, die verdiente Aufmerksamkeit schenkt. Denn der Nordosten Sachsens und der Südosten Brandenburgs liegen von ihren jeweiligen Landeszentren weit ab, sind auch sozial ökonomisch benachteiligt und liegen mit ihrem besonderen kulturhistorischen Erbe noch nicht im Mittelpunkt des Interesses. Selbst das Glück, dass in der sächsischen und brandenburgischen Lausitz mit den Sorben/Wenden eine wertvolle Minderheit lebt, ist noch zu wenig geschätzt und genutzt.
Die Lausitz hat eine wechselvolle Geschichte. Sie gehörte lange Zeit zu Böhmen und erhielt von dort starke kulturelle Impulse. Teile der Lausitz gehörten kurzzeitig zu Brandenburg, bis seit dem 17. Jahrhundert die Lausitz, ausgenommen Cottbus, zu Sachsen fiel und maßgeblich von dort geprägt wurde. Sachsen organisierte die Markgrafschaften Oberlausitz und Niederlausitz, förderte die wirtschaftliche Entwicklung und begünstigte seine Kultur. Im reichen und hoch entwickelten Sachsen fühlten sich die Lausitzer zuhause, zumal ihnen und ihren Ständen, vor allem den starken Adelsgeschlechtern eine gewisse Eigenständigkeit zugebilligt wurde.

Im großen Kurfürstentum und späteren Königreich Sachsen hatte die Lausitz einen guten Platz. Zahlreiche kunst- und kulturgeschichtlich wertvolle Objekte zeugen von dieser Zeit auch im sonst mehr kargen Brandenburg. Neben dem kurfürstlich-sächsischen Schloß Doberlug sind hier z. B. Branitz, Altdöbern, Lübben, Lübbenau, Martinskirchen, Spremberg und Wiesenburg zu nennen. Auch eindrucksvolle und einmalige Stadtkerne wie z. B. Luckau, Finsterwalde, Jüterbog oder Belzig bezeugen unser sächsisches Erbe in Brandenburg.
Ein Erbe, das vor 200 Jahren als Kriegsbeute an Preußen fiel, weil der König von Sachsen als treuer Verbündeter Napoleons auf dem Wiener Kongreß fast zwei Drittel seines Territoriums verlor. Dabei wurde die sächsische Lausitz geteilt. Ein Teil der Oberlausitz fiel an die preußische Provinz Schlesien und die Niederlausitz an die preußische Provinz Brandenburg.
Das war eine Schmach für Sachsen, die bis heute nicht voll verwunden ist und Abneigung gegen Preußen verursachte. 1815 haben die Mußpreußen aus der Lausitz ihren Wechsel ins Brandenburgische weiterhin als Unglück empfunden.

Die Stände leisteten passiven Widerstand. Die preußische Verwaltungsstruktur, Gesetzgebung und Umgangsart veränderten die Lebenswirklichkeit der Bevölkerung in der Lausitz. König Friedrich Wilhelm III. bemühte sich sehr um eine verständnisvolle Integrationspolitik. Nach mehreren Reisen und Gesprächen hielt er seine Verwaltung an, sensibel mit den neuen Landeskindern umzugehen und die ehemaligen Kriegsgegner nicht als Besiegte, sondern als willkommene gleichberechtigte Preußen anzunehmen. In der Provinz Brandenburg wuchs Gemeinsamkeit. Vielfältige kulturelle, wirtschaftliche und zwischenmenschliche Beziehungen entstanden. Mit der vom preußischen Staat forcierten Industrialisierung wuchs die Bedeutung der Lausitz in Brandenburg-Preußen als auch der Wohlstand für die Bewohner. Die niederdeutsche Sprachverwandtschaft der Niederlausitzer und Brandenburger mag das Zusammenwachsen begünstigt haben.

Die Niederlausitz wurde und bleibt eine besonders wertvolle Region in Brandenburg. Trotz schwerer wirtschaftlicher Einbußen und dem dramatischen Verlust von Arbeitsplätzen nach 1990 ist sie mit ihrer Wertschöpfung, ihren kulturellen Leistungen, ihren Wissenschaftsstandorten, ihren Sportergebnissen vorbildlich. Und die Lausitzer sind immer ein bisschen cleverer, schneller, eben ein bisschen Sachsen, auch wenn sie nicht so sprechen.

Im Schloß Doberlug, der sächsischen Perle Brandenburgs, wird in einer qualifizierten und hochinteressanten Ausstellung die Nähe der Lausitz zu Sachsen, die Unterschiede sowie die vielen Gemeinsamkeiten präsentiert. Partnerausstellungen in Bad Liebenwerda, Cottbus-Branitz, Lauchhammer, Luckau, Lübben, Senftenberg und Zinna sowie in Bautzen, Görlitz, Krobnitz und Zittau bereichern das Informationsangebot. Das wird neugierig auf die ganze Lausitz, die sächsische und die brandenburgische, machen. Uns in Brandenburg und Sachsen kann es helfen, gemeinsame Möglichkeiten zu entwickeln, um einer der schönsten Regionen Deutschlands den gebührenden Stellenwert zu verschaffen.

In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung viel Erfolg und den Besucherinnen und Besuchern interessante und anregende Eindrücke.
Die Lausitz in Brandenburg und Sachsen freut sich über neue Freunde!

Es ist gut, dass für Berlin tätige Journalisten sich häufig mit Brandenburg befassen. Das ist für uns Brandenburger ein Vorteil. Allerdings fällt eine Neigung auf, Negativschlagzeilen zu suchen, so als ob Brandenburg das Land von Neonazis, Rassisten, Kindesmörderinnen, Stasiseilschaften und Politikerfilz wäre. Der unkundige Leser kann den Eindruck gewinnen, dass Berlin von einem Gruselland umgeben ist, in dem sich Wölfe wohl fühlen, die
inzwischen auf 5 Rudel, 3 Paare und einige Einzelgänger herangewachsen sind.

Es ist Aufgabe der Journalisten, Auffälliges herauszustellen. Und es gab auch in Brandenburg erschreckende Ereignisse. Meine Sorge ist aber, dass sich ein Negativbild verfestigen könnte. Das beunruhigt mich. Vor allem wegen meiner tiefen Überzeugung von der Zusammengehörigkeit der Region Berlin-Brandenburg. Berlin und Brandenburg,
die Metropole und das märkische Umland, sind eine Region der Gegensätze und der Gemeinsamkeiten. Diese unterschiedlichen Teile waren in ihrer Geschichte aufs engste miteinander verknüpft. Über 700 Jahre gehörten die Residenzstadt Berlin und die Mark Brandenburg zusammen – politisch, kulturell, wirtschaftlich und militärisch. Die enge Verknüpfung der Metropole mit dem Land wurde durch die deutsche Teilung radikal unterbrochen. Schmerzliche Trennungslinien an der Grenze zwischen Ost und West machten täglich deutlich, dass hier der Zusammenhang und der Austausch auf widernatürliche und brutalste Weise zum Erliegen gekommen waren.

