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	<title>Manfred Stolpe</title>
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		<title>Zum Heimgang von Werner Otto</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 10:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verehrte, liebe Inga Maren Otto! Liebe Familie Otto! Unser aufrichtiges Beileid zum Heimgang von Werner Otto! Einhundertzwei Jahre sind ein gesegnetes Alter in einem arbeitsreichen und erfolgreichen Leben. Werner Otto hat viel für Deutschland und auch für Brandenburg getan. Er hat den Menschen Perspektiven gegeben und immer wieder in Nöten geholfen. Ihre Stiftungen haben Maßstäbe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verehrte, liebe Inga Maren Otto!<br />
Liebe Familie Otto!</p>
<p>Unser aufrichtiges Beileid zum Heimgang von Werner Otto! Einhundertzwei Jahre sind ein gesegnetes Alter in einem arbeitsreichen und erfolgreichen Leben.<br />
Werner Otto hat viel für Deutschland und auch für Brandenburg getan. Er hat den Menschen Perspektiven gegeben und immer wieder in Nöten geholfen. Ihre Stiftungen haben Maßstäbe gesetzt.<br />
Werner Otto wurde schon zu Lebzeiten von der ganzen Bevölkerung hochverehrt und ist zu einem Denkmal geworden, das sich auch an wichtigen Bauwerken festmacht.<br />
Bei aller tiefer Betroffenheit überwiegt die Dankbarkeit für seine Leistungen und an seine Familie, die seine Ziele weiter führt.<br />
Sie können sehr stolz auf Werner Otto sein und wir sind es auch.</p>
<p>Herzliche Grüße</p>
<p>Manfred und Ingrid Stolpe</p>
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		<title>Vorwort zur Chronik der Entwicklung des BBI</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 10:25:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Errichtung eines internationalen Flughafens war nach der Neugründung des Landes Brandenburg von herausragendem Interesse. Die deutsche Hauptstadtregion sollte für Besucher und Touristen aus aller Welt bestmöglich erreichbar sein, und sie sollte fest in den internationalen Know-how-Transfer eingebunden werden. Im Ergebnis eines Suchverfahrens nach dem idealen Standort fiel die Entscheidung zunächst auf Sperenberg, weil dort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Errichtung eines internationalen Flughafens war nach der Neugründung des Landes Brandenburg von herausragendem Interesse. Die deutsche Hauptstadtregion sollte für Besucher und Touristen aus aller Welt bestmöglich erreichbar sein, und sie sollte fest in den internationalen Know-how-Transfer eingebunden werden. Im Ergebnis eines Suchverfahrens nach dem idealen Standort fiel die Entscheidung zunächst auf Sperenberg, weil dort die Beeinträchtigung für die Bevölkerung am geringsten wäre und dort hätte sich auch ein 24-Stunden-Betrieb realisieren lassen. Doch leider haben weder der Bund noch die damals in Berlin regierende Koalition den Standort akzeptiert. Von einem Parlament des Landes Berlin-Brandenburg wäre Sperenberg durchsetzbar gewesen &#8211; so meine feste Überzeugung. Mit dem Scheitern der Bemühungen zur Bildung eines gemeinsamen Landes scheiterte auch die Option Sperenberg. Alle Kraft musste nun auf den Standort Schönefeld konzentriert werden.</p>
<p>Heute freue ich mich auf die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg am 3. Juni 2012. Für die Region erwarte ich von diesem Flughafen starke Impulse für weiteres Wirtschaftswachstum.</p>
<p>Ich wünsche dem Flughafen Berlin Brandenburg einen guten Start.</p>
<p>Manfred Stolpe</p>
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		<title>Zum Tode von Christa Wolf</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 14:14:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Christa Wolf]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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		<description><![CDATA[Lieber Gerhard Wolf, liebe Familie Wolf, zum Tod unserer großen Schriftstellerin Christa Wolf spreche ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid aus. Die überraschende Nachricht trifft mich sehr. Nun wird sie nicht mehr deutsche Verhältnisse in die Weltliteratur einbringen. Christa Wolf hat Nazideutschland, geteiltes und wiedervereintes Deutschland miterlebt ohne ausweichen zu können und zu wollen. Wie viele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Gerhard Wolf,<br />
liebe Familie Wolf,</p>
<p>zum Tod unserer großen Schriftstellerin Christa Wolf spreche ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid aus.</p>
<p>Die überraschende Nachricht trifft mich sehr. Nun wird sie nicht mehr deutsche Verhältnisse in die Weltliteratur einbringen. Christa Wolf hat Nazideutschland, geteiltes und wiedervereintes Deutschland miterlebt ohne ausweichen zu können und zu wollen. Wie viele andere hierzulande spüre ich bei ihr den Puls meines eigenen Lebens. Seit ich den „geteilten Himmel“ las, bin ich ihr absoluter Fan geworden und geblieben.</p>
<p>Sie hat die Entwicklung in der DDR mit wachsender Skepsis erlebt und doch die Trennung vermieden. Dies wäre ihr mit einem Parteiaustritt in den siebziger Jahren oder einer frühen Veröffentlichung von „Was bleibt“ sehr leicht gemacht worden. Sie blieb bei uns, machte Mut und lässt uns in ihren Werken die Mitbetroffenheit an den Zuständen erfahren. Ihre Hoffnung auf eine bessere DDR hat sie vor einer Million Menschen am 4. November 1989 in Berlin ausgerufen und wurde doch vom Einheitsjubel überrannt. Ihre Skepsis gegenüber Märkten und Medien wurde bald bestätigt!</p>
<p>Christa Wolf wurde übel verleumdet, wohl auch um Ostkonkurrenz hässlich zu machen. Vorher bejubelt, als man sie als Dissidentin brauchte. Dann geschmäht, als sie der Schwarzbildmalerei der Vergangenheitsbewältigung im Wege stand. Sie hat darunter sehr gelitten. Ich hatte Hemmungen, mich deutlicher zu ihr zu stellen. Denn ich vermutete, dass meine öffentliche Unterstützung ihr neue Angriffe bringen würde.<br />
Umso dankbarer bin ich für jede Begegnung mit ihr, ihren Widmungen in ihren Büchern, wenn sie mir zum Beispiel „Glück, Gelassenheit und weiter gute Nerven“ wünschte.</p>
<p>Christa Wolf bleibt bei Ihnen und sehr, sehr vielen Menschen weltweit. Bei mir überwiegt die Dankbarkeit, dass wir diese großartige Frau und nobelpreiswürdige Schriftstellerin haben durften. </p>
<p>Manfred Stolpe</p>
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		<title>Zum 70. Geburtstag von Eberhard Diepgen</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 10:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sehr verehrter Regierender Bürgermeister, lieber Eberhard Diepgen, zu Ihrem 70. Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich und wünsche Gesundheit, Glück und Segen für die kommenden Jahrzehnte! Gern erinnere ich mich an Ihre Reisen zu DDR-Zeiten zu uns nach Potsdam. Damals wurde ein Grundvertrauen geschaffen, das uns in den Jahren unseres Zusammenseins als politisch Verantwortliche in Brandenburg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr verehrter Regierender Bürgermeister,<br />
lieber Eberhard Diepgen,</p>
<p>zu Ihrem 70. Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich und wünsche Gesundheit, Glück und Segen für die kommenden Jahrzehnte!</p>
<p>Gern erinnere ich mich an Ihre Reisen zu DDR-Zeiten zu uns nach Potsdam.</p>
<p>Damals wurde ein Grundvertrauen geschaffen, das uns in den Jahren unseres Zusammenseins als politisch Verantwortliche in Brandenburg und Berlin bestimmt hat für eine starke Metropolregion einzutreten.</p>
<p>Noch sind nicht alle Ziele erreicht, aber es wurden Maßstäbe gesetzt und für die Erkenntnis geworben, dass Berlin und Brandenburg nicht gegeneinander oder nebeneinander, sondern nur miteinander mehr für die Menschen tun können.</p>
<p>Bitte bleiben Sie auch künftig dieser Aufgabe verbunden. Leider verhindert ein frisch operierter Lungenkrebs meine Teilnahme an Ihrer Feier. Möge Sie Ihnen und Ihrer Familie Freude und Genugtuung bringen!</p>
<p>In dankbarer Verbundenheit grüßt</p>
<p>Ihr Manfred Stolpe</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Brief von Bischof Dr. Wolgang Huber an Michael Wolffsohn</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 13:20:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[9. September 2011 Sehr geehrter Herr Wolffsohn, vor vielen Jahren sind wir uns einmal bei einem Streitgespräch im Fernsehen unter der Moderation von Michel Friedman begegnet.  Ich konnte dabei nicht den Eindruck gewinnen, dass Sie für Meinungen, die von der Ihren abweichen, offen sind.  Trotzdem habe ich mich entschlossen, Ihnen zu schreiben. Mein Brief bezieht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>9. September 2011</p>
