Grußwort zum 85. Geburtstag von Landesbischof i. R. Dr. Johannes Hempel

· 23. April 2014   - 

Helmut Schmidt, der unlängst am anderen Ende der Elbe in Hamburg seinen 90. Geburtstag feierte, sagte uns: „Eigentlich wollte ich diesen Trubel nicht, aber es ist doch schön, Euch zu treffen“.

Verehrter Landesbischof Johannes Hempel, ich kann mir vorstellen, dass Sie ähnlich denken.

Meine Herren Bischöfe,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

liebe Schwestern und Brüder,

erlauben Sie mir, aus ganzem Herzen Dank zu sagen!

Ich war 3 Jahrzehnte für die Evangelische Kirche in der DDR tätig und habe gelernt, dass wir in einem kirchenfeindlichen System Gott und den Menschen viel wirksamer dienen können, wenn wir zusammenhalten, uns nicht auseinander dividieren lassen, konfessionelle und landsmannschaftliche Unterschiede nicht hochspielen. Das Herz dieser Zeugnis- und Dienstgemeinschaft schlug in Dresden und hatte die Namen Gottfried Noth, mit dem ich ein Jahrzehnt zusammen arbeiten durfte, und Johannes Hempel.

Johannes Hempel war unsere geistliche Autorität. Mit seiner Offenheit und Lauterkeit, seiner redlichen und bedachten Art, seinem sensiblen Achten auf das Wort hat er Menschen beeindruckt und gewonnen.

Johannes Hempel war geradezu allergisch gegen große Sprüche. Jedes Wort sollte auch durch die Person gedeckt sein. Was Johannes Hempel sagte, war echt und dazu stand er. Auf den Synoden des Kirchenbundes oder 1983 auf der EKD-Synode in Worms. Er litt, wenn seine Worte verdreht oder missdeutet wurden.

Aber im Bund der Evangelischen Kirche in der DDR genoss er absolutes Vertrauen.

Und das galt auch für die Sächsische Kirche, die in der Bundesleitung häufig als Troika Johannes Hempel, Kurt Damsch und Hans Cieslack auftrat.

„Hempels Meinung hat unter den DDR-Bischöfen erhebliches Gewicht“, urteilten damals die Brüder im Westen.

Die  besondere Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in der DDR mit den Evangelischen Kirchen in der damaligen Bundesrepublik hat Johannes Hempel aus tiefer Überzeugung mit großem Einsatz festgehalten und weiter entwickelt. Er legte Wert darauf, dass in den Ost-West-Beratungen nicht nur allgemein geredet, sondern Grundsatzfragen des Kirche-Seins in Ost und West behandelt wurden. Er nannte Unterschiede beim Namen und wurde gelegentlich unbequem, wo sonst Harmonie und Freundlichkeit gepflegt und Gegensätze leider überdeckt wurden.

Im Prozess der Wiedervereinigung der Kirchen 1990/91 mahnte Hempel, der Osten sollte nicht alles preisgeben, die Kirchen hier hätten in ihrem Dienst in einer säkularisierten Gesellschaft Erkenntnisse gewonnen, die auch künftig gebraucht werden.

Denn der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR war nicht nur eine Abwehrgemeinschaft im feindlichen Umfeld, sondern lernte unter der ständigen Bedrohung aller Arbeitszweige der Kirche deren Notwendigkeit für den Auftrag der Kirche zu erkennen und weiter zu gestalten. Das Selbstverständnis des Kirchenbundes wurde 1972 in einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Bischof Hempel beschrieben. Sie begründete die Überzeugung, dass sich die Kirche nicht auf Seelsorge und Gemeinnützigkeit beschneiden lassen dürfe, wie der Staat es forderte. Sondern im gesamten gesellschaftlichen Leben sollten Zeugnis und Dienst der Kirchen und der Christen wirksam werden.

Deshalb unterstützte Hempel die christliche Jugend mit ihrer vom Staat verfolgten Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“. Das Symbol wurde in Brandenburg entwickelt und der Aufnäher in Sachsen produziert.

Johannes Hempel wollte wissen, wie konkret aus dem Glauben in eine politische Situation geredet werden müsse. Seine Rede auf der Bundessynode 1983 setzte Zeichen. Er hinterfragte die Bildungspolitik der DDR und brachte damit die Meinung vieler Menschen und vor allem Jugendlicher zum Ausdruck.

Staat und Partei fürchteten, die Kirche werde zur Opposition und gebe Aktionen Raum, die mit Fasten und Kerzendemonstration die sozialistische DDR untergraben würden.

Das sollten die Kirchen beenden. Johannes Hempel lehnte es ab, die aufbegehrenden Menschen unter dem Dach der Kirche zu disziplinieren. Er forderte mit der Leitung des Kirchenbundes den Staat auf, sich den offensichtlichen Problemen zu stellen und Abhilfe zu schaffen.

Das alles im Lutherjahr 1983, das zum Anfang des Umbruchs in der DDR wurde.

Ich hoffe sehr, dass die EKD beim Lutherjubiläum 2017 das Jahr 1983 in der DDR berücksichtigt.

Landesbischof Johannes Hempel und die Leitung des Kirchenbundes hielten den Kurs einer kritischen Solidarität, und wo nötig Distanz zum Staat, durch. Die Staatsmacht bewegte sich nicht. Die Unruhe der Menschen wuchs und entlud sich 1988, 1989.

Landesbischof Hempel und die Sächsische Kirche gaben mit der Öffnung der Kirchengebäude für Protestveranstaltungen die logistische und geistliche Basis für die friedliche Revolution. Die anderen Evangelischen Kirchen folgten.

Honecker wurde abgesetzt. Die Mauer fiel und die Wiedervereinigung kam.

 

Anrede

Johannes Hempel war nicht nur ein sehr guter Bischof in Sachsen, sondern er hielt die Evangelischen Kirchen in der DDR als Zeugnis- und Dienstgemeinschaft zusammen und bewirkte mit den gesellschaftlichen Umbruch.

Mich bewegt an diesem Tage vor allem der Dank an unseren Herrn, dass er uns ein viertel Jahrhundert diesen Vordenker, Vorarbeiter und Vorbeter gab.

Verehrter, lieber Bischof Johannes Hempel,

danke, dass Sie die Last getragen haben und trotz mancher mühsamen Debatten nicht gesagt haben „Macht Euren Dreck allene“. Das wird nicht  vergessen! Und ich habe die Hoffnung, dass Sie noch viele Jahre den Kirchen in Sachsen, in Deutschland, in der Ökumene Ratgeber und Vorbild sein werden.

Gott behüte Sie.

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