Hauptverlierer des großen Krieges und Opfer der deutschen Teilung waren Berlin und Brandenburg. Westberlin in der Dauerbedrohung und erzwungenen Isolierung, Brandenburg und Ostberlin in einer Diktatur mit Beseitigung der Meinungsfreiheit, Unterdrückung und Verfolgung Andersdenkender, ideologischer Bevormundung, Freiheitsberaubung und
Mangelwirtschaft. Darin habe ich gelebt. Als Schüler und Mitglied der Jungen Gemeinde entging ich der Entfernung aller aktiven Mitglieder der Jungen Gemeinde von der Schule vor dem Abitur nur, weil ich noch zu jung war. Den Volksaufstand am 17. Juni 1953 erlebte ich voller Erwartung auf Veränderungen und mit der prägenden Erfahrung seiner gewaltsamen Niederschlagung. Der Westen konnte nicht helfen, auch nicht als wir 1961 eingemauert
wurden. Aber die Verbindungen zum deutschen Westen konnten nicht beseitigt werden.

Zehntausende Besucher aus der Bundesrepublik, darunter sehr viele Westberliner, die sich einen Bundespass beschafft hatten, kamen trotz aller Schikanen zu Besuch.

Die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg ließ sich nicht zur Teilung zwingen und die Evangelischen Kirchen in der Bundesrepublik und in der DDR förderten ein breites Netzwerk von Gemeindepartnerschaften. Kurt Scharf und Reymar von Wedel mit Unterstützung aus Bonn durch Hermann Kunst und Heinz-Georg Binder in Verbindung mit der Bundesregierung waren für mich als Kirchenjurist wichtige Verbindungspartner. Sie unterstützten die Kirche
im Osten mit Finanzmitteln, Engpassmaterialien und Medikamenten. Sie waren Nothelfer für Verhaftete, Schwerstkranke, Ausreisetraumatisierte. Wir nutzten jede Gelegenheit und jede Gesprächsmöglichkeit, um Erleichterungen für Menschen in der DDR zu erreichen.

Die Ostpolitik der Bundesregierung bis hin zur Einbindung der DDR in den Pakt für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit seinen Menschenrechtszusagen stärkten meine Erwartung auf Erleichterungen und Veränderungen. Die DDR-Führung allerdings versuchte verzweifelt, den Spagat zwischen der außenpolitischen Öffnung mit Annäherung an die Bundesrepublik und der Beibehaltung innerpolitischer Repressionen. Als dann selbst die Führungsmacht Sowjetunion unter Gorbatschow Veränderungen einleitete, war ich mir sicher, dass Reformen kommen werden. Ich wollte Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, Gerechtigkeit, Ende der Benachteiligung, insbesondere junger Christen und eine unabhängige Gerichtsbarkeit – auch über Verwaltungsentscheidungen. Ich unterstützte systemkritische kirchliche Gruppen durch Vermittlung von Räumen und Vervielfältigungsmaterial. Allerdings war meine Überzeugung, dass Veränderungen nur unter Vermeidung von Zuspitzungen ohne Gewalt möglich waren. Denn ich kannte die Macht der Sowjettruppen und der bewaffneten Kräfte in der DDR. In meiner Generation saßen die Erfahrungen des Krieges, der blutig niedergeschlagenen Aufstände von 1953, 1956 und 1968 sehr tief. Im Sommer 1989 hatte ich große Sorge vor einem Gewaltausbruch. Ich hatte in diesen Wochen oft mehr Sorge als Zuversicht. Mit Respekt und Dank sehe ich auf jene Menschen, die entschiedener auf den Wandel drängten und den Staatsorganen offen widerstanden. Doch eine friedliche Veränderung hielt ich für wahrscheinlich. Eine Wiedervereinigung Deutschlands habe ich erst nach weiteren Jahren der Annäherung und Verflechtung von Ost und West für möglich gehalten. Doch dann kamen die sich überstürzenden Ereignisse des Herbstes 1989 mit großen Demonstrationen im ganzen Lande für Demokratie und Freiheit, aber auch der Verzicht der Machthaber auf Waffengewalt.

Die Spontanität der Volksbewegung in der DDR erschreckte nicht nur die Führungen der DDR und der Sowjetunion, sondern auch die westlichen Siegermächte. Intensiv wurde ich als leitender Jurist der Evangelischen Kirche von Vertretern der vier Mächte gefragt. Baker, Mitterand, Jakowlew und Primakow gehörten dazu. Alle wollten wissen, gibt es jetzt Chaos und Bürgerkrieg in der DDR. Sind internationale Spannungen und Konfrontationen in Europa
die Folge. Meine Antwort konnte nur sein, am Tag des Mauersturms haben die DDR-Bürger ihren Freiheitswillen durchgesetzt und ihr Selbstbestimmungsrecht wahrgenommen. Nur freie Wahlen könnten neue Ordnung und neue Stabilität schaffen. Schließlich kam das Politbüro der KPdSU Anfang 1990 zu dem entscheidenden Beschluss, dass die Fortsetzung der Ost-West-Annäherung wichtiger sei als die gewaltsame Aufrechterhaltung der DDR.

Das Wunder der Einheit geschah. Ein kleines Wunder nach diesem großen Wunder war die Wiedergeburt Brandenburgs. Brandenburg war ein vergessenes Land. Thüringer und Sachsen hatten auch in der DDR noch eine Identität. Das Land zwischen Elbe und Oder aber war geschichtslos geworden. Das war Staatspolitik. Die Hauptursache dafür war, Brandenburg als Kernland Preußens zu treffen. Denn Preußen galt als Wegbereiter des Nazisystems und Wurzel konservativer Kräfte in der Bundesrepublik. Wer von Brandenburg sprach, war als Preußenanhänger verdächtig. An Brandenburg zu erinnern, könnte ja dem Westen einen Einstieg in die Beseitigung der sozialistischen DDR erleichtern.

In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg konnte Brandenburg nicht vergessen werden. Und die Erinnerung wurde gepflegt. Es gab Pfarrkonvente, die hin und wieder das Brandenburg-Lied sangen. Dort lernte ich das Lied und den Roten Adler kennen. Aus Westberlin konnte ich mir Aufkleber mit dem Roten Adler beschaffen, die ich auf mein
Auto klebte und auch weitergab. Tief erschrocken war ich allerdings, als mich ein sonst hoch gebildeter Bekannter auf diesen Roten Adler ansprach und fragte, wie ich denn nach Tirol gekommen sei. Der Mann kannte den Roten Adler als Wappen von Tirol. Aber wusste nichts vom Land Brandenburg und seinem Wappentier. Das Land Brandenburg mit seinem Symbol war vergessen.

Als dieses Land 1989 wieder möglich wurde, galt es, seine Wurzeln und Traditionen wieder zu entdecken. Brandenburg-Preußen war für mich auch verbunden mit der Erinnerung an die Wiederaufbauleistungen infolge der Zerstörungen nach dem 30-jährigen Krieg und dem 7-jährigen Krieg durch Überlebenswillen, Fleiß, Toleranz, Einbeziehung aller Gutwilligen und Anwerbung vieler Helfer aus anderen Ländern. Unsere Lage war vergleichbar. Nur dass wir nicht wie damals die Helfer aus Holland, Frankreich oder Österreich werben mussten, sondern Aufbauhelfer vor allem aus Nordrhein-Westfalen aber auch aus Berlin-West gewinnen konnten. Es waren zumeist selbstlose Helfer, die verhinderten, dass wir wie Blinde im für uns völlig neuen Rechts- und Wirtschaftssystem herumirrten. Es waren Menschen, die anfangs unter sehr schwierigen Bedingungen Verwaltung, Medien, politische und soziale Organisationen in Gang brachten.