<p>Sehr geehrter Herr Wolffsohn,</p>
<p>vor vielen Jahren sind wir uns einmal bei einem Streitgespräch im Fernsehen unter der Moderation von Michel Friedman begegnet.  Ich konnte dabei nicht den Eindruck gewinnen, dass Sie für Meinungen, die von der Ihren abweichen, offen sind.  Trotzdem habe ich mich entschlossen, Ihnen zu schreiben. Mein Brief bezieht sich auf Ihren Artikel in den Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 20. August, der dort unter dem Titel &#8220;<a title="Artikel - Der Bund der Vergessenen" href="http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/568445/" target="_blank">Der Bund der Vergessenen&#8221; und mit der großspurigen Unterzeile &#8220;Ein welthistorischer Blick auf Manfred Stolpe und den ,Brandenburger Weg&#8217; &#8220;</a> veröffentlicht wurde.</p>
<p>Leider muss ich dabei Ihr Verständnis der Entwicklung im Land Brandenburg auf dem Hintergrund Ihrer allgemeinen Verachtung der Menschen in den neuen Bundesländern lesen, wie sie auf Ihrer eigenen Webseite dokumentiert ist. Zitiert werden Ihre Kommentare zur Bundeswehrreform unter anderem mit folgenden Worten: Der &#8220;Staatsbürger in Uniform&#8221; werde abgelöst durch den &#8220;Prekarier in Uniform&#8221;, es drohe eine &#8220;ossifizierte Unterschichtenarmee&#8221;.</p>
<p>In einem Artikel in den Potsdamer Neuesten Nachrichten fassen Sie als &#8220;Welthistoriker&#8221; in einem kurzen Zeitungsartikel zweieinhalb Jahrtausende in den Blick und nehmen sich die Freiheit, zwischen dem Sturz der athennischen Tyrannen um 500 v. Chr. oder der Entmachtung der athennischen Oligarchen ein Jahrhundert später und der Befreiung von der Nazi-Herrschaft oder dem Ende der SED-Diktatur Parallelen zu ziehen. Aber dass nach einem Systemwechsel immer wieder Funktionäre des voran gegangenen Systems erneut in Amt und Würden kommen, berechtigt nicht dazu, jeden, der nach einem solchen Neuanfang eine politische Aufgabe übernimmt, als einen Parteigänger des alten Systems zu betrachten.</p>
<p>Über die Rolle Manfred Stolpes vor 1989 ist viel gesagt, geschrieben und gestritten worden. Ich selbst habe diese Rolle seit den siebziger Jahren so sorgfältig beobachtet, wie das aus dem Westen Deutschlands möglich war; in unterschiedliche Funktionen hatte ich mich nach 1989 mit dieser Rolle kritisch zu befassen. Ich kann mich erinnern, auch bei Stolpes schärfsten Kritikern eine derart oberflächliche und falsche Beschreibung gefunden zu haben, wie sie aus Ihrem Artikel spricht.</p>
<p>Sie schreiben zu dieser Rolle: <em>Der Sachverhalt ist klar: Stolpe ist, ob IM oder nicht, wahrlich von der DDR-Geschichte belastet, ja, befleckt. Er ist nicht nur mitgelaufen, er hat (weshalb und wie auch immer) mitgemacht, und das Mitmachen ist als moralischer Maßstab gewichtiger als das Mitlaufen. </em> Kein weiteres Wort findet sich in Ihrem Artikel über gewiss vielschichtige, meinethalben auch mehrdeutige Tätigkeit Stolpes in der DDR.</p>
<p>Davon, dass Sie mit &#8220;klarem Sachverhalt&#8221; darlegen, kann keine Rede sein. Kein Wort sagen Sie darüber, dass Stolpe nicht in den Staatsdienst eintrat, obwohl das für einen Juristen in der DDR fast die einzige Berufsperspektive war. Der uninformierte Leser Ihres Artikels muss schier den Eindruck gewinnen, Stolpe sei im staatlichen Dienst tätig geworden. denn Sie erwähnen mit keiner Silbe, dass er die Jahre von 1959 bis 1990 im kirchlichen Dienst verbrachte und schon deshalb als Mitmacher bei der SED-Herrschaft nicht in Frage kam. Sie verschweigen die Tatsache, dass Stolpe für das Bekanntwerden der Menschenrechte in der DDR mehr getan hat als die meisten anderen, die staatlichen Funktionäre ohnehin. Sie scheinen nicht zu wissen, dass er vielen inhaftierten Bürgerrechtlern den Weg aus aus den Gefängnissen gebahnt hat. Was Sie erkennen lassen, ist eine vage Vorstellung davon, dass er sich bei solchen Aktivitäten, die er im Auftrag der Kirche ausführte, stärker auf das Gespräch mit den Machthabern und auf die Regeln des Gesprächs eingelassen hat, als Sie &#8211; wenn Sie selbst je in eine solche Lage gekommen wären &#8211; es vielleicht getan hätten.</p>
<p>Dass Stolpe dadurch für eine politische Aufgabe nach 1990 disqualifiziert gewesen sei, mag Ihre persönliche Auffassung sein. Doch Sie stützen das keineswegs auf einen &#8220;klaren Sachverhalt&#8221;; deshalb ist es anmaßend, dieser Auffassung allgemeine Geltung zu unterstellen.</p>
<p>Der Spitzensatz Ihres Artikels kommt erst gegen Ende. Sie fragen: <em>Hätte sich Stolpe für seinen Glauben kreuzigen lassen?  </em>Und Sie fügen hinzu:<em>  Es gab bekanntlich nur einen Jesus und nicht viele, aber immer wieder doch einige Widerstandskämpfer.</em></p>
<p>Woher, so muss ich Sie fragen, nehmen Sie das Recht, jedem Bewohner der DDR die moralische Integrität abzusprechen, der nicht Ihrem Bild vom Widerstandskämpfer entspricht? Und da Sie dort, wo Sie von Widerstandskämpfern reden, vor allem den Widerstand gegen das Nazi-Regime im Blick haben, frage ich: Was berechtigt Sie dazu, die Widerstandskämpfer, die im Nazi-Deutschland umgebracht wurden, dafür in Anspruch zu nehmen, dass jeder, der in der DDR nicht ums Leben kam, schon deshalb ein Mitläufer und Mitmacher gewesen sein muss.</p>
<p>Was veranlasst Sie schließlich dazu, nur demjenigen ein Recht abzuerkennen, sich auf einen Glauben zu berufen, der bereit ist, für diesen Glauben den Kreuzestod auf sich zu nehmen? Schon andere  haben in diese Debatte darauf aufmerksam gemacht, dass der Sinn des Kreuzestodes Jesu nicht darin besteht, dass das Opfer am Kreuz wiederholt wird, sondern dass es ein Ende findet. Wenn Sie in diesem Zusammenhang (was für einen Christen eine Anfechtung ist!) Jesus als &#8220;Moralisten&#8221; bezeichnen, sollten Sie eine seiner moralisch wichtigsten Äußerungen nicht vergessen: &#8220;Wer unter euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!&#8221;.</p>
<p>Zur weiteren Erläuterung füge ich diesem Brief die Ansprache bei, die ich zu Manfred Stolpes 75. Geburtstag gehalten habe.</p>
<p>In der Hoffnung, mit einer abweichenden Auffassung bei Ihnen doch noch ein offenes Ohr zu finden, grüßt Sie</p>
<p>Wolfgang Huber</p>
<ul>
<li><a title="Leserbief von Manfred Stolpe zum selben Artikel" href="http://manfred-stolpe.de/meinung-leserbrief/">Leserbief von Manfred Stolpe zum selben Artikel</a></li>
<li><a title="Würdigung von Bischof Dr. Wolfgang Huber" href="http://manfred-stolpe.de/wurdigung-von-bischof-dr-wolfgang-huber/">Ansprache von Bischof Dr. Wolfgang Huber zum 75. Geburtstag Manfred Stolpes</a></li>
<li><a title="PNN-Artikel" href="http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/568445/" target="_blank">Artikel von Michael Wolffsohn in den Potsdamer Neuesten Nachrichten</a></li>
</ul>
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		<title>Ansprache zum Tag der Deutschen Einheit in Prenzlau</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 06:54:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Beatrice von Weizsäcker]]></category>
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		<category><![CDATA[Gräfin Döhnhoff]]></category>
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		<description><![CDATA[Herzlichen Dank für die Einladung hier nach Prenzlau in die Uckermark. Ja, ich liebe die Uckermark. Marion Gräfin Dönhoff hat mir erklärt, woran das liegen kann. Sie fühlte sich hier an ihre ostpreußische Heimat erinnert, an die Hügel, die Seen, die Wälder, die Weite der Landschaft, den klaren Himmel und die wunderbare Luft. Und so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Herzlichen Dank für die Einladung hier nach Prenzlau in die Uckermark. Ja, ich liebe die Uckermark. Marion Gräfin Dönhoff hat mir erklärt, woran das liegen kann. Sie fühlte sich hier an ihre ostpreußische Heimat erinnert, an die Hügel, die Seen, die Wälder, die Weite der Landschaft, den klaren Himmel und die wunderbare Luft.</p>
<p>Und so geht es mir hier mit der Erinnerung an meine ostpommersche Heimat. Das sitzt ganz tief, das bindet –  selbst wenn es die Burg Stolpe bei Angermünde nicht gäbe.</p>
<p>Doch die Uckermark ist nicht nur Landschaft, sondern altes Kulturland, ihre Dorfanlagen, Schlösser und Dorfkirchen. Aber besonders angetan hat es mir seit über 60 Jahren die Marienkirche in Prenzlau. Ich sah ihren langsamen Zerfall und erlebte, wie manche Leute von der immer schöner werdenden Ruine schwärmten.</p>
