Geleitwort zum Buch: 20 Jahre Dorfkirchensommer in Brandenburg

· 29. Februar 2016   - 

Seit 60 Jahren reise ich durch das Land Brandenburg. Besonders die Dörfer haben es mir angetan. Sie sind sehr unterschiedlich. Es gibt Straßendörfer, Runddörfer, Haufendörfer, äußerlich reiche und arme Dörfer. Doch ein Merkmal haben sie fast alle: ihr Kirche.

Selbst in DDR-Zeiten bestand Übereinstimmung, die Kirche bleibt im Dorf. Die Kirche gehört zum Dorf.

Damals wurde ich gelegentlich als Chefjurist der Evangelischen Kirche von Gutsdirektoren und LPG-Vorsitzenden angesprochen, die Getreide, Milch oder Vieh in die Bundesrepublik verkauften und von den Ankäufern auf den geschäftsschädigenden miserablen Zustand der Kirche angesprochen wurden. Da konnte ich nur raten, der Kirchgemeinde mit Baumaterial und Arbeitskräften zu helfen. Das wurde manchmal getan. Aber das waren leider nur Einzelfälle.

Eine beglückende Erfahrung nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung sind die vielfältigen Initiativen zur Rettung und Nutzung von Dorfkirchen. Sogar schon aufgegebene Kirchen, die dennoch ein kulturhistorischer Mittelpunkt der Gemeinde sind, werden in Zusammenarbeit von Gemeindegliedern, ortsansässigen Nichtchristen und Unterstützern aus Westberlin, Westdeutschland, dem Ausland instand gesetzt. Für diese alle gehört die Kirche zum Dorf. Ist Identifikationsmerkmal und gemeinsames Erbe, das zu bewahren ist. Die Kirchen werden für kirchliche Veranstaltungen und auch kulturelle Veranstaltungen genutzt.

In diese veränderte Lage kam die Initiative „Dorfkirchensommer in Brandenburg“. Seit 20 Jahren unterstützt sie kulturelle Veranstaltungen in Dorfkirchen: Sie hilft, dass Menschen zusammenkommen zum Hören und Reden, zu Musik und Vorträgen und auch zum Gedenken an große Ereignisse der Brandenburger und deutschen Geschichte.

Eingebettet in diese große Geschichte sind die unzähligen kleinen Geschichten von einzelnen Menschen, von Erlebnissen in  ihren Städten und Dörfern, überliefert als Sagen, Erzählungen, Berichte und Erinnerungen. Erinnert wird an Kriegszeiten, an Brände und Wiederaufbau, an bäuerlichen Fleiß und Industrialisierung, an tragische und heitere Ereignisse.

25 solcher Begebenheiten sind in diesem Buch enthalten. Wer sie liest, wird unterhaltsam an Brandenburgs Geschichte erinnert und damit an gemeinsames Herkommen. Auch an gemeinsame Aufgaben.

Ich danke für die unermüdliche Arbeit der Initiative Dorfkirchensommer in Brandenburg. Jedes Jahr gibt es neue Ideen, wird die Zahl der Besucher größer, wächst die Zusammengehörigkeit von Brandenburg und Berlin und der Stolz auf unsere vielfältige Metropolenregion.

Ich bin dankbar für die vielen ehrenamtlichen Unterstützer – allen voran Frau Antje Leschonski.

Ich wünsche unserer Region, dass der „Dorfkirchensommer in Brandenburg“ auch in Zukunft Identität stiftet, Entspannung und Vergnügen bereitet.

Diesem Buch wünsche ich viele Leser in Brandenburg, Berlin und weit darüber hinaus.

Manfred Stolpe

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