Der Umbruch beseitigte die staatliche Kontrollwirtschaft und führte den Markt als Bestimmungskraft über die Existenz von Betrieben ein mit verheerenden Folgen für tausende Unternehmen und hunderttausende Arbeitsplätze. Es war ein totaler, sozialer und mentaler Umbruch, der die Menschen einem beispiellosen Veränderungsprozess aussetzte.

Die Diktatur hatte eine große Bürde hinterlassen. An erster Stelle das Unrecht, das die Lebensläufe vieler Menschen bedrängt hatte. Ich war der Auffassung, was strafrechtlich relevant war, musste mit den Mitteln des Rechts aufgeklärt und bestraft werden. Dabei musste der Grundsatz gelten, Recht, nicht Rache. Unser erster Justizminister Hans-Otto Bräutigam hatte davon klare Vorstellungen. Recht, nicht Rache, Wahrheit und Versöhnung war der Weg, den wir eingeschlagen haben. So hatte es mir persönlich der südafrikanische Erzbischof Desmondo Tutu, ein Vertrauter von Nelson Mandela nahegelegt.

Die erste Regierung im neuen Brandenburg haben SPD, FDP und Bündnis 90 gebildet. PDS und CDU waren im Landtag die Opposition und doch haben wir bis 1994 15 Gesetze von allen Fraktionen gemeinsam eingebracht und beschlossen. Wir wollten in schwieriger Zeit den großen Herausforderungen gemeinsam begegnen. „Konsensdemokratie“ nannten es
manche Beobachter abfällig. Mir war es aber wichtiger als eine „Konfrontationsdemokratie“ mit parteipolitischer Rechthaberei unter Vernachlässigung der Landesinteressen. Am 14. Juni 1992 wurde eine von allen Parteien des Landtags gemeinsam erarbeitete Verfassung in einer Volksabstimmung mit 94 % bestätigt. Das ist eine Verfassung, die als einzige ostdeutsche Verfassung den Entwurf des Runden Tisches 1990 aufnahm und in seiner Präambel zu
Recht, Toleranz und Solidarität verpflichtet. Später hat man unsere Bereitschaft, ja unsere Stärke, Kompromisse zu schließen, um möglichst viele mitzunehmen, den „ Brandenburger Weg“ genannt. Doch wir haben gelernt, uns wegen unserer Unterschiede nicht zu verteufeln.

Einfältig von mir war, dass ich die Wirkung unserer Andersartigkeit auf westliche Betrachter unterschätzt habe. Den von Berliner Fusionsgegnern als Verleumdung Brandenburgs gedachten Vorwurf „kleine DDR“ durfte ich nicht verniedlichen, sondern musste sehen, dass er böse Erinnerungen an das Rote Meer um Westberlin bediente. Ich habe in der DDR gegen die politische Diktatur für Respekt und Würde für Andersdenkende gekämpft und gelernt, differenziert über Menschen zu urteilen. Ich bin nicht bereit, unter neuen Vorzeichen anders zu handeln.

Ich bin stolz auf das alte Land Brandenburg und seinen Wiederaufbau in den letzten 20 Jahren. Wir haben 47 Industriekerne gesichert und zahlreiche industriebezogene Dienstleistungen ermöglicht. Die Stahlstandorte Eisenhüttenstadt, Hennigsdorf und Brandenburg an der Havel, die Chemieindustrie in Schwarzheide, Schwedt und Guben sowie die Fahrzeugindustrie in Ludwigsfelde haben wir gegen manche Ratschläge gemeinsam mit den Belegschaften sichern können.

Wir haben historische Stadtkerne und die Infrastruktur des Landes innerhalb weniger Jahre rekonstruiert und modernisiert. Wir haben Universitäten gegründet und Forschungsstätten angesiedelt. Wir konnten für Brandenburg Freunde und Förderer im Westen aber auch im Osten diesseits und jenseits der Grenzen gewinnen.

Wir haben von Anfang an auf enge Zusammenarbeit mit Berlin gesetzt. Nach dem Scheitern der Volksabstimmung über die Bildung eines Landes Berlin-Brandenburg haben wir auf vertiefte verbindliche Kooperation gesetzt, die uns zum Beispiel gemeinsame Gerichte, eine gemeinsame Rundfunkanstalt und den Flughafen Berlin-Brandenburg International gebracht hat. Eine übereilte Fusionsdebatte brauchen wir nicht. Aber wir brauchen den entschlossenen Willen zur guten Zusammenarbeit. Die weltweite Globalisierung stellt Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit, auf die wir als eine einheitliche Region antworten müssen. Brandenburg als Flächenland und Berlin als eine hochverdichtete Metropole ergänzen sich zu einer Region mit vielseitigen Entwicklungspotenzialen. Berlin und Brandenburg bilden eine ideale Metropolenregion, die sich in ihren Stärken ergänzt. Sie ist unsere Zukunft.

Diese Zukunft wird kein Spaziergang. Wir stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Wir erleben eine starke Differenzierung, ja Polarisierung in der Gesellschaft bei wachsender Armut vieler und wachsendem Reichtum weniger. Das kann zu schweren Verwerfungen führen, wenn nicht stärker auf soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt der Gesellschaft geachtet wird.

Die in Berlin weithin gelungene Integration Zehntausender Zuwanderer aus anderen Ländern und Kulturkreisen ist ein Glücksfall für die ganze Region, fördert ihre Attraktivität durch Liberalität und Weltoffenheit. Wir in Brandenburg müssen diese Entwicklung noch nachvollziehen. Uns fehlt die Erfahrung multikulturellen Zusammenlebens. Hinzu kam, dass die von Ulbricht eingeleitete Abgrenzungspolitik gegenüber der Bundesrepublik, die das Bewusstsein einer nationalen Zusammengehörigkeit in Deutschland ausmerzen wollte, das Gegenteil bewirkte. Deutsch zu
sein, war tiefe Überzeugung und auch Hoffnung, selbst bei nach dem Mauerbau Geborenen.

Die neue Freiheit nach 1989 brachte Verunsicherungen, Ängste um Arbeitsplätze und die Sorge, zweitklassig in Deutschland zu sein; vielleicht sogar drittklassig erst nach den vielen zugewanderten inzwischen erfahrenen Bundesbürgern ausländischer Wurzel.

Es kamen Naziführer in den Osten und propagierten Nationalstolz, Rassismus, Ausländerhass und fanden zu meinem Entsetzen Anhänger. Ich wollte es zunächst nicht wahrhaben. Glaubte an Einzelfälle. Doch die hörten nicht auf, sondern wurden mehr. Ich begriff, dass diese Situation nicht allein mit Polizei und Justiz zu ändern war. Wir brauchten die Unterstützung aller Gutwilligen, aller demokratischen Parteien, aller gesellschaftlichen Organisationen von den Kirchen bis zu den Sportverbänden, um ein weltoffenes tolerantes Brandenburg zu schaffen. Wir brauchten einen landesweiten gesamtgesellschaftlichen Verbund gegen Gewalt und für Menschenfreundlichkeit.