<p>Das tat weh und als ich dann als Chefjurist der Evangelischen Kirche Einfluss auf den Wiederaufbau von Kirchen hatte, setzte ich mich für Marien-Prenzlau ein. Das war nicht einfach. Denn ein zwingender kirchlicher Nutzen war nur mühsam zu begründen. Größeren Bedarf gab es in Sachsen, Berlin und Potsdam. Doch ich wollte – und will auch heute nicht – dass die Uckermark zweitklassig bewertet wird. Der Wiederaufbau gelang mit Unterstützung der Kirchen aus der Bundesrepublik. Obwohl eine Deutsche Einheit damals nicht im Bereich des Vorstellbaren war, konnte die Losung der Kirche: „Wir sind getrennt, aber gehören zusammen“ als ein Vorbote späterer Ereignisse gesehen werden.</p>
<p>Heute haben wir die Deutsche Einheit schon 21 Jahre und für mich ist es immer noch wie ein Wunder. Ich habe an der Zusammengehörigkeit der Deutschen nie gezweifelt. Aber ich habe nicht geglaubt, dass die Ost-West-Annäherung sie so schnell zulassen würde. Ich habe nicht geglaubt, dass die Sowjetunion friedlich auf die DDR verzichten würde. Denn diese war ein militärischer Vorposten mitten in Europa, ein Riegel vor Polen, der Tschechoslowakei und den baltischen Sowjetrepubliken. Die Deutsche Einheit um den Preis eines Dritten Weltkrieges wollte ich nicht.</p>
<p>Zum Glück habe ich mich geirrt. Es kam anders. Die Ostpolitik von Willy Brandt, Walter Scheel, fortgesetzt von Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher setzte auf Wandel durch Annäherung. Die Schlussakte von Helsinki 1975 für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa versprach Gewaltverzicht und Kooperation, aber auch Menschenrechte. Die Erwartungen der Menschen in ganz Osteuropa und auch in der DDR auf Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, Rechtssicherheit und Ende der Bevormundung wuchsen immer stärker. Unsere polnischen Nachbarn brachen 1980 das Eis und Ungarn machte 1989 seine Westgrenzen auf. Auch die Mehrheit der Menschen in der DDR wollte Freiheit und Mitsprache. Ab September 1989 wurden die Proteste öffentlich. Die Menschen sammelten sich unter dem Dach der Kirchen – auch in der Uckermark – und trugen ihren Protest auf die Straße.</p>
<p>Die hochgerüstete Staatsmacht erwartete Steinwürfe, angezündete Parteizentralen und gelynchte Funktionäre, um dann den Aufruhr nach chinesischem Muster zusammenzuschießen. Die starke Westgruppe der Sowjetarmee war zur Unterstützung bereit. Alles wie gehabt 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1969 in der CSSR.</p>
<p>Aber die Proteste blieben gewaltlos, so wie es in den Kirchen gefordert war. Kerzen statt Steine entwaffneten die Diktatur. Denn sie wollte vor der Weltöffentlichkeit kein Mörderregime sein.</p>
<p>Viele erwarteten, dass eine andere DDR entstehen müsse. Auch die vier Siegermächte sahen das so. Dann kam am 9. November der Sturm auf die Mauer und veränderte die Lage schlagartig.</p>
<p>Nie wurde ich als Chef-Jurist der Evangelischen Kirche so intensiv von Vertretern der vier Mächte befragt, wie im November und Dezember 1989. Baker, Mitterand, Jakovlew und Primakow gehörten dazu. Alle wollten wissen: Gibt’s es jetzt Chaos und Bürgerkrieg in der DDR? Sind internationale Spannungen und Konfrontationen in Europa die Folge?</p>
<p>Unsere Antwort konnte also nur sein: Am Tag des Mauerfalls haben die DDR-Bürger ihren Freiheitswillen durchgesetzt und ihr Selbstbestimmungsrecht zurück erobert. Und nur freie Wahlen konnten neue Ordnung schaffen.</p>
<p>Die Siegermächte, im Februar 1990 auch die Sowjetunion stimmten freien Wahlen zu. Am 18. März 1990 entschied sich die große Mehrheit der DDR-Bevölkerung für die Deutsche Einheit, die dann am 3. Oktober 1990 völkerrechtlich verbindlich wurde. Schneller ging es wegen der internationalen Beteiligung nicht, aber es war viel früher als ich es in meinen kühnsten Träumen erwartet habe!</p>
<p>Am Anfang war der Mut zur Hoffnung. Es dauerte nicht lange, da wurde auch der Mut zur Verantwortung nötig. Die Runden Tische, die im Revolutionsherbst entstanden, verbanden beides. Sie gaben der Friedlichen Revolution ein Organ des Dialogs und des Ausgleichs, dessen Bedeutung man gar nicht hoch genug einschätzen kann.</p>
<p>Die staatlichen Institutionen brachen in sich zusammen. Nach der Maueröffnung verließen täglich Tausende die DDR. Die Versorgung und die medizinische Betreuung waren gefährdet. Das Finanzsystem kollabierte. Das öffentliche Leben und die gesamte innere Ordnung hingen am seidenen Faden. Auch die Angst, dass doch noch sowjetische Panzer rollten, war noch berechtigt.</p>
<p>In diese Lage hinein, mitten im Umbruch in die Verantwortung zu gehen, erforderte nicht weniger Courage und Bürgermut als die Demonstrationen der ersten Stunde. Chaos zu verhindern, war wichtig.</p>
<p>Mein Dank gilt allen, die in der nun gewonnenen Freiheit Verantwortung übernahmen, auch hier in der Uckermark: Die Landräte in Prenzlau, Angermünde und Templin, der Oberbürgermeister von Schwedt, die Bürgermeisterinnen, Bürgermeister und Abgeordnete. Sie haben Brandenburg von unten aufgebaut und die Uckermark zu Brandenburg zurückgebracht.</p>
<p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>ich weiß, dass einige, vielleicht sogar viele unter Ihnen nach der deutschen Einigung einen schweren Weg zu gehen hatten. Für manche ist dieser Weg immer noch nicht zu Ende. Die Herausforderungen waren für alle Ostdeutschen groß, für die Brandenburgerinnen und Brandenburger manchmal noch größer. Wie viele haben lange nach einer neuen Arbeit gesucht, die ihnen eine Sinnstiftung gab, die aber vor allem auch die Familie ernährte. Wie viele mussten sich gänzlich neu orientieren, kannten sich im alltäglichen Leben nicht mehr aus und fühlten sich zu guter Letzt auch noch allein gelassen.</p>
<p>Ich weiß, es war ein schwerer Weg, für den wir alle vor allem Mut brauchten. Realistische Hoffnung, und eine Prise Glauben, um mit den Herausforderungen fertig zu werden, waren auch nicht ganz unnützlich. Denn es war uns klar: „Wer abwartet, hat schon verloren“. Dieser einfache, aber nicht einfach umzusetzende und vor allem kluge Satz stammt nicht von mir, sondern von einer Frau, die wir alle kennen: von Regine Hildebrandt. Mit ihrem Einsatz hat sie die Menschen mitgerissen, hat ihnen Glauben und Hoffnung gegeben: Ihr müsst euch nicht ducken. Ihr müsst euch nicht verbiegen. Ihr müsst nicht so tun, als wäret ihr erst am 3. Oktober 1990 geboren. Eure Erfahrungen in Diktatur und Umbruch sind wertvoll für den Neuanfang. Das war ihre und unsere Botschaft.</p>
<p>Heute bin ich zutiefst überzeugt: Wir können stolz sein, auf das, was wir erreicht haben! Unser Brandenburg ist das Kind einer friedlichen Revolution. Am Anfang war der Mut. Der Mut von Hunderten, der Mut von Tausenden und schließlich der Mut von Hunderttausenden Menschen, die sich nicht mehr einschüchtern ließen.</p>
<p>Aber mit der Hochstimmung kam auch der Schock. Bei einem solchen Totalumbruch war er unvermeidbar. Zuerst der Aufstieg in die Freiheit, das Aufatmen, der SED-Diktatur entronnen zu sein. Dann dieser beängstigende Sturzflug des Ostens in die deutsche Einheit, in ein unbekanntes System. Die Sieger der Revolution drohten zu Verlierern der Einheit zu werden!</p>
<p>Der Umbruch von Wirtschaft und Arbeit beseitigte schlagartig die staatliche Kontrollwirtschaft und führte den Markt als zentrale Bestimmungskraft über Leben und Sterben der Betriebe ein – mit verheerenden Folgen für Tausende Unternehmen und Hunderttausende Arbeitsplätze. Alles bündelte sich in dem sozialen und mentalen Umbruch, der das Leben der Menschen in praktisch jeder Beziehung aus den Angeln hob und sie einem beispiellosen Veränderungsstress aussetzte.</p>
<p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>wir haben in den 90er Jahren die menschenmöglichen Kräfte einer Landesregierung aufgeboten und wir haben manches erreicht. Wir haben um jeden Arbeitsplatz gekämpft und niemanden einfach abgeschrieben oder verloren gegeben.</p>
<p>Wir haben mit allen nur möglichen Förderansätzen 47 Industriekerne gesichert und ein Geflecht industriebezogener Dienstleistungen ermöglicht. Wie zum Beispiel die Stahlstandorte in Brandenburg an der Havel, Hennigsdorf und Eisenhüttenstadt. Oder die Chemie in Schwarzheide, Guben und eben in Schwedt, hier in der Uckermark.</p>
