Laudatio bei der Ausstellungseröffnung „Wege und Weite“

· 27. September 2012   - 

Stiftung Großes Waisenhaus. Potsdam – 12. September 2012

(Es gilt das gesprochene Wort)

Herr Staatssekretär,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

herzlichen Dank, dass dieses Haus wieder für eine ganz besondere Ausstellung zur Verfügung steht!

Ich freue mich, dass die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg die Kunst in ihren Arbeitsauftrag mit einbezieht! Und das ist richtig so!

Denn in dieser Metropolenregion Berlin-Brandenburg gibt es viele technische Faktoren der Zusammengehörigkeit, natürlich die Verkehrs-, Entwicklungs- und Siedlungsplanung – vom Flughafen will ich gar nicht reden, der kommt gewiss. Alle Großprojekte haben Planungsschwierigkeiten, dauern länger und werden teurer. Ich weiß wovon ich rede: Meine LKW-Maut hatte 18 Monate Verspätung, aber heute ist sie weltspitze!

Aber Technik alleine bringt die Region Berlin-Brandenburg nicht zusammen. Die Seele muss gesucht werden! Das können nur Künstler. Bei Musik und Text kann es auch daneben gehen, die Malerei kann am besten helfen, die Seelen übereinstimmend zum Klingen zu bringen. Der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg ist es gelungen, drei interessante, unterschiedliche Maler zusammenzubringen: Hanne Pluns, Roland Korn und Hartmut Meyer, alle drei leben in Brandenburg und sind doch auch Berliner!

Roland Korn, im thüringischen Saaletal geboren, hat das Zentrum Berlins gestaltet. Schauen Sie auf „Stadtzentrum mit Fernsehturm und Kreuz“! Sein bekanntester Bau ist das Staatsratsgebäude. Ich habe das Haus bei Erich Honecker und Gerhard Schröder kennen und schätzen gelernt. Ich freue mich, dass dieses Gebäude nicht dem „Bildersturm“ zum Opfer fiel, und es auch nicht durch einen Kubus zugestellt wird. Roland Korn gestaltete den Alexanderplatz um und baute den Kern Berlins um das Nikolai-Viertel wieder auf.

Der Planer und Gestalter Roland Korn sucht Ausgleich als Maler. Seine Bilder stellen Motive aus seinem Lebensumfeld dar, Landschaften, Stillleben, Blumen und Portraits. Seine Stadtaquarelle haben neben dem künstlerischen Wert hohe dokumentarische Bedeutung. Sie erinnern an Bauten, die Ostberlin bestimmten, aber in den letzten 20 Jahren verschwunden sind: den Palast der Republik, die Kreuzung Friedrichstraße/ Unter den Linden und mein geliebtes Ahornblatt. Eine Spitzenleistung von Ulrich Müther. Ich war so stolz, dass ich in diese sozialistische Betriebsgaststätte auch kirchliche Mitarbeiter hineinbekommen habe.

Hanne Pluns, in Wriezen geboren, in früher Kindheit vom Oderbruch geprägt, kehrte nach erfolgreicher Westwanderung in ihre alte Heimat zurück. Die studierte Malerin und Zeichnerin ist mit ihrem Kunstschaffen ständig unterwegs, um ihren Horizont zu erweitern, um Orientierung zu suchen und neue Erkenntnisse zu gewinnen: in der Malerei, in Radierungen, aber auch in Tonschöpfungen, Bronzewerken.
Heike Mildner hat Hanne Pluns beschrieben mit ihren gegenständlichen Motiven, Landschaften und Stillleben, ihrem späteren expressiven Farbauftrag und dann der Gabe, Gegenständliches darzustellen, Ebenen nur anzudeuten, einer zurückhaltenden Farbgestaltung und einer Tendenz zu Pastelltönen. Und so überrascht die Frage nicht, ob es sich bei diesen unterschiedlichen Werken um dieselbe Künstlerin handelt. Mich hat bei Hanne Pluns besonders beeindruckt das Bild „Ob Land, ob Meer“, wo abstrakte und gegenständliche Malerei wirken. Und „Das Oderbruch“ mit der bedrängenden Nähe und der befreienden Weite. Meditation ihre Bilder „Die Schöpfung“ und „Bewegung“.