In diesen Tagen haben wir uns an 15 Jahre Aktionsbündnis gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt erinnert und konnten feststellen, dass viele Menschen weltoffener geworden sind und verstehen, dass Zivilcourage und gemeinsames Handeln mit Mitmenschen anderer Herkunft, Hautfarbe und Kultur für jeden einzelnen und das ganze Land ein Gewinn ist. Das bleibt allerdings eine ständige Aufgabe, wie zum Beispiel kürzlich Nazischmierereien an einer
Zeitungsredaktion zeigten.

Eine große Herausforderung für die Länder Berlin und Brandenburg ist die Konsolidierung ihrer Finanzen. Brandenburg ist bemüht, in wenigen Jahren schuldenfrei zu sein. Berlin hat es weitaus schwerer. Auch weil die Metropole viele Leistungen für Brandenburg und weit darüber hinaus vorhält. Aber die Bereitschaft der finanzstarken Bundesländer und des Bundes zu Unterstützungen nimmt ab. Und der Tag ist nicht mehr fern, an dem massiver Druck zu Einsparungen und möglicherweise Länderfusionen aufgebaut wird. Ich erinnere mich noch
lebhaft an nächtelange Diskussionen mit den Länderministerpräsidenten um die Verlängerung des Solidarpaktes. Es macht Sinn, die Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg auszubauen und nicht erst von Bundesregelungen überrollt zu werden.

Berlin und Brandenburg sind eine Hauptstadt-Metropolen-Region. Politik sollte das gezielter fördern und Journalisten könnten es bei ihrer Arbeit mehr berücksichtigen. Es soll einzelne Brandenburger geben, die noch nie in Berlin waren. Es soll einige Berliner geben, die noch nie in Brandenburg waren. Das ist nicht gut, denn gemeinsame Zukunft beginnt beim Kennenlernen, Zuhören, Verstehen und Tolerieren von Unterschieden. Mit Berliner
Kreativität und Internationalität sowie Brandenburger Weite und Beharrlichkeit können wir eine der stärksten Wachstumsregionen in Europa sein. Das darf nicht durch Brandenburger Sturheit und Berliner Hochmut behindert werden.

Frage 62 des Heidelberger Katechismus: Warum können aber unsere guten Werke nicht die Gerechtigkeit vor Gott oder ein Stück derselben sein?

Von des Menschen Elend, Erlösung und Dankbarkeit – so lauten die drei Hauptstücke des Heidelberger Katechismus. Die mir zugedachte Frage 62 fällt in den Komplex „Gottes Gerechtigkeit und unsere Werke“. Der Gedankengang ist folgender: Gerechtigkeit vor Gott erlangt der Mensch ohne Werke – allein durch Gnade (Frage 60 f.). Dieses Geschenk darf ihn aber nicht „leichtfertig und gewissenlos“ werden lassen, sondern soll zu dankbarem Engagement führen (63f.). Deshalb erwähnt bereits Frage 64 als Folge der Rechtfertigung die „Früchte der Dankbarkeit“. Dazu heißt es im dritten Teil des Katechismus („Von der Dankbarkeit“): Wir, die Gerechtfertigten, sollen gute Werke tun: (1) um uns „dankbar gegen Gott für seine Wohltat“ zu erweisen, (2) damit er „durch uns gepriesen wird“, (3) wir selbst „unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß werden“ und (4) „unsern Nächsten auch für Christus gewinnen“ (Frage 86 ff.).

Das ist das große Ganze, in das wir durch die Tür von Frage 62 eintreten. Dankbarkeit soll deshalb auch das Motto sein, unter dem ich von der gemeinsamen Zeit mit Bischof i. R. Dr. Engelhardt berichten will: Er war ab 1980 Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Baden und ab 1991 Ratsvorsitzender der EKD – ich war beim ostdeutschen Kirchenbund tätig und ab 1982 bei der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Ost). Baden und Berlin-Brandenburg waren Partnerkirchen. Die Kirche war „die einzige Klammer, die es in unserem Volk zwischen Ost und West gab. Jede Landeskirche hatte eine Partnerkirche in der damaligen DDR, auf allen Ebenen unseres kirchlichen Lebens gab es Begegnungen, von der Gemeinde bis zur landeskirchlichen Leitung. Das ist über 40 Jahre gewachsen.“[1]

Noch heute sehe ich Bischof Engelhardt als Gast in einer Potsdamer Kirchengemeinde. Es war das Revolutions-Jahr 1989. Bei den Kommunalwahlen im Mai hatte es staatlicherseits Fälschungen gegeben. Eine politisch hochexplosive Spannung lag in der Luft. Auch die vielen jungen Menschen, die zu diesem Ost-West-Gemeindetreffen gekommen waren, drängten auf schnellen Umbruch. Sie wollten ihrem Leben neuen Sinn und der Gesellschaft eine Wende zum Guten geben.

Dazu schreibt Engelhardt später: „Nach den Kommunalwahlen in der DDR 1989 besuchte eine Delegation der badischen Kirchenleitung die berlin-brandenburgische Kirche. In einer Sitzung unter Leitung des damaligen Bischofs Forck wurde über Proteste berichtet, es gab Vorwürfe der Wahlmanipulation. Mich hat überrascht, mit welcher Eindringlichkeit das von der Kirchenleitung besprochen wurde, und dass Konsistorialpräsident Manfred Stolpe vom Bischof beauftragt wurde, sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Man wusste, Stolpe hat Kontakte zu SED-Stellen, die immer wieder in Anspruch genommen wurden. Auch dass wir ohne weiteres einreisen konnten und uns in der DDR bewegen konnten – da stand im Hintergrund der Einfluss von Manfred Stolpe. Er war für mich ganz klar ein Mann der Kirche, bei allen Kontakten, die er hatte.“[2]

Engelhardt verstand wie kaum ein anderer zuzuhören. Und was er erlebte, bewegte sein Herz. Auch in dieser Phase des Gärens und Drängens stellte er sich uns als Mitbetroffener zur Seite. Zurückhaltend, aber klar, reagierte er. Er wollte Partner sein – nicht von oben herab, nicht bevormundend, sondern auf gleicher Augenhöhe. Wir spürten: Hier machen Menschen aus dem Westen unsere Anliegen zu ihren eigenen, ohne sich über uns zu erheben. Das war gelebte Geschwisterlichkeit, Solidarität. Das galt viel – 1989 ebenso wie heute. Denn: „Noch immer fühlen sich viele benachteiligt, noch immer gibt es unausrottbare Vorurteile, Fremdheit und Hürden. Sowohl im Westen als auch im Osten… Eine vollendete Einheit sieht anders aus.“[3]

Die Geschwister aus Baden kamen uns nahe: als Hörende und Begleitende. Unvergessen bleibt ein intensives Gespräch am 12. Oktober 1984: Bischof Klaus Engelhardt und mehrere Begleiter aus Baden waren mit Bischof Dr. Forck und weiteren Berlin-Brandenburger Kirchenvertretern in unserer Potsdamer Wohnung zusammengekommen. War es die sonst große räumliche Distanz, die füreinander besonders aufgeschlossen machte? War es die liebenswürdige „badische Lebensart“, die eine so wohltuende menschliche Nähe ermöglichte? Oder war es nicht auch die tiefempfundene Gemeinschaft des Glaubens, die wir nicht nur im Gottesdienst bekannten, sondern erleben durften?