<p>Wir haben Stadtkerne gerettet, Straßen modernisiert und die Infrastruktur des Landes binnen weniger Jahre ins 21. Jahrhundert geführt. Wir haben Universitäten gegründet und Forschungsstätten angesiedelt. Wir haben die Bildungs- und Weiterbildungsangebote hochgefahren, damit die Menschen mitbekommen, wo alles sich wandelt. Wir haben Investoren umworben und Existenzgründer ermutigt und stark unterstützt. Einhunderttausend Frauen und Männer haben sich in Brandenburg selbständig gemacht. Das ist prozentual mehr als in jedem anderen ostdeutschen Land und nach Baden-Württemberg Platz 2 in Deutschland.</p>
<p>Nicht zuletzt haben wir für Brandenburg Freunde, Förderer und Bündnispartner gesucht, im Westen, aber auch im Osten, diesseits und jenseits der Grenzen. Und man darf nicht unterschätzen, wie sehr uns die gute Freundschaft unserer polnischen Nachbarn einbettet in das größere europäische Netzwerk wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen.</p>
<p>Die letzten 21 Jahre haben Brandenburg gefestigt. Worauf kommt es für die nächsten Jahrzehnte an? Die immer noch nicht überwundenen Krisen des Finanzkapitalismus und die aufziehende Euro-Krise schärfen unseren Blick für zwei Gefahren: Die erste ist die Aushöhlung der Demokratie, wenn das Parlament nur noch Erfüllungsgehilfe der anonymen Befehle des Kapitalmarktes wird. Und die zweite Gefahr ist die Rückkehr der Klassenspaltung, wenn die Demokratie ihre Aufgabe des sozialen Ausgleichs nicht erfüllt.</p>
<p>Susanne Schmidt, Bankerin, geniale Tochter eines großen alten Mannes, warnte in diesen Tagen vor dem Irrglauben an die Selbstheilungskräfte des Marktes: „Die wirkliche Macht liegt bei den Banken. Viele Banken sind zu groß. Wenn sie pleite gehen, muss der Staat sie retten, um größeren Schaden abzuwenden. Das wissen die Banken und nehmen größere Risiken in Kauf. Die Banken erpressen die Staaten mit ihrer Drohung, den nationalen Finanzplatz zu verlassen. Deshalb müssen die Staaten enger zusammenarbeiten und die Finanzwirtschaft regulieren. Die Politiker brauchen Mut zu unpopulären Entscheidungen, müssen langfristig über Wahlperioden hinausdenken und nicht jeden Tag auf die Umfragen schauen.“</p>
<p>Was müssen wir tun?</p>
<p>Ich bin überzeugt, dass Leitfaden unseres Handelns Arbeit, Bildung und Zusammenhalt sein müssen.</p>
<p>1. Arbeit, weil der Mensch seinen Teil beitragen will zur Wohlfahrt einer Gesellschaft, ohne die er nicht leben kann. Weil es nicht reicht, den Menschen Geld in die Hand zu drücken. Weil erzwungene Arbeitslosigkeit erniedrigt und ausgrenzt.</p>
<p>2. Bildung, weil der Wandel nicht aufhört. Weil wir nur dann nicht Getriebene, sondern Gestaltende dieses Wandels werden, wenn wir seine Kräfte begreifen und das Lernen lernen.</p>
<p>3. Schließlich Zusammenhalt, weil der Mensch als isolierte Existenz am Rande oder außerhalb der Gesellschaft der Verrohung preisgegeben ist. Zusammenhalt darf keine schöne Theorie bleiben. Zusammenhalt muss zu einem Tätigkeitswort werden. Und ob wir als Mitmenschen zusammen halten, zeigt sich in der Praxis. Nicht nur gucken, sondern kümmern – das muss unsere Regel sein.</p>
<p>Papst Benedikt hat in seiner Rede im Deutschen Bundestag wichtige Hinweise gegeben. Ich zitiere: „Die innere Identität Europas hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in Anerkenntnis der unantastbaren Würde … eines jeden Menschen, Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen … uns aufgegeben ist“</p>
<p>Menschwürde und Rechtstaatlichkeit fordert unsere Brandenburgische Verfassung. Das muss auch für politische Debatten gelten. Es sollte nicht um Rache oder Rechthaberei gehen, sondern Aussöhnung und Zusammenhalt sollten Vorrang haben.</p>
<p>Pastor Uwe Hollmer, wirkliches DDR-Opfer, hat 1990 unweit von hier im Barnim den gejagten und verfemten Erich Honecker und seine Frau aufgenommen.</p>
<p>Hollmer notierte:</p>
<p>„Ein Neuanfang, den wir uns so sehr wünschen, auch für Genossen und Funktionäre, kann nur durch Vergebung und Versöhnung, wenigstens Duldung geschehen…“</p>
<p>In der Uckermark schlägt das Herz Brandenburgs. Hier haben die Menschen den Roten Adler nicht vergessen, auch als Brandenburg-Preußen verpönt und dieses schöne Land zu Mecklenburg geschlagen wurde. Alle Aufgeregtheiten der Zeiten haben diese Region nicht beseitigt. Die Uckermark liegt mitten in Europa, zwischen Ost und West, Nord und Süd. Die Uckermark ist gut erreichbar und wird ihre Chancen nutzen. Auch demographische Entwicklungen oder Struktur-Reformeifer werden die Uckermark nicht beseitigen. Junge Leute ziehen in die weite Welt, nicht wenige kommen wieder und andere entdecken die Uckermark. Die Zugereisten lernen dieses Land lieben, werden von ihm geprägt und stärken es. Sogar die Berliner, wie es mein unlängst verstorbener Freund Horst Karsner vorlebte.</p>
<p>Seit der Deutschen Einheit ist auch hier viel geschehen. Die Uckermark ist im Aufbruch in eine gute Zukunft. Manches geht hier langsamer, aber dafür haltbarer. Die Uckermärker haben die Deutsche Einheit vollzogen. Sie machen nicht den Fehler vieler Politiker, Historiker und Journalisten, die leider viel reden und wenig zuhören, lieber etwas behaupten als etwas zu verstehen, lieber übereinander urteilen statt miteinander zu reden. (Beatrice von Weizsäcker)</p>
<p>Hier kann man zuhören und verstehen lernen. Hier können Unterschiede ertragen, deutsche Vielseitigkeit geschätzt und innere Einheit gelebt werden.</p>
<p>Glückauf Uckermark!</p>
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		<title>Der politische Journalismus als Fortsetzung des Kalten Krieges mit anderen Mitteln</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 07:50:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kalter Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Löwenthal]]></category>
		<category><![CDATA[Schorlemmer]]></category>
		<category><![CDATA[Stasi]]></category>
		<category><![CDATA[von Schnitzler]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF-Magazin]]></category>

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		<description><![CDATA[Friedrich Schorlemmer „Aus dem 2012 im Aufbau-Verlag erscheinenden Buch „Klar sehen und doch hoffen. Erinnerungen und Perspektiven“ 1992 war ich beim ORB zu einer Fernsehdiskussion mit Gerhard Löwenthal über Karl-Eduard von Schnitzler eingeladen. Ich meinte damals, daß Schnitzler kein Gegner sei der es lohnt. Und fuhr fort: „Einer meiner großen Lehrer, Karl Barth, ein Sozialdemokrat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Friedrich Schorlemmer</strong><br />
<em>„Aus dem 2012 im Aufbau-Verlag erscheinenden Buch „Klar sehen und doch hoffen. Erinnerungen und Perspektiven“</em></p>
<p>1992 war ich beim ORB zu einer Fernsehdiskussion mit Gerhard Löwenthal über Karl-Eduard von Schnitzler eingeladen.</p>
<p>Ich meinte damals, daß Schnitzler kein Gegner sei der es lohnt. Und fuhr fort:</p>
<p>„Einer meiner großen Lehrer, Karl Barth, ein Sozialdemokrat und Theologe hat gesagt: Gott, gib mir gute Feinde. Das ist kein &#8220;guter Feind.&#8221; Das ist ein ganz gefährlicher Vereinfacher für eine kleine Minderheit, die uns beherrscht hat. Diese Minderheit hat ihm auch geglaubt mit seinen furchtbaren Vereinfachungen, die er rhetorisch geschickt aufgemacht hat. Das zweite: Ich sehe ihn als eine pervertierte Persönlichkeit, wirklich eine verdrehte Persönlichkeit, die ihre eigenen Lügen auch noch heute glaubt. Man könnte also sagen: Der hat das geglaubt, er glaubt das immer noch. Ich sehe bei ihm ein Gemisch aus Überzeugung, Verblendung und Zynismus. Ich möchte Ihnen folgende absurde Vorstellung vortragen: Ich halte es für denkbar, daß Karl‑Eduard von Schnitzler einer der Topagenten des CIA ist, eingeschleust im Kalten Krieg zur publizistischen Zerrüttung des sozialistischen Systems, zur intellektuellen und moralischen Zersetzung eines Menschheitstraums. Er ist dabei erfolgreicher gewesen als Sie<strong>, </strong>Herr Löwenthal. Er hat so abstoßend für den Sozialismus argumentiert, daß, er einer der glänzensten Antikommunisten ist. Mein Problem ist heute, daß im Kalten Krieg Formen von Gehässigkeiten aufkamen, wobei sich manche Medien in Ost und West durchaus glichen. Die Tonart, die ich bisweilen erlebt habe, (Ich vergleiche jetzt nicht die Position, sondern die Tonart!) auch im ZDF‑Magazin erlebt habe, hatte ‑ was die Gehässigkeit gegeneinander anlangte ‑ durchaus etwas Vergleichbares. Journalismus hat aber die Pflicht zu differenzieren, auch in Zeiten äußerster Konfrontation. Von solcher Differenzierung hat Herr von Schnitzler keinen Deut gehabt. Ich will Sie nicht vollständig mit Schnitzler vergleichen, meine nur, daß die Gehässigkeit Teil eines furchtbaren Medienkrieges war, seinerseits ein Teil des Kalten Krieges.</p>