Hartmut Meyer, im thüringischen Saaletal aufgewachsen, vermisst bis heute die liebliche Landschaft seiner Heimat, die stolzen Burgen an der Saale hellem Strande. Solange er im Stress des Arbeitslebens stand, konnte er das nicht kompensieren. Weder als Leiter des 1. Rechenzentrums der DDR noch als Chef eines Baukombinates. Erst recht nicht als Politiker der ersten Stunde 1990: Landrat im Oderbruch – einem Himmelfahrtskommando, oder fünfzehn Jahren als Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr in Brandenburg. Da rettete er 35 Altstadtkerne und bewahrte durch ein Stadtumbau-Programm Neubaugebiete vor der Verwahrlosung. Doch in diesen 30 brandenburgischen Fronjahren bewegte er sich in seinem Brandenburg-Bild von Heinrich von Kleist zu Theodor Fontane. Kleist, der unser Brandenburg einen langweiligen Landstrich nannte, bei dessen Erschaffung der liebe Gott offenbar eingeschlafen war. Und Fontane, der auf reizvolle Motive in Brandenburgs Dörfern, Seen, und Landschaften hinwies.

Hartmut Meyer begann zu malen! Nicht die Heidecksburg bei Rudolstadt oder die Dornburger Schlösser an der Saale, sondern einfach Schönheiten unserer Region. Ich war verblüfft und begeistert, als er mir zum 60. Geburtstag statt der sonst üblichen Cognacflasche ein kleines Bild vom Schloss Rheinsberg schenkte – Meyer malt! Zunächst gelegentlich, seit Ende des Berufslebens zahlreicher bringt Hartmut Meyer uns Brandenburg nahe, immer wieder Ostbrandenburg. Er trifft die Stimmungen, unterscheidet die Jahreszeiten. Sein Oderhochwasser geht nicht nur den Betroffenen nahe. Die Vielfalt in Farbe und Licht beeindruckt. Und häufig Rapsfelder, Wege und Weiten. Besonders empfehlen möchte ich Ihnen den Weg ganz nach oben in diesem Haus. Da erwartet Sie eine Meyersche „Mohn-Orgie“, geradezu wie einen Altar: Fünf Mohnbilder zusammengestellt.

Der Hobbymaler Meyer ist noch auf der Suche. Aquarell, Acryl, Bleistift, Kreide, Grafik: Lieber Hartmut, wohin wird die Reise gehen? Ins Abstrakte? Vielleicht entwickelt sich ein Quereinsteiger-Genie? Seine Lust am Ausdruck, sein Drängen auf Gestaltung und seine erstaunliche Begabung sind gute Voraussetzungen dafür!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

diese Ausstellung bringt eine freischaffende studierte Künstlerin und zwei Hobbymaler zusammen. Danken wir allen, auch Ihnen, Frau Pluns, dass das möglich wurde. Interessant, welche Perspektiven die Künstler einbringen. Hartmut Meyer liebt die Zentralperspektiven, Roland Korn nutzt breite Perspektive bis zur Vogelschau. Und Hanne Pluns überwindet künstlerisch herkömmliche Regeln, setzt den Horizont hoch und lässt das Davorliegende gelegentlich im Perspektivlosen verschwinden.

Die Ausstellung bringt uns die Vielfalt der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg nahe. Lässt uns die Spannung von Dynamik und Stille und so unsere Stärke spüren.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich hoffe, dass viele Brandenburgerinnen und Berlinerinnen, Brandenburger und Berliner in dieser Ausstellung die Kraft und Zusammengehörigkeit unserer Region Berlin-Brandenburg verstehen lernen!

Dank und Erfolg den Künstlern. Und Ihnen allen ein wertvolles Kunsterlebnis!

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