Und uns wurde vielfach geholfen – auch mit Geld und mit Sachspenden. Mal waren es in der DDR nicht zu erhaltende Materialien für den Kirchbau, dann die Vervielfältigungstechnik für Gemeindebriefe. Besonders beliebt waren die zeitgemäßen Notenbücher für den Posaunenchor. Das alles war wichtig. Und ist es heute noch. Dank finanzieller Unterstützung aus Baden wurden im Jahr 2010 Instandsetzungsarbeiten an erhaltenswerten Kirchen in Lychen, in Wusterhausen und in Trebbin durchgeführt. Denn auch in Brandenburgs ländlichen Regionen soll das aus Stein und Ziegel erbaute Glaubenszeugnis nicht verstummen. „Da, wo es praktisch und konkret ist, setzen Bürger sich ein… An der Basis wird um die Einheit gerungen, und das klappt auch in der Regel.“[4]

Aber mehr noch: Während der Gespräche um die Wiedervereinigung der EKD hat Bischof Engelhardt als Ratsvorsitzender Achtung vor unserer im Osten gewachsenen Art, Kirche zu sein, zum Ausdruck gebracht – bis dahin, dass er zuweilen mit fragendem Blick die Impulse, die von uns ausgingen, aufnahm: „Warum haben sich die östlichen Landeskirchen mit Kirchensteuer, Religionsunterricht und Militärseelsorge so schwer getan und in erster Linie nur die Gefahr einer Abhängigkeit der Kirche vom Staat gesehen, nachdem sie in dieser Hinsicht vor der Wende unbekümmerter waren und sich eine gehörige Portion Unbefangenheit bewahrt hatten? Es bleibt für mich ein nicht auflösbarer Widerspruch zwischen Öffentlichkeitszuwendung vor der Wende und Öffentlichkeitsscheu nach der Wende.“[5]

Zurück zu Frage 62 aus dem Heidelberger Katechismus. In ihrem Licht muss jetzt ergänzt werden: Bei aller tiefen Dankbarkeit – zur Rechtfertigung vor Gott kann, gemäß reformatorischer Grundüberzeugung, die anrührende Treue Bischof Engelhardts nicht dienen. Aber dadurch wird sie in nichts entwertet! Denn die Rechtfertigung ist ihm bereits zuteil geworden, ehe er etwas für Kirche und Christen im Osten tun konnte. Gottes Ja geht voraus. „Der Glaube sagt: Du brauchst dir nicht ständig den Puls zu fühlen. Das gibt Freiheit und Selbstbewusstsein und eine innere Gelöstheit, Verantwortung in der Welt zu übernehmen.“[6]

Sein vom Kreisen um sich selbst befreiter Glaube hat Bischof Engelhardt gewiesen auf den Weg der selbst-losen Stärkung jener „besonderen Gemeinschaft“, die uns Christen in der DDR mit den Geschwistern der EKD über Mauer und Stacheldraht hinweg verband. Mit Zustimmung hat er unser Bemühen um Zeitgenossenschaft wahrgenommen: „Die Kirchen in der ehemaligen DDR… haben sich darum bemüht, Gemeinde Jesu in der atheistischen Gesellschaft zu sein. Kirche als Lerngemeinschaft: Das muss in unseren Landeskirchen und in der EKD wichtig bleiben“, erklärte er 1994.[7] Und wie sehr war er bestrebt, nach dem Wunder der „Friedlichen Revolution“ den Prozess des Zusammenführens von Kirche-Ost und Kirche-West achtsam im Blick auf diejenigen Bedingungen zu gestalten, unter denen wir als Zeugnis- und Dienstgemeinschaft gelebt hatten. „Trotz Zeitnot und Entscheidungsdruck hätten wir uns in Ost und West intensiver um die Denkweise der Schwestern und Brüder aus dem je anderen Teil Deutschlands hineindenken müssen… Wir im Westen hätten deutlicher anerkennen müssen, welche seelische Leistung die Menschen im Osten erbracht haben, als sie sich völlig unerwartet von einem Tag auf den anderen auf total neue Lebensverhältnisse umstellen mussten.“[8]

Die Beteiligten in Berlin-Brandenburg haben das geschwisterliche Agieren von Bischof i. R. Dr. Engelhardt als wohltuend empfunden. Als Richtschnur galten Respekt und Solidarität. „Mit Geduld und vielleicht auch viel Liebe haben wir es geschafft“, beschrieb treffend der damalige EKD-Synoden-Präses Jürgen Schmude das Miteinander der Kirchen während des Einigungsprozesses.[9]

Anlässlich des 80. Geburtstages von Bischof i. R. Dr. Klaus Engelhardt dürfen wir von Herzen dankbar zurückblicken auf sein eindrucksvolles Lebenswerk. Es ist eine Frucht, die erwachsen ist aus dem Glauben an Gottes rechtfertigende Gnade, „denn es ist unmöglich, dass Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.“[10]



[1]  EKD-Interview mit Engelhardt, in: EKD-Meldungen vom 20.01.2010

[2]  Ebd

[3]  Beatrice von Weizsäcker: Die Unvollendete, 55, Lübbe 2010

[4]  Ebd. 191 f.

[5]  Engelhardt: Geistesgegenwärtige Kirche, in: Ihn zu fassen, ist fast unsere Freude zu klein, 23, Calwer Verlag 2002

[6]  Engelhardt: Das ewig Licht geht da herein… Bericht des Rates der EKD 1997, aaO, 216

 [7]  AaO, 249

 [8]  Geistesgegenwärtige Kirche, in: Ihn zu fassen… 24

 [9]  EKD-Meldungen vom 07. November 2011

[10]  Heidelberger Katechismus zu Frage 64

Der Martin-Heinze-Fonds erinnert an die Gefährdung von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten durch Gewalttaten und ehrt unseren ermordeten Polizeihauptmeister Martin Heinze.

Der Martin-Heinze-Fonds mahnt zur Aufmerkasamkeit für die Risiken des Polizeiberufs und gibt Hilfe in Notfällen.

Ich danke den Stiftern und bitte um finanzielle Unterstützung des Martin-Heinze-Fonds.

Manfred Stolpe.

Vor einem Jahr hat uns Dietrich Stobbe verlassen und der Verlust schmerzt mich noch immer sehr. Denn es gehört zu den Glücksfällen meines Lebens, Dietrich Stobbe zu begegnen. Er war für mich ein treuer Freund und wichtiger politischer Wegbegleiter. Wir lernten uns kennen, als er frei von Last und Undank politischer Ämter, aber voller für mich wertvoller Erfahrungen in dem Politik- und Wirtschaftssystem West war.