<p>Gerhard Löwenthal antwortete, ohne irgendwie beleidigt oder empört zu sein: „Also zunächst mal, Herr Schorlemmer, ich bin ein Journalist gewesen, der alles, was er getan hat, aus Überzeugung und aus eigener Einsicht und geleitet von einem einzigen Grundgedanken, nämlich dem Gedanken der Freiheit für a 11 e Deutschen. Im Grunde muß ich sagen, verbitte mir im Grunde jede Art von Vergleich, weil wir von zwei völlig verschiedenen Positionen dabei gewesen sind. Ich habe das vorhin schon gesagt: Er war der bezahlte Agentator eines kriminellen Regimes, und ich war ein freier Journalist in einem freien Lande und habe das gesagt, was ich wollte und was ich für richtig hielt. Der Kalte Krieg ist ja nun nicht von uns ausgegangen, sondern ist uns ja von den Herren drüben aufgezwungen worden. Darum gebe ich gerne zu, habe ich kräftig mitgemischt, gar keine Frage, weil ich den Sturz dieses Systems wollte ‑ im Interesse der Menschen ‑ auch von Ihnen. Zweitens: Ob der Schnitzler wirklich ein Überzeugter war, (Ich meine, ich habe Sie bewundert. Ich habe nicht geglaubt, daß ein Pfarrer zu einer so fabelhaften Satire fähig ist, wie Sie dies hier mit dem CIA-Agenten vorgetragen haben. Das ist schon Spitze.) Nur, ob er wirklich ein Überzeugter war oder nur ein Zyniker oder was auch immer. Wissen Sie, ein überzeugter Kommunist, der dann in den Westen fährt, sich unentwegt auf dem Kurfürstendamm mit den Delikatessen versorgt, einen Porsche fährt und eine Westberliner Absteige besessen hat u. s. w., ist das eigentlich ein überzeugter Kommunist, in einer Zeit, in der er auf dem Bildschirm versucht hat, dieses Bild des überzeugten Kommunisten‑Sozialisten den Menschen vorzuspielen? Ich weiß. Es nicht. Also ich finde, wir sollten uns auch nicht mehr länger mit diesem Fossil beschäftigen. Ich meine, wissen Sie, der ist ja nun da, wo er hingehört. Er ist im Mülleimer der Geschichte gelandet. Da sollten wir ihn auch wirklich lassen. Viel faszinierender ist ja die Frage nach dem Journalisten in der Diktatur? Aus der Geschichte wissen wir ja, wenn ein Volk überleben will in einer Diktatur, dann passt sich die Mehrheit an. Die übergroße Mehrheit paßt sich an. Helden hat es immer nur sehr wenige gegeben. Das haben wir schon alles einmal erlebt. Das war in dieser Diktatur auch nicht anders. Deshalb habe ich mich immer bemüht zu differenzieren. So sollte man das auch bei den Journalisten tun.“</p>
<p>Ich hätte nicht geglaubt, daß nach der wunderbaren Selbstbefreiung der Kalte Krieg in neuer Auflage wieder beginnen würde. Am hässlichsten fand ich dabei Klaus Mertes in einer „Report München Sendung“ gegen Manfred Stolpe.</p>
<p>Zuvor gab es einen aufwühlenden Beitrag über das Abschlachten von Walen in einer norwegischen Bucht als bluttriefendes Ritual und dann eine tendenziöse, um nicht zu sagen verurteilende Sendung gegen Manfred Stolpe und ein geradezu inquisitorisches Gespräch mit ihm, in dem Klaus Mertes ihm dringend riet, er könne viel zur Aufklärung beitragen, wenn er zurücktreten würde.</p>
<p>Im SFB-Rundfunk hatte ich kurz darauf einen äußerst heftigen Disput mit Herrn Mertes. Ich warf ihm vor, dies sei ein Tribunal eines Westlers über einen Ostler gewesen. Er aber fand, dass man eine Sendung zu einem so schwierigen Komplex  gar nicht machen könne und Stolpe sei doch sehr mediengewandt und doch wirklich „ein Kaliber“.</p>
<p>Ich befand – immer noch sehr erregt -, daß der „Amtssessel“ für Herrn Stolpe Schwerstarbeit  sei und dass es wenige gebe, die so kompetent sind und so viel Kraft haben wie er. Und er habe zu den wenigen Leuten gehört, die in den letzten zwanzig Jahren die &#8220;Politik des Wandel durch Annäherung&#8221; im innen- und außenpolitischen Besuch auf eine diplomatische Weise gefördert hätten. Er habe geschickt als Vermittler  zwischen Basisgruppen und Staatsführung, auch  zwischen bedrängten Menschen und den Sicherheitsorganen gewirkt, immer zugunsten ersterer, manchmal nur kleine Erleichterungen ermöglichend. ER sei auch wichtiger Gesprächspartner für westliche Politiker gewesen.</p>
<p>Mertes entgegnete, er wolle doch nur erörtern und besser verstehen, welchen Anpassungszwängen und Notwendigkeiten Verantwortungsträger in einer totalitären Diktatur unterliegen, um möglicherweise Schlimmeres zu verhüten.</p>
<p>Er fragte mich, ob ich denn bei den Verhandlungen mit der Stasi dabei gewesen sei. Blöde Frage, dachte ich und verwies darauf, daß ich ihn 17 Jahre kenne und oft erlebt habe, wie er sich in Krisensituationen immer für hilfesuchende Bürger eingesetzt und dabei seine Kanäle genutzt hat, die keinem andern zugänglich gewesen waren. Dies habe Mertes nicht bestreiten wollen und sich nicht zum Richter aufgeschwungen und die  Forderung vom Rücktritt  vom Amt des Ministerpräsidenten  habe er doch mit der Frage versehen &#8220;was ist wichtiger: hier den Amtssessel zu verteidigen oder den wirklich notwendigen Informationsbeitrag &#8211; zeitgeschichtlichen Beitrag zu leisten für etwas, was uns Deutschen ganz not tut?&#8221; Und er fände, das Ministerpräsidentenamt ist da nicht so wichtig! Ich versuchte zu würdigen, wie Stolpe sich in vielen kleinen Schritten für immer größere Erweiterung der Menschenrechte bemüht habe und so ein konsequenter Anwalt innerer Öffnungen wurde,  der nicht beschwichtigen,  innenpolitisch Ruhe haben wollte, <em>damit</em> sich etwas bewegt – nicht aber beruhigen, besänftigen, runterdrücken, aber Eskalationen zu vermeiden trachtete.<em>: </em></p>
<p>Dies könne Stolpe nach Mertes’„Journalistenmeinung“  unbefangener, freier ausbreiten, wenn er nicht in den Zwängen des Ministerpräsidentenamtes säße, das ihn automatisch in die machtpolitische Polarisierung brächte. Wir bräuchten „den Stolpe als Führungsfigur und als Identifikationsfigur. Und als Aufklärungsfigur so dringend, mit seiner persönlichen Biographie“. Heuchlerischer geht’s nicht, dachte ich, zumal wir nicht so viele Leute aus dem Osten hätten, die so einen Posten ausfüllen könnten!</p>
<p>Ich dürfe, meinte Mertes „ jetzt nicht einer neuen Harmonisierung das Wort reden. Die Dinge sind tragisch, die Dinge sind schrecklich… Da muß man doch offen miteinander reden. Wir sind keine Sensibelchen, aber wir würden doch gerne etwas fairer beurteilt &#8211; gerade auch von den Deutschen in den neuen Ländern. Und was ich nicht für gut halte, ist, daß sich jetzt ein ostdeutsches Sonderbewusstsein entwickelt, in dem man sagt: ‚Da dürfen Westdeutsche nicht drüber reden!’“</p>
<p>Er verstünde überhaupt nicht den politischen Zusammenhang, in dem Stolpe damals handeln musste  und ich wünschte Herrn Mertes persönlich 40 Jahre Leben in der DDR &#8211; ohne die Aussicht, daß sie einmal  zu Ende geht. Und dann könnten wir miteinander noch mal reden.</p>
<p>Ich selber habe Manfred Stolpe als einen hochbegabten Kirchendiplomaten erlebt, der in der Lage war, auf ganz unterschiedlichen Parkettböden zu bestehen. Obwohl wir öfter in der Einschätzung der DDR und ihrer politischen Maßnahmen Differenzen hatten, so hat er mich doch nirgendwann bedrängt oder geschurigelt oder ermahnt. Er hat um Verständnis geworben.</p>
<p>Er wirkte als Prellbock nach beiden Seiten, damit es nicht zum Zusammenstoß kommt oder damit nicht eine Sackgasse ins Bodenlose oder ins Abgründige führt. Ich habe zum Beispiel die Diskussion zwischen den Basisgruppen bzw. der „Kirche von unten“ während des Kirchentages 1987 in einem Berliner Gemeindehaus (zusammen mit Bischof Gottfried Forck) erlebt, wo es zu erheblichen Konfrontationen kam und Stolpe gewissermaßen der „Briefträger“ war zwischen diesen Basisgruppen und den nervös gewordenen Staats- und  Staatssicherheitsorganen.. Die Vertreter der Basisgruppen sparten nicht mit Kritik und Stolpe wollte klarmachen, daß man den Bogen auch nicht überspannen dürfe, weil die Situation dann unkalkulierbar werden könne. Aber er ließ doch klar erkennen, auf welcher Seite seine Sympathien sind und wessen Vertreter er ist.</p>
<p>Immer wollte er „vermitteln“,  immer konfliktminimierend wirken, Verhärtungen aufbrechen, festgefahrene, aufeinander fixierte Konfliktpartner miteinander ins Gespräch bringen, grenzüberschreitende Kontakte ermöglichen. (Ich habe das in meinem Kapitel „Jona, nicht Kassandra sein“ beispielhaft beschrieben.)</p>
