Geleitwort zum Buch: 20 Jahre Dorfkirchensommer in Brandenburg

Seit 60 Jahren reise ich durch das Land Brandenburg. Besonders die Dörfer haben es mir angetan. Sie sind sehr unterschiedlich. Es gibt Straßendörfer, Runddörfer, Haufendörfer, äußerlich reiche und arme Dörfer. Doch ein Merkmal haben sie fast alle: ihr Kirche.

Selbst in DDR-Zeiten bestand Übereinstimmung, die Kirche bleibt im Dorf. Die Kirche gehört zum Dorf.

Damals wurde ich gelegentlich als Chefjurist der Evangelischen Kirche von Gutsdirektoren und LPG-Vorsitzenden angesprochen, die Getreide, Milch oder Vieh in die Bundesrepublik verkauften und von den Ankäufern auf den geschäftsschädigenden miserablen Zustand der Kirche angesprochen wurden. Da konnte ich nur raten, der Kirchgemeinde mit Baumaterial und Arbeitskräften zu helfen. Das wurde manchmal getan. Aber das waren leider nur Einzelfälle.

Eine beglückende Erfahrung nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung sind die vielfältigen Initiativen zur Rettung und Nutzung von Dorfkirchen. Sogar schon aufgegebene Kirchen, die dennoch ein kulturhistorischer Mittelpunkt der Gemeinde sind, werden in Zusammenarbeit von Gemeindegliedern, ortsansässigen Nichtchristen und Unterstützern aus Westberlin, Westdeutschland, dem Ausland instand gesetzt. Für diese alle gehört die Kirche zum Dorf. Ist Identifikationsmerkmal und gemeinsames Erbe, das zu bewahren ist. Die Kirchen werden für kirchliche Veranstaltungen und auch kulturelle Veranstaltungen genutzt.

In diese veränderte Lage kam die Initiative „Dorfkirchensommer in Brandenburg“. Seit 20 Jahren unterstützt sie kulturelle Veranstaltungen in Dorfkirchen: Sie hilft, dass Menschen zusammenkommen zum Hören und Reden, zu Musik und Vorträgen und auch zum Gedenken an große Ereignisse der Brandenburger und deutschen Geschichte.

Eingebettet in diese große Geschichte sind die unzähligen kleinen Geschichten von einzelnen Menschen, von Erlebnissen in  ihren Städten und Dörfern, überliefert als Sagen, Erzählungen, Berichte und Erinnerungen. Erinnert wird an Kriegszeiten, an Brände und Wiederaufbau, an bäuerlichen Fleiß und Industrialisierung, an tragische und heitere Ereignisse.

25 solcher Begebenheiten sind in diesem Buch enthalten. Wer sie liest, wird unterhaltsam an Brandenburgs Geschichte erinnert und damit an gemeinsames Herkommen. Auch an gemeinsame Aufgaben.

Ich danke für die unermüdliche Arbeit der Initiative Dorfkirchensommer in Brandenburg. Jedes Jahr gibt es neue Ideen, wird die Zahl der Besucher größer, wächst die Zusammengehörigkeit von Brandenburg und Berlin und der Stolz auf unsere vielfältige Metropolenregion.

Ich bin dankbar für die vielen ehrenamtlichen Unterstützer – allen voran Frau Antje Leschonski.

Ich wünsche unserer Region, dass der „Dorfkirchensommer in Brandenburg“ auch in Zukunft Identität stiftet, Entspannung und Vergnügen bereitet.

Diesem Buch wünsche ich viele Leser in Brandenburg, Berlin und weit darüber hinaus.

Manfred Stolpe

Das Hotel soll aus ideologischen Gründen weg

Manfred Stolpe (SPD), Ministerpräsident a.D., warnt im PNN-Interview Potsdams Stadtspitze davor, das Mercure-Hochhaus „vorschnell“ abzureißen. Und empfiehlt dem Betreiber des Hotels, Schadensersatzklage gegen die Landeshauptstadt einzureichen.

Herr Stolpe, Sie wollen, dass das Hotel Mercure in Potsdams Mitte stehen bleibt?

Ich will, dass es nicht vorschnell abgerissen wird. Ich habe den Eindruck, dass es jetzt aus ideologischen und ästhetischen Gründen weg soll. Wie der Bedarf ist, was das für Auswirkungen auf die Arbeitsplätze im Hotel und auf die vielen Menschen in Potsdam hat, denen das Mercure eine gute Erinnerung ist, darauf wird zu wenig geachtet.

auf PNN.de weiterlesen

Deutschland und Russland – Wege aus der Krise ?

Rede anlässlich des „Weihnachtsplausch“ vor dem  Rotary Club Berlin im Schloss Köpenick am 14. Dezember 2015

Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben mich gebeten, über die Beziehungen Deutschland-Russland und über Wege aus der Krise zu sprechen.