Winfried Staar hat den Kontakt vermittelt und ich konnte den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Stobbe in Potsdam begrüßen. In guter Erinnerung bleibt ein langes Gespräch in meiner Wohnung mit Dietrich, Ilse und Michael Stobbe im Juli 1984. Wir tauschten unsere Ost-West-Erfahrungen aus, bemühten uns, die jeweils andere Sichtweise zu verstehen und zu tolerieren. Wir erlebten, wie wichtig es ist, miteinander zu reden, zuzuhören, unsere Horizonte zu erkennen und beglückende Gemeinsamkeiten zu erfahren. Dietrich Stobbe brachte seine Erfahrungen aus dem mir fremden Westberlin mit. Die andersartigen Strukturen, sozialen Gegebenheiten und politischen Kämpfe hat Stobbe 1977 als Regierender Bürgermeister von Berlin-West angepackt, hat mutige Reformen gestartet und war dann 1981 dem Filz und Intrigen erlegen. Das hat ihn verletzt, aber auch gehärtet und seine Erfahrungen waren für mich ein erster Intensivkurs über die freie Welt im Westen Deutschlands. Damals noch theoretisch, nach der Wiedervereinigung mit direkter Betroffenheit. Hochinteressant waren für mich Stobbes US-Erfahrungen, die er Anfang der 80iger Jahre als Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in New York sammeln konnte. Das war für mich als reise- und erfahrungsbehinderter DDR-Bürger eine andere Sicht auf das Politik- und Wirtschaftsgefüge in den USA, ein beginnendes Verständnis für dort gegebene Handlungszwänge und globale Zusammenhänge.

Dietrich Stobbe stieß für mich Fenster auf und blieb mir bis zu seinem Ableben ein wichtiger Berater in deutscher und internationaler Politik. Andere hätten diese Rolle ausgelebt, sich bewundern lassen und uns aus ihrem Horizont beurteilt. So war Dietrich Stobbe nicht. Er brannte darauf, das Leben in der DDR kennenzulernen und zu verstehen. Er konnte zuhören und suchte das Gespräch mit Menschen verschiedener Lebensbereiche und Auffassungen. Gern habe ich ihm den Zugang zu kirchlichen Gesprächsgruppen vermittelt. Sie waren in der DDR offene Diskussionsrunden von Menschen quer durch die Gesellschaft und Anschauungen. Hier schlug der wirkliche Puls der sogenannten sozialistischen Gesellschaft. Gemeinsam mit seiner Frau Ilse, Winfried und Ruth Staar waren wir häufig unterwegs in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Es waren viele Gesprächsrunden und Einzelbegegnungen. Selten habe ich einen so interessierten und unvoreingenommenen Westbesucher begleitet. Dietrich Stobbe lernte dabei viele Lebenswege, Bedrängungen und Hoffnungen kennen. Gern vermittelte er auch aus seinen westdeutschen und internationalen Erfahrungen und erlebte dabei stark interessierte Zuhörer.

Das waren wirkliche deutsch-deutsche Gespräche auf Augenhöhe, von denen es viel zu wenige gab, um Vorurteile und Missverständnisse abzubauen. Das brauchen wir auch noch heute und dabei fehlt uns Dietrich Stobbe.

Seine Reisen blieben der DDR-Staatsmacht nicht verborgen. Umfangreiche Akten der Staatssicherheit über Dietrich Stobbe und Winfried Staar trugen Daten, Gesprächsfetzen und verworrene Einschätzungen zusammen. Stobbe wurde nicht als aggressiver DDR-Feind beurteilt, aber seine Offenheit, fröhliche Unbefangenheit und Durchschaubarkeit machten die Bewacher ratlos und vielleicht auch nachdenklich. Denn das war nicht das Bild eines westlichen Klassenfeindes, sondern ein deutscher Mitmensch, der nicht Gegensätze, aber Gemeinsamkeiten suchte. Das hat Dietrich Stobbe dann auch bei seinen Begegnungen mit DDR-Staatsfunktionären direkt ausgedrückt. Zum Beispiel am Rande der großen Weihnachts-Chor-Konzerte in Potsdam.

Dietrich Stobbe hat uns in der DDR verstanden, respektiert und zu neuen Wegen ermutigt. Er hat viele Menschen zum aufrechten Gang und zur Änderung der Verhältnisse ermutigt und so einen wichtigen Beitrag zur friedlichen Revolution geleistet. Nach dem Fall der Mauer hat Dietrich Stobbe als Bundestagsabgeordneter und als Mitglied im Ausschuss deutsche Einheit die Wiedervereinigung gestaltet. Seinen politischen Freunden in der frei gewählten Volkskammer war er ein wichtiger Helfer, sich in der für sie neuen Welt West zu behaupten.

Dietrich Stobbe fehlt uns. Sein warmherziges, fröhlich-charmantes Wesen gewann Herzen und öffnete Horizonte. Er hat Verständnis geweckt, Menschen zusammengebracht, Brücken gebaut. Das bleibt, das wird nicht vergessen und das müssen wir fortführen.

Danke Dietrich Stobbe.

Manfred Stolpe Potsdam, 19. Februar 2012

Die Kirche war für die SED-Diktatur der DDR ein Hauptfeind. Sie wurde bekämpft, ihre Arbeit insbesondere mit Jugendlichen eingeschränkt und nicht selten verboten. Kirche und Religion galten als „Relikte der Vergangenheit“, die eine „sozialistische Persönlichkeitsentwicklung“ verhinderten, den „gesellschaftlichen Fortschritt hemmten“, sich staatskritisch bis staatsfeindlich äußerten und mit dem „westlichen Klassenfeind“ kooperierten.

„Leider sind es noch so viele Christen, die durchaus nützliche Arbeit leisten und die Weltöffentlichkeit beobachtet uns, sonst würden wir sie viel härter angehen“, sagte mir in einem dramatischen Gespräch ein hoher Funktionär in Frankfurt/Oder. Das war böse, aber seine unverblümte Meinung. Absolut verhindern wollte die SED-Führung Kirchgebäude in Neubaugebieten, den sozialistischen Zukunftsstädten. Unerbittlich wurde das zum „Schutz“ der neu gebauten sozialistischen Stalinstadt, später Eisenhüttenstadt durchgesetzt. Über 30 Jahre lang konnte dort kirchlicher Dienst nur aus einem Wohnwagen betrieben werden. Die Stadtverwaltung und der zuständige Bezirk Frankfurt/Oder lehnten jeglichen Kirchbau ab und wussten sich in voller Übereinstimmung mit dem obersten SED-Chef Walter Ulbricht, der aus tiefster Überzeugung mehr Kirchen abreißen ließ als jeder andere kommunistische Diktator.

In der Erinnerung sind der Abbruch der Universitätskirche Leipzig als Ort der evangelischen Studentengemeinde und der Garnisonkirche Potsdam, an der Ulbricht auch noch seinen fast pathologischen Preußenhass ausließ. Doch die Welt veränderte sich. Willy Brandt, Walter Scheel und Egon Bahr setzten auf Wandel durch Annäherung und der Osten brauchte den Westen. Der Betonkopf Walter Ulbricht wurde abgesetzt. Sicherheit, Zusammenarbeit und Menschenrechte konnten auf europäischer Ebene 1975 in Helsinki vereinbart werden. Bischof Albrecht Schönherr gelang es 1978 mit dem neuen SED-Chef Erich Honecker Kirchbauten in sozialistischen Neustädten genehmigt zu bekommen. Das Angebot, einen Teil der Baukosten in Westgeld zu bezahlen, hat die staatliche Zustimmung erleichtert. Selbst in Eisenhüttenstadt konnten 1982 ein kirchliches Zentrum errichtet werden.