<p>Und wer die diesbezüglichen Stasiakten richtig  lesen will, muss den Zusammenhang verstehen, in dem Stolpe den Sicherheitsleuten sagte, daß man toleranter und zurückhaltender müsse, weil sonst die jungen Leute und einige Pfarrer „nicht mehr zu bändigen“ seien und den „jungen Pfarrern“ sagte er, sie mögen zurückhaltender sein, weil sonst die Sicherheitsorgane unkontrollierbar reagieren könnten. Wer nicht beides sieht, sieht nichts.</p>
<p>Unvergesslich sind mir Konfliktlagen, wo Stolpe bei festgefahrenen Positionen im Berichtsausschuss (der sich mit gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigte) mit seinen Vermittlungsvorschlägen so klärend einzugreifen wußte, daß beide Seiten relativ zufrieden sein konnten und somit der Friede untereinander bewahrt blieb.</p>
<p>Einzig den Kompromiss zwischen der Konferenz der Kirchenleitung und den Staatsorganen im Blick auf das öffentliche Zeigen des Symbols „Schwerter zu Pflugscharen“, habe ich nicht verstanden und nicht geteilt. Ich habe auch im September 1982 öffentlich dagegen gesprochen, ja auch polemisiert. (vgl. „Träume und Alpträume“, S. …  -ausschnittweise von Peter Merseburger in „Panorama“ am 10.10.1982 gesendet, weshalb mich von jenem Tage an Erich Mielke „persönlich“ kannte.)</p>
<p>Daß er Gespräche mit den Stasioffizieren Wiegand und Roßberg geführt hat, darüber besteht kein Zweifel. Die Frage ist nur, auf welcher Seite er zu jener Zeit gestanden hat und ob er irgendjemand verraten hat.</p>
<p>Ich bin da ziemlich sicher, auch nach meinen menschlichen Erfahrungen mit ihm. Und ich vergesse auch nicht, wie er auf der Herbstsynode 1989, in der es sehr knisterte, an meinem Synodentisch vorbeikam, mit den Fingerkuppen ein wenig auf den Tisch klopfte und mir zuraunte: „Machen Sie man. Ich brauche Druck im Kessel.“ Ich verstand. Und er hatte gerade die Gründungspapiere von „Demokratie jetzt“ persönlich in der Synode verteilt.</p>
<p>Immer noch gibt es unterschiedliche Versionen bezüglich der inhaftierten Oppositionellen im Zusammenhang mit der Rosa-Luxemburg-Demonstration im vom Januar 1988. Die Inhaftierten haben – soweit ich sehen kann – dem Kompromissvorschlag zugestimmt, für ein halbes Jahr in den Westen zu gehen, mit der Versicherung, sie könnten dann wieder zurückkommen. Damit wurde verhindert, daß es zu  Prozessen und einer Verurteilung mit langjährigen Haftstrafen in Bautzen kam. Auch hier hat Stolpe mitgewirkt. Und keiner von denen, die damals im Gefängnis saßen, soll mir weismachen, er sei in den Westen gezwungen worden. Sie haben diesen gewiss nicht unproblematischen Kompromiss <em>Auswandern in den Westen statt DDR-Knast</em> gewählt.</p>
<p>Es gab überall – auch in Wittenberg – Veranstaltungen und Mahnwachen, die möglicherweise damals schon hätten anschwellen können zu größeren Demonstrationen. Und wir, die wir „an der Basis“ nichts wussten, waren auch enttäuscht, daß Bärbel Bohley und die andern alle in den Westen gegangen waren. Die DDR-Behörden hatten aber geglaubt, daß es all den Bürgerrechtlern, die in den Westen gingen, dort so gut gefallen würde, daß sie ohnehin nicht zurück kämen. Stolpe aber beharrte darauf, daß die Verabredung war, daß sie nach einem halben Jahr zurückkommen könnten.</p>
<p>Die DDR-Behörden wollten genau davon aber nichts mehr wissen. Und Bärbel Bohley wollte zurück kommen. Manfred Stolpe fuhr mit seinem Auto nach Prag und holte sie persönlich vom Flughafen ab. Sie wurden stundenlang am Grenzübergang zwischen der CSSR und der DDR aufgehalten. Hier konnte Stolpe einmal mit einem Eklat drohen und so ist Bärbel Bohley (und wenige andere) wieder in die DDR zurückgekehrt und sind  hier wieder oppositionell aktiv geworden. Das fand ich ganz großartig. Aber was ich nicht großartig fand und finde ist, daß Stolpe sich in allen Situationen, in denen ihm schwere Vorwürfe gemacht worden, nicht offensiv gewehrt hat.</p>
<p>Warum hat er nicht gesagt, wie er sich für Bärbel Bohley eingesetzt hat. Und dies ganz persönlich? Warum wird nicht erwähnt, daß Bärbel Bohley nach ihrer Rückkehr in die DDR aus der „Schusslinie“ neuer sofortiger Konflikte durch ein besonderes Westmedien-Interesse genommen wurde und sie auf Kirchenkosten und –vermittlung ihre „Akklimatisierung“ in der DDR in einem kirchlichen Freizeitheim auf der Insel Hiddensee etwas abgeschirmt gestalten konnte?</p>
<p>Kein Wort von denen, denen Stolpe spürbar geholfen hat. Kein Wort der Klärung. Kein Wort des Dankes. Ich fand und finde das einfach schäbig.</p>
<p>Stolpe hat mehrere Jahre lang ein öffentliches Sperrfeuer gegen seine Person erlebt, aber in der Bevölkerung des Ostens mehrheitlich Sympathie und großen Respekt geerntet. Die Untersuchungen der Kirche hatten ergeben, daß für ein Disziplinarverfahren kein Anlass besteht.</p>
<p>Aber 2011 geht nun die Hatz noch einmal los. Auf einer Hochzeit im Juni 2011 traf ich das Ehepaar Stolpe. Beide gezeichnet durch Krebserkrankungen.</p>
<p>Aber insbesondere Frau Stolpe geht diese erneute Verdächtigung und eine wiederbeginnende Hatz an den Lebensnerv.</p>
<p>Da schien es mir gut, richtig und wichtig, daß ihn aus Anlaß  seines 75.Geburtstages am 16.5.2011 Egon Bahr würdigte. Bahr, ein so weitsichtiger und welterfahrener Politiker,, der für seine erfolgreichen Verhandlungen mit der der UdSSR und der DDR auch einen Black-Channel genutzt hat, um komplizierte Verhandlungen auch im Verborgenen voranzubringen, sich öffentlich hinter ihn stellt und innere Einheit durch Versöhnung anmahnt.</p>
<p>Auch Helmut Schmidt hat sich ebenso wieder und wieder hinter Stolpe gestellt -wie auch der segensreich im Stillen und in großer Beharrung wirkende „Ständige Vertreter der Bundesreplik in der DDR“ Hans-Otto Bräutigam sich stets hinter ihn gestellt hat.</p>
<p>Ich selber bin froh, daß es in der DDR-Zeit einen Manfred Stolpe gab, der ganz im Sinne der schrittweisen Erweiterung der Menschenrechte und der Entspannung im KSZE-Prozeß und der Schlussakte von Helsinki von 1975 öffnend mitgewirkt hat und dafür beharrlich gearbeitet hat, daß die Mauer niedriger wurde, daß  Wege der Menschen im geteilten Deutschland zueinander schrittweise mehr und mehr möglich wurden. Und so konnte er sich für viele einzelne, besonders bedrängte DDR-Bürger – auch in Abstimmung mit dem Mittelsmann Wolfgang Vogel &#8211; einsetzen. Dafür war er dazu bereit und fähig, mit denen zu reden, die eine demokratisch nicht legitimierte, aber tatsächliche Macht im SED-Staat innehatten. Was ist praktische Politik denn anders als die Kunst des Möglichen, die das im Augenblick Unmögliche nicht aus dem Blick verliert, also Prinzipien verpflichtet bleibt?</p>
<p>Der Kalte Krieg ist zu Ende. Manche führen ihn weiter, als ob sie eine Verlustangst antriebe, ohne daß sie freilich sich den heutigen Herausforderungen mit auch nur entfernt vergleichbarer Intensität zuwenden würden. Die Aktivität nach Rückwärts schlägt sie ganz in ihren Bann.</p>
<p>Das diktatorische SED-System mit ihrem marxistisch-leninistischen Überbau und ihrer missionarischen Welterlösungsvorstellung liegt hinter uns. Manche tun so, als ob das noch gäbe und als ob es täglich wiedererstehen könne.</p>
<p>. Die 40 geteilten Jahre bedürfen weiter der politischen Erinnerung sowie der persönlichen Würdigung derer, die darunter besonders gelitten und Widerstand  geleistet  haben. Redliche Erinnerung und nüchterne Analyse wird sich vor    Schönfärberisch &#8211; Nostalgisierendem ebenso hüten wie vor Scharfrichterisch-Dämonisierendem.</p>
<p>Daß die Zeit Wunden heilt, ist eine Gnade, die alle diejenigen ausschlagen, die die Wunden beharrlich aufkratzen. Wer wollte die Narben verschweigen &#8211; und wer sollte nicht froh sein über das Vernarbte?</p>
<p>Ich weiß sehr wohl, wie schwer das ist. Und ich habe wieder und wieder die Tragfähigkeit jenes Pauluswortes bedacht: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ ( Römer 12,21) . Und ich habe meine Pfarr-Amt auch immer so verstanden, daß mir durch Jesus Christus „das Amt gegeben ist, das die Versöhnung predigt“( 2.Korinther 5,18), daß wir durch die Fährnisse des Lebens hindurchgeleitet werden (Vgl. 2.Korinther 6,1-10) und jedem Menschen ein Neuwerden zugetraut ist. Schließlich war Paulus selbst ein eifriger Christenverfolger gewesen. Stets hatten ihn seine Gegner, &#8211; gerade seine Glaubensbrüder! &#8211; auf seine Vergangenheit festlegen, ja festnageln wollen.  Ein Versöhner hat „vor der Welt“ meist schlechte Karten, weil er immer beiden Seiten etwas zumutet: Scham und Einsicht auf der einen, Großmut und Verzeihen auf der anderen Seite.<span id="more-588"></span></p>