Die Meinungen sind sehr unterschiedlich und offenbar auch subjektiv von alten Erfahrungen und Vorurteilen bestimmt.

So will ich denn auch meine persönlichen Erfahrungen voran stellen. Ich habe von klein auf mit Russen zu tun gehabt. Die erste Erfahrung war ein russischer Schuster, der wohl nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland geblieben war und auf dem Grundstück meiner Eltern lebte. Niemand hörte mir so lange geduldig zu. Er war ein gutmütiger, hilfsbereiter Mann. Für meine sehr beschäftigten Eltern eine sichere Adresse, wo ich zu finden war.

Zum Kriegsende hatten wir das Glück, in Greifswald zu sein. Die deutsche Wehrmacht hatte förmlich vor der Roten Armee kapituliert. Die russische Besatzung war diszipliniert und ausgesprochen kinderfreundlich. Gern erinnere ich mich, dass ich einmal am Offizierstisch mit essen durfte. „Kussok Chleb“ waren meine ersten russischen Vokabeln.

Meine ostpommerschen Verwandten, über die die Front hinweg rollte, haben dagegen sehr böse Erfahrungen gemacht. Dann sind mir die Berichte vom Juni 1953 in Erinnerung als russische Panzer die SED-Herrschaft retteten und danach die Unzufriedenheit im Lande wuchs. Hunderttausende Menschen in den Westen flohen und die DDR auszulaufen schien.

Die Nacht zum 13. August 1961 vergesse ich nicht. Als die ganze Nacht die Panzer rollten und ich befürchtete, dass es Krieg gibt. Als dann die ersten Nachrichten von der Grenzschließung berichteten, war ich offen gesagt erleichtert, später erfuhr ich, dass John F. Kennedy am 14. August 1961 gesagt hat „Eine Mauer ist verdammt noch mal besser als Krieg“.

1985 erlebte ich staunend wie Gorbatschow Glasnost und Perestroika verkündete. Das waren unsere Forderungen nach Meinungsfreiheit und Reformen! Die DDR-Führung verweigerte sich. Sogar das Wort „Reform“ war verpönt. Im Spätherbst

1989 fand ich meine Einschätzung zu dem neuen Wort aus Moskau bestätigt. Die starken russischen Truppen griffen nicht ein. Gorbatschow stimmt freien Wahlen in der DDR  und schließlich der Wiedervereinigung zu. Ohne einen nennenswerten Vorteil außer mündlichen Zusagen, dass die NATO nicht nach Osteuropa vorrücken würde.

Als Ministerpräsident von Brandenburg unterhielt ich zum Oberkommando der Russischen Truppen in Wünsdorf Kontakt.

Als im August 1991 Gorbatschow gestürzt wurde, fuhr ich sofort nach Wünsdorf. Und war sehr erleichtert, als mir die Generale zusicherten, dass sie sich an den verabredeten Abzug halten würden. Die Generale aus Wünsdorf besuchen uns in Potsdam; sympathische Deutschlandfreunde. Im Frühjahr dieses Jahres mit der Aussage sie seien vom Westen belogen und betrogen worden und es sei traurig, dass die Deutschen da mitmachten.

Heute stecken wir in der schwersten außenpolitischen Krise in Europa seit dem Ende des Kalten Krieges. Das Risiko des Einsatzes von Nuklearwaffen in der Euro-Atlantischen Region steigt.

In den vergangenen Monaten haben es die Deutschen und im Allgemeinen die Europäer geschafft, ihren langjährigen Vertrauten – Russland – nicht nur zu verstimmen, sondern möglicherweise zu verlieren. Der Auslöser ist die Ukraine. Sie kennen alle die westliche Sicht: Die EU habe mit der östlichen Partnerschaft ab 2009 eine Initiative zur Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas gestartet, die große positive Resonanz gefunden habe, eben auch in der Ukraine. Präsident Janukowitsch habe die Verhandlungen ab 2010/2011 für ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen für sein Land geführt, aber dann im November 2013 eine plötzliche Kehrtwende vollzogen. Er habe die EU-Orientierung an Putin verkauft, der der Ukraine das Geld versprach, das die EU nicht zahlen wollte.

Das ukrainische Volk habe dagegen massenhaft protestiert. Janukowitsch habe die friedlichen Proteste niedergeschossen und dadurch einen Umsturz provoziert. Eine Übergangsregierung habe sich aber baldigen Wahlen stellen wollen. Man habe wehrlos zusehen müssen, wie Russland die Schwächephase genutzt habe, um die Krimgebiete zu annektieren. Dies sei ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht und ein Bruch des Memorandums (USA, Russland und GB) von Budapest 1994.

Alle formalen Verfahren der Wahlen auf der Krim seien erzwungen und pseudodemokratisch installiert worden.  Mehr als das, Russland habe die Separationsbewegungen im Osten der Ukraine angefeuert. Russland trage ebenso die Verantwortung für den Abschuss der