Doch, dass die SED letztlich doch an ihrer kirchenfeindlichen Haltung festhielt, zeigte sich am Ringen um einen Kirchbau in dem großen Neubaugebiet Berlin-Marzahn. In zähen Verhandlungen gelang es Generalsuperintendent Günter Krusche unter Hinweis auf den Verlust der Versöhnungskirche, in Mauer-Grenzgebiet Bernauer Straße am südlichen Rand von Marzahn eine neue Versöhnungskirche genehmigt zu bekommen. Doch der Kern des Neubaugebietes Berlin-Marzahn blieb weiter kirchenfrei“. Für die neu gesammelte Gemeinde im Neubaugebiet Marzahn gab es keine Räume. Nur die am Rand gelegene kleine Kirche im alten Dorf Marzahn konnte genutzt werden. Im Neubaugebiet Marzahn blieb der härteste Widerstand der kommunistischen Ideologen und Machthaber gegen einen Kirchbau. Aber die nicht nachlassenden westlichen Proteste gegen die Sprengung der Versöhnungskirche an der Mauer sowie die Sorge der SED, die evangelische Kirchenleitung könnte sich öffentlich dem Protest anschließen und schließlich die gesellschaftskritischen Stimmen aus kirchlichen Gruppen ließen die Parteispitze einlenken.

Die Zustimmung der SED-Führung zum Kirchbau in Marzahn-Nord empfand ich als deren Kapitulation und Signal kommender Veränderung. Die Einweihung dieser Kirche durch Bischof Gottfried Forck erfolgte schließlich im März des Revolutionsjahres 1989. Das Gemeindezentrum Berlin-Marzahn-Nord ist vom Standort, in seiner Architektur und seiner Funktionalität besonders gelungen. Die Gestaltung erfolgte in enger Zusammenarbeit des kirchlichen Bauamtes Berlin-Brandenburg und der Gemeinde nach deren Erfahrungen und Erfordernissen. Ein Bauteil beherbergt die Mitarbeiterwohnung, ein anderer Bauteil umfasst den gottesdienstlichen Raum mit den dazugehörigen Gemeinde- und Arbeitsräumen einschließlich einer kleinen Kapelle, die für besondere Veranstaltungen vorgesehen ist. Dem Baukörper selbst liegt die Gestaltungsidee eines großen Zeltes für die Gemeinde zugrunde. Der gesamte Baukörper wird mit einem schieferähnlich gedeckten Zeltdach überspannt. Die
Dachform ist vom Innenraum erlebbar und gibt ihm sein Gepräge.

Ich bin dankbar, dass das damals gelungen ist, in einem Stadtteil, in dem die Kirche keine Zukunft haben sollte, das Gemeindezentrum Marzahn-Nord als Vorboten künftiger Freiheit zu errichten. Ich bin glücklich zu erleben, wie diese Gemeinde lebt und die vielseitigen Möglichkeiten ihres Zentrums nutzt. Ich freue mich, wie sich Pfarrer, Helfer und Hüter für dieses Gotteshaus einbringen.

Ich danke der Europäischen Kulturstiftung und ihrem Ehrenpräsidenten Prof. Ernst Seidel sowie dem Präsidenten Tilo Braune! Weiterlesen

Verehrte, liebe Edith Binder!

Zu Ihrem 80. Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich und wünsche Gottes gutes Geleit für die kommenden Jahre. Möge der 6. Februar 2012 für Sie, Ihre Familie und Ihre Freunde ein schöner Tag mit dankbaren Erinnerungen sein!

Große Dankbarkeit erfüllt mich, wenn ich an das Vierteljahrhundert denke, in dem ich mit Heinz-Georg Binder und somit auch mit Ihnen besonders verbunden war. Sie waren oft mit dabei und haben Ihren Mann auch mutig in den unberechenbaren und nicht ungefährlichen Osten Deutschlands begleitet. Auch in meinen Vieraugen-Gesprächen mit dem Prälaten und Bischof Binder spürte ich, was Sie für ihn bedeuteten. Sie und Ihre Familie waren ihm wichtig, klangen selbst in tiefsinnigen politischen Gesprächen mit an, waren Rückhalt und Orientierungshilfe. Ich weiß nicht, was Heinz-Georg und Edith Binder über den manchmal bitteren Alltag der deutsch-deutschen Beziehungen in Kirche und Politik besprochen haben.

Vermutlich hat er nicht viel erzählt. Denn so habe ich ihn in all den Jahren erlebt: Was ich wissen musste, hat er gesagt, ein Plauderer war er nie. Aber er strahlte Zuverlässigkeit und Vertrauen aus, lebte aus einer fundierten Glaubenshaltung und in einer guten Ehe, die ihn stärkte und ermutigte.

In der vielleicht kompliziertesten Phase der deutschen Geschichte zwischen der beginnenden Ost-West-Entspannung, behutsamen Annäherung der beiden deutschen Staaten bis zur dramatischen, kriegsgefährlichen Implusion der DDR und schließlich der Wiedervereinigung Deutschlands stand Heinz-Georg Binder als Bevollmächtigter der EKD bei der Bundesregierung und Militärbischof im Mittelpunkt der Ereignisse. Es war die vorderste Front der politischen Konfrontation und möglicher militärischer Auseinandersetzung. Ein Platz, an dem sich „Helden“ mit Kampfgeschrei profilieren könnten. Genau dort aber hatte Gott den Friedensstifter Bischof Binder hingestellt. Er konnte vorurteilsfrei zuhören, zündete sich dafür notfalls eine weitere Pfeife an, bildete sich eine unabhängige Meinung und hatte das Ziel, behutsam Entwicklungen zu fördern, die den Menschen Erleichterungen brachten und die deutsch-deutschen Beziehungen entkrampfen konnten. Dabei hatte er stets die europäischen Zusammenhänge und auch die Notwendigkeit eines guten Verhältnisses zum polnischen Volk im Auge.

Bischof Binder kannte die deutsch-deutschen Beziehungen wie kaum ein anderer. Er sprach mit den politischen Kräften in der damaligen Bundesrepublik und konnte über seine DDR-Kirchenpartner die Lage im zweiten deutschen Staat einschätzen. Er gab uns Fragen und Botschaften an die SED-Spitzen mit auf den Weg. Binder setzte seine Erkenntnisse in politische Beratung, humanitäre Hilfe und kirchliche Maßnahme um. Denn vor allem war Heinz-Georg Binder Mann der Kirche, bestellt als deren Vertreter gegenüber der Bundesregierung und zugleich erster Helfer für die Kirchen in der DDR. Er vermittelte die kirchliche Solidarität aus dem Westen für den Osten, förderte alle Möglichkeiten persönlicher Kontakte und gab damit für die Evangelischen Christen in der DDR eine große geistliche Hilfe und Ermutigung. Dieser Zuspruch hat die Kirchen und Christen in der DDR in ihrer Eigenständigkeit bestärkt, um für Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit in ihrem Land einzutreten und schließlich zur Hauptkraft für die Veränderung der Verhältnisse in der DDR zu werden. Wenn das heute in der seriösen Zeitgeschichtsschreibung unbestritten ist, so muss dabei zuallererst Heinz-Georg Binder genannt werden. Ihm verdanken wir die Ermutigung der Ostdeutschen, den friedlichen Machtwechsel in der DDR und Augenmaß in der Wiedervereinigung.