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		<title>Meinung/ Leserbrief</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Aug 2011 08:44:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu: „Der Bund der Vergessenden“ PNN 20.8.2011 Michael Wolffsohn fragt in seinem welthistorischen Blick auf den Brandenburger Weg, ob ich mich für meinen Glauben kreuzigen lasse. Das verletzt mich. Kreuzigen ist hierzulande nicht möglich. Es sei denn, man versteht jahrzehntelange Verleumdungen und Beleidigungen als moderne Form öffentlicher schmachvoller Hinrichtung. Vieles kann ich ertragen, aber meinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zu: „Der Bund der Vergessenden“ PNN 20.8.2011</em></p>
<p>Michael Wolffsohn fragt in seinem welthistorischen Blick auf den Brandenburger Weg, ob ich mich für meinen Glauben kreuzigen lasse. Das verletzt mich. Kreuzigen ist hierzulande nicht möglich. Es sei denn, man versteht jahrzehntelange Verleumdungen und Beleidigungen als moderne Form öffentlicher schmachvoller Hinrichtung.</p>
<p>Vieles kann ich ertragen, aber meinen Glauben hat noch niemand infrage gestellt. Selbst in der DDR-Diktatur wurde meine christliche Bindung nur selten als unnormal und dumm bezeichnet.</p>
<p>Ich weiß nicht, welchen Glauben Professor Wolffsohn bei mir erwartet. Mein christlicher Glaube will Friedfertigkeit und Gewaltvermeidung, Dialog statt Konfrontation, Aussöhnung statt Rache, Achtung der Menschenwürde und Respekt vor anderen Meinungen, Gerechtigkeit für die Menschen und die Natur. Dafür stehe ich und hoffe, dass mich niemand und nichts zwingen kann darin nachzulassen.</p>
<p>Manfred Stolpe</p>
<ul>
<li><a title="Leserbief von Manfred Stolpe zum selben Artikel" href="http://manfred-stolpe.de/meinung-leserbrief/">Leserbief von Manfred Stolpe zum selben Artikel</a></li>
<li><a title="Würdigung von Bischof Dr. Wolfgang Huber" href="http://manfred-stolpe.de/wurdigung-von-bischof-dr-wolfgang-huber/">Ansprache von Bischof Dr. Wolfgang Huber zum 75. Geburtstag Manfred Stolpes</a></li>
<li><a title="PNN-Artikel" href="http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/568445/" target="_blank">Artikel von Michael Wolffsohn in den Potsdamer Neuesten Nachrichten</a></li>
</ul>
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		<title>Gratulation an General von Kirchbach</title>
		<link>http://manfred-stolpe.de/gratulation-an-general-von-kirchbach/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 10:36:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Oderflut]]></category>

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		<description><![CDATA[Sehr geehrter Herr General, lieber Herr von Kirchbach, Sie sind der Held des wiedergeborenen Brandenburgs! Denn Sie haben es in größter Not gerettet und dabei zivil-militärische Zusammenarbeit begründet. Sie haben wichtige soziale Aufgaben angestoßen und viele zivilgesellschaftliche Aktivitäten gefördert. Sie sind in Brandenburg und darüber hinaus eine hochgeachtete Persönlichkeit, von der noch viel erwartet wird! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr General,<br />
lieber Herr von Kirchbach,</p>
<p>Sie sind der Held des wiedergeborenen Brandenburgs!</p>
<p>Denn Sie haben es in größter Not gerettet und dabei zivil-militärische Zusammenarbeit begründet. Sie haben wichtige soziale Aufgaben angestoßen und viele zivilgesellschaftliche Aktivitäten gefördert.</p>
<p>Sie sind in Brandenburg und darüber hinaus eine hochgeachtete Persönlichkeit, von der noch viel erwartet wird!</p>
<p>Meine herzlichen Glück- und Segenswünsche zu Ihrem 70. Geburtstag verbinde ich mit großem Dank für Ihre Leistungen und der Hoffnung auf künftige Begegnungen.</p>
<p>Mögen Sie guter Gesundheit, mit frohem Mut und schönen Erfolgen die nächsten Lebensjahrzehnte erleben.</p>
<p>Herzliche Grüße und Gott befohlen</p>
<p>Ihr Manfred Stolpe</p>
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		</item>
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		<title>In zwei Systemen an der Spitze &#8211; Manfred Stolpe wird 75 Jahre alt</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 11:55:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Propst Dr. Karl-Heinrich Lütcke, Berlin Nicht wenige Kirchenleute aus dem östlichen Teil Deutschlands sind nach der friedlichen Revolution von 1989 zeitweise oder auf Dauer in der Politik tätig gewesen. Sie brachten aus der synodal verfassten Kirche Erfahrungen mit demokratischen Verfahren mit, und ihnen wurde Vertrauen entgegen gebracht. Der Weg von Manfred Stolpe, der am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Propst Dr. Karl-Heinrich Lütcke, Berlin</em></p>
<p>Nicht wenige Kirchenleute aus dem östlichen Teil Deutschlands sind nach der friedlichen Revolution von 1989 zeitweise oder auf Dauer in der Politik tätig gewesen. Sie brachten aus der synodal verfassten Kirche Erfahrungen mit demokratischen<br />
Verfahren mit, und ihnen wurde Vertrauen entgegen gebracht. Der Weg von Manfred Stolpe, der am 16. Mai 75 Jahre alt wird, ist auch in diesem Zusammenhang ein besonderer Werdegang: In der Kirche auf DDR-Gebiet Jurist und Konsistorialpräsident, im neuen Gesamtdeutschland Ministerpräsident und Bundesminister. In zwei Systemen also in Spitzenämtern.<br />
Der Name Manfred Stolpe war mir schon bekannt, als ich in den 1970er Jahren Pfarrer in Württemberg war: Als Sekretär des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR spielte er eine wichtige Rolle in der Kirchenpolitik. In Stettin war er 1936 geboren worden. Nach dem Krieg lebte die Familie in Greifswald. Nach dem Jura-Studium in Jena und einem Referendariat in der<br />
Kirche war er, der in Pommern (Stettin und nach 1945 Greifswald) Aufgewachsene, in den Dienst der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg gekommen. Von 1969 bis 1981 übernahm er die Leitung der Geschäftsstelle des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR.<br />
Als ich nach Berlin kam und Abteilungsleiter im West-Berliner Konsistorium wurde, lernte ich ihn auch persönlich kennen. Unsere Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg war damals durch die Mauer und die Grenze geteilt, so dass sich auch getrennte Organe für Westregion und Ostregion gebildet hatten, auch wenn wir uns nach wie vor als eine Kirche betrachteten. 1982 war Manfred Stolpe Präsident des Konsistoriums in der Ostregion geworden.</p>
<p><strong>Präziser Organisator</strong></p>
<p>Ich erlebte ihn zunächst bei kleinen Treffen und Exkursionen, zu denen sich die Leitungskollegien der beiden Konsistorien in West und Ost trafen. Manfred Stolpe hatte sie immer mit großer Sorgfalt und Präzision organisiert, und es fiel auf, wie er bei unseren Besuchen in  Gemeinden Brandenburgs unkompliziert und ohne Amts-Gehabe auf die Menschen zuging, bei denen er offensichtlich großes Vertrauen genoss. Einmal saß ich neben ihm im Bus, der uns zu einem Besuch Richtung Frankfurt/Oder<br />
brachte, und ich erinnere mich noch sehr gut an das Gespräch: Wenige Tage zuvor war das Politbüro der SED neu zusammen gesetzt worden. Ich hatte davon schon in der Zeitung gelesen, erfuhr aber durch Stolpe zusätzlich eine  Einschätzung der Personen: Den einen beschrieb er als Hardliner, von dem nicht viel Gutes zu erwarten wäre, den andern als Hoffnungsträger<br />
für positive Veränderungen. Als die friedliche Revolution in der DDR zum Fall der Mauer und bald darauf zur Wiedervereinigung führte, konnten die beiden durch die Mauer getrennten Teile unserer Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wieder zusammen kommen. Ich gehörte als Propst zu dem kleinen Kreis von Menschen, die die Vereinigung der kirchlichen Verwaltung und der Kirchenleitung vorbereiteten. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Manfred Stolpe noch intensiver kennen. Er begegnete seinen Gästen freundlich und unkompliziert und kam sehr gut vorbereitet in die Sitzungen. Er setzte sich dafür ein, dass „sein“ Ost-Kollegium beim Zusammenwachsen mit dem West-Kollegium nicht an den Rand gedrängt wurde (wie es damals leider bei so vielen Ost-West-Fusionen der Fall gewesen ist).<br />
Zugleich lernte ich Stolpes Arbeitsstil kennen. Er war ein Frühaufsteher, der auch abends noch lange in seinem Büro arbeitete, und er ließ Sachen und Probleme nicht lange liegen, sondern bemühte sich um rasche Erledigung. Bekannt war er auch dafür, dass er sich persönlich um die Mitarbeiter im Konsistorium kümmerte und sie regelmäßig in ihren Büros aufsuchte.</p>