Sie, verehrte, liebe Edith Binder waren Bischof Binders wichtigste Hilfe. Zum Akten bearbeiten, Termine vermitteln, Dossiers verfassen hatte er andere Helfer – sofern er es nicht sowieso selbst erledigte. Aber das Umfeld des Bedenkens, der Entscheidungssuche und der Vorbereitung von Weitervermittlung haben Sie geprägt. Unvergessen bleibt für mich Ihr erster Besuch bei uns in Potsdam. Sie kamen mit Ihrem Mann in einem weinroten Mercedes mit Ihrem freundlichen Kraftfahrer fröhlich vorgefahren und verbreiteten sofort eine entspannte optimistische Atmosphäre. Da habe ich Sie das erste Mal direkt als guten Geist bei Heinz-Georg Binders komplizierten Missionen erlebt. Natürlich ging es bei der Reise wieder einmal um Hilfsprogramme bei Bauten und Finanzen der Evangelischen Kirchen in der DDR. Wieder einmal ging es um die Suche nach Erleichterungen für Inhaftierte, verzweifelte Ausreisewillige, benachteiligte Christenmenschen. Wieder einmal musste viel gearbeitet und viel gereist werden. Und die Straßen waren damals schlecht, die Volkspolizei streng und der Staatssicherheitsdienst misstrauisch. Edith Binder aber war eine mutige Begleiterin. Sie sahen Dinge, die uns nicht mal auffielen, erkannten hinter dem landesüblichen Mausgrau verborgene Schönheiten und regten weitere Hilfen an. Sie stellten zum Beispiel fest, dass wir in dem restaurierten katholischen Klosterbereich Neuzelle die evangelische Kirche vernachlässigt hatten. Inzwischen ist Neuzelle voll erblüht und eine wirkliche Perle in Deutschlands äußerstem Osten, zugleich ein Zentrum deutsch-polnischer Zusammenarbeit.

Bei der schwierigen Frage zum Wiederaufbau des Doms in Fürstenwalde rieten Sie zu einer mutigen Entscheidung. Der Dom Fürstenwalde verbindet in einmaliger Weise lange Tradition und moderne Nutzung. Gern bin ich dort und erinnere laut an die Stifter des Wiederaufbaus. Allein hätten wir uns nicht getraut und ob wir es im wiedergeborenen Brandenburg schon geschafft hätten, weiß ich nicht. Das sind nur zwei kleine Beispiele, und es wäre gut, eine gemeine Erinnerungsreise zu unternehmen.

Heinz-Georg-Binders Ostreisen waren vom Argwohn der DDR-Staatsmacht begleitet. Aber er blieb auch in der heißen Phase der letzten DDR-Monate ein vertrauenswürdiger Friedensstifter. Ein Höhepunkt seines Wirkens war im Spätherbst 1989 eine Gesprächsrunde als Militärbischof begleitet von hohen Militärs der Bundeswehr mit dem Kommando Landstreitkräfte der Nationalen Volksarme DDR in Potsdam. Das war die militärische Macht, die der friedlichen Revolution der DDR den Garaus machen konnte. Zumal das Russische Oberkommando in Wünsdorf auf ein entsprechendes Signal wartete („Unsere Waffenbrüder werden wir nicht im Stich lassen, egal was Gorbatschow sagt“).
Heinz-Georg Binder vermittelte ein sachliches Gespräch. Die Militärs waren sich als Fachleute näher als ich es vermutet hatte. Keine Seite wollte Blutvergießen. Am Abend jenes Tages glaubte ich, dass der Umbruch der Verhältnisse in der DDR gelingen wird. Aber Heinz-Georg Binder gab sich damit nicht zufrieden. Im beginnenden Prozess der Wiedervereinigung trat er bei der Bundesregierung penetrant für die Belange der Kirchen im Osten Deutschlands ein. Er dämpft Schwärmereien bei den Kirchen und half mit, den Neustart der Evangelischen Kirche in der DDR organisatorisch, rechtlich und finanziell zu bewältigen.

Im Ringen um gerechte Lösungen konnte der sonst so zurückhaltende Bischof Binder sehr deutlich, sehr kämpferisch werden. Wie er es übrigens schon 1985 in einem Spiegel-Interview mit voreingenommenen und unfairen Journalisten bewies.

Sehr verehrte, liebe Edith Binder,

wenn ich an Ihren Mann erinnere, denke ich zugleich an Sie und so steht an Ihrem Ehrentag zuallererst der Dank an Sie als seine Inspiratorin, seinen „rückwärtigen Dienst“ seine bessere Seite!

Bleiben Sie behütet!

Ihr dankbarer Manfred Stolpe

Verehrte, liebe Inga Maren Otto!
Liebe Familie Otto!

Unser aufrichtiges Beileid zum Heimgang von Werner Otto! Einhundertzwei Jahre sind ein gesegnetes Alter in einem arbeitsreichen und erfolgreichen Leben.
Werner Otto hat viel für Deutschland und auch für Brandenburg getan. Er hat den Menschen Perspektiven gegeben und immer wieder in Nöten geholfen. Ihre Stiftungen haben Maßstäbe gesetzt.
Werner Otto wurde schon zu Lebzeiten von der ganzen Bevölkerung hochverehrt und ist zu einem Denkmal geworden, das sich auch an wichtigen Bauwerken festmacht.
Bei aller tiefer Betroffenheit überwiegt die Dankbarkeit für seine Leistungen und an seine Familie, die seine Ziele weiter führt.
Sie können sehr stolz auf Werner Otto sein und wir sind es auch.

Herzliche Grüße

Manfred und Ingrid Stolpe

Die Errichtung eines internationalen Flughafens war nach der Neugründung des Landes Brandenburg von herausragendem Interesse. Die deutsche Hauptstadtregion sollte für Besucher und Touristen aus aller Welt bestmöglich erreichbar sein, und sie sollte fest in den internationalen Know-how-Transfer eingebunden werden. Im Ergebnis eines Suchverfahrens nach dem idealen Standort fiel die Entscheidung zunächst auf Sperenberg, weil dort die Beeinträchtigung für die Bevölkerung am geringsten wäre und dort hätte sich auch ein 24-Stunden-Betrieb realisieren lassen. Doch leider haben weder der Bund noch die damals in Berlin regierende Koalition den Standort akzeptiert. Von einem Parlament des Landes Berlin-Brandenburg wäre Sperenberg durchsetzbar gewesen – so meine feste Überzeugung. Mit dem Scheitern der Bemühungen zur Bildung eines gemeinsamen Landes scheiterte auch die Option Sperenberg. Alle Kraft musste nun auf den Standort Schönefeld konzentriert werden.

Heute freue ich mich auf die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg am 3. Juni 2012. Für die Region erwarte ich von diesem Flughafen starke Impulse für weiteres Wirtschaftswachstum.

Ich wünsche dem Flughafen Berlin Brandenburg einen guten Start.

Manfred Stolpe