<p><strong>Ruf aus der Politik</strong></p>
<p>Aber sehr bald kam der Ruf aus der Politik: Komm herüber (von der Kirche zur Politik), und hilf uns. Schon im November 1989 erreichte ihn die Anfrage, ob er bereit sei, als Minister in der neu zu bildenden Regierung der (Noch-) DDR mitzuwirken. Er beriet sich innerhalb der Kirche und lehnte dann in einem Telefonat mit dem späteren Ministerpräsidenten Lothar de Maizière<br />
ab: Denn er wurde in der Kirche noch gebraucht. Aber als dann im Jahre 1990 mit der Wiedervereinigung auch in Brandenburg die Bildung einer Regierung anstand, folgte er dem Werben der SPD. Er wurde am 14. Oktober 1990 in den Brandenburgischen Landtag und danach zum ersten Ministerpräsidenten des wieder neu gegründeten Landes Brandenburg gewählt. In der<br />
ersten Legislaturperiode regierte er in einer Ampel-Koalition mit FDP und Grünen. Belastet waren diese Jahre durch die lange<br />
dauernde Diskussion um seine Kontakte zur Staatssicherheit in der DDR-Zeit. Er hatte zwar nie eine Verpflichtungserklärung unterschrieben,  aber die Stasi hatte ihn als „IM Sekretär“ geführt.<br />
Schon ehe die Akten geöffnet wurden, hatte er von sich aus die Öffentlichkeit informiert und mitgeteilt, dass er im Rahmen seiner vielen Gespräche mit staatlichen Stellen auch mit Mitarbeitern der Staatssicherheit gesprochen hatte. Es folgte eine heftige öffentliche Diskussion, auch in der Kirche. Ein kirchlicher Untersuchungsausschuss kam zu dem Ergebnis, das Ausmaß der Gespräche zu kritisieren, aber keine disziplinarischen Maßnahmen zu erwägen, weil er überzeugt war, dass Manfred<br />
Stolpe diese Gespräche „als Vertreter der Kirche geführt“ und „nicht die Seiten gewechselt“ hatte.</p>
<p><strong>Spielraum in DDR erweitert</strong></p>
<p>Schon seit seiner Zeit als Leiter der Geschäftsstelle des Bundes Evangelischer Kirchen der DDR hatte er einen umfassenden Verhandlungsauftrag der Kirchenleitung für Gespräche mit staatlichen Stellen. Ziel dieser Gespräche war oft die Hilfe für Menschen in konkreten Notlagen, aber ebenso die Erhaltung und Erweiterung kirchlicher Handlungsspielräume. Zu den kirchlichen Interessen, über die zu verhandeln war, gehörte beispielsweise die Genehmigung von Baumaßnahmen, die Seelsorge in Krankenhäusern und Strafanstalten und die Ermöglichung von Jugendfreizeiten und anderen kirchliche Veranstaltungen, weil die Veranstaltungsverordnung der DDR die Kirche auf religiöse Veranstaltungen im engeren Sinn zu beschränken versuchte.<br />
In den humanitären Angelegenheiten ging es um Haftentlassungen, Regelungen für Wehrdienstverweigerer, um Verhinderung von Zwangsadoptionen, um Ausreise in besonders bedrängten Fällen, um Krankenbehandelung und vieles andere. In der Tat gibt es eine Vielzahl von Menschen, die Manfred Stolpe dankbar sind, weil er ihnen helfen konnte, und auch die Bischöfe,<br />
die in jenen Jahren Verantwortung trugen, haben ihm große Verdienste zugesprochen und ihr nach wie vor großes Vertrauen zum Ausdruck gebracht.</p>
<p><strong>Kraft der Hoffnung</strong></p>
<p>In einer Erklärung der Bischöfe Demke, Hempel, Krusche, Leicht und Schönherr vom April 1992 heißt es: „Wir haben Manfred Stolpe&#8230;die Verhandlung aller sensiblen und schwierigen Fragen im Verhältnis zwischen Staat und Kirche anvertraut, ohne ihm vorzuschreiben, welche einzelnen Schritte zu unternehmen sind. Dies war Ausdruck unseres Vertrauens, das auch darin seinen<br />
Grund hatte, dass Manfred Stolpe nie bereit war, sich mit den tatsächlichen Gegebenheiten in der DDR abzufinden. Er hat immer wieder der Resignation unter uns widersprochen, war stets bereit, zu denken und in Angriff zu nehmen, was unmöglich schien. Das lag nicht nur in seinem persönlichen Naturell, sondern wurde auch eine Frage an die geistliche Kraft unserer Hoffnung.“<br />
Diejenigen, die in der DDR besonders stark den Zersetzungsmaßnahmen durch die Staatssicherheit ausgesetzt waren, haben Stolpes Handeln kritischer gesehen und darauf verwiesen, dass es in der Kirche eine generelle Haltung gab, keinen Kontakt zur Staatssicherheit zu pflegen. Und auch in den Leitungen der evangelischen Kirche ist nach 1992 Kritik geäußert worden, weil er<br />
nicht ausdrücklich seiner Kirchenleitung offen gelegt hat, dass zu seinen Kontakten mit staatlichen Stellen auch regelmäßige Kontakte zur Staatssicherheit gehörten. Aber in einer Erklärung der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg vom 22.10.1992, die sich mit den Kontakten der Kirche zum Herrschaftsapparat der DDR befasst, heißt es auch: „Alle jetzt nach Bekanntwerden vieler Einzelheiten geäußerte Kritik an der Verhandlungsführung Manfred Stolpes stellt für uns die Grundüberzeugung nicht in Frage: Manfred Stolpe war ein Mann der Kirche, nicht des MfS (Ministeriums für Staatssicherheit). Er hat sich bei der Erledigung seines Auftrages ins Zwielicht begeben, vielleicht auch Fehler gemacht. Aber im Rahmen des in diesem System Möglichen hat er für die Kirche, für die Menschen in der DDR und für den Zusammenhalt der Deutschen viel erreicht.“</p>
<p><strong>Beliebter Landesvater</strong></p>
<p>Die Rolle des Landesvaters war Manfred Stolpe auf den Leib geschnitten. Ich habe es selber erlebt, wie er 1998 (ohne vorherige Ankündigung und ohne Presse) bei der großen Oderflut am Sonntagmorgen einen Gottesdienst in einem der von der Flut bedrohten Orte besuchte und anschließend mit den anderen Gottesdienst-Teilnehmern ins Gespräch kam. Er kannte das Land Brandenburg mit seinen verschiedenen Regionen ja schon aus der Zeit als Konsistorialpräsident gut; und er kannte aus dieser Zeit auch sehr viele Menschen. Seine Fähigkeit, ganz unkompliziert auf Menschen zuzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, machte ihn beliebt.<br />
So war es kein Wunder, dass seine Partei, die SPD, bei der zweiten Landtagswahl im Jahr 1994 die absolute Mehrheit erhielt. Diese absolute Mehrheit verlor er dann 1999. Fortan regierte er zusammen mit der CDU in einer Großen Koalition.<br />
Seine Beliebtheit im Lande blieb ihm erhalten, auch wenn seine Regierung mit dem Scheitern einiger Großprojekte Misserfolge<br />
erlebte. Im Jahre 2002 übergab er das Amt des Ministerpräsidenten an Matthias Platzek. Da war er schon 66 Jahre alt und hatte gedacht, dass er sich nun in den verdienten Ruhestand zurückziehen könnte, um sich verschiedenen ehrenamtlichen Projekten zu widmen.</p>
<p><strong>Den neuen Ländern verpflichtet</strong></p>
<p>Aber schnell erreichte ihn wieder ein Ruf: Bundeskanzler Schröder wollte das Amt eines Beauftragten für die neuen Bundesländer aufwerten und es einem Minister übertragen. So bat er Manfred Stolpe, dieses Amt als Minister in Verbindung<br />
mit dem Ministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen zu übernehmen. Der pflichtbewusste Preuße Manfred Stolpe begab<br />
sich erneut in die Politik und musste sich dabei unter anderem mit den Problemen der Einführung der LKW-Maut herumschlagen. In seine Amtszeit fällt auch die Erarbeitung eines bundesdeutschen Verkehrswegeplans, in dem der Ausbau<br />
der Ost-West-Verbindungen in die osteuropäischen Länder geplant war, ganz gewiss ein besonderes Anliegen für den ehemaligen Brandenburger Ministerpräsidenten.<br />
Als Stolpe dann 2005 aus dem Ministeramt ausschied, hatte er bereits eine Krebs-Operation hinter sich. Auch da war es wohl Ausdruck für sein starkes Arbeitsethos und für seine Eigenart, die eigene Person nicht in den Vordergrund zu stellen, dass er von seiner Erkrankung zunächst gar nichts in die Öffentlichkeit dringen ließ. Erst im Jahre 2008, als er erneut operiert werden<br />
musste und auch seine Frau, die Ärztin Ingrid Stolpe, an Krebs erkrankte, haben die beiden öffentlich darüber gesprochen und zwei Ratschläge für andere gegeben. Der erste ist nahe liegend: Rechtzeitig zur Vorsorge zu gehen. Der zweite klingt in meinen Ohren typisch für Manfred Stolpe. Er sagt: Man darf sich von solchen Situationen nicht verrückt machen lassen. Ja, so kann man Manfred Stolpe immer wieder erleben: Nicht viel Aufhebens von sich, ruhig, gelassen und zugewandt. Wenn er jetzt seinen 75. Geburtstag feiern kann, ist ihm zu wünschen, dass ihm diese Haltung, die mit seinem christlichen Glauben eng zusammenhängt, weiterhin geschenkt bleibt.</p>
<p><em>Quelle:  <a title="Evangelisches Seniorenwerk" href="http://www.evangelisches-seniorenwerk.de/" target="_blank">Evangelisches Seniorenwerk</a> Informationsbrief Nr. 68/2-2011</em></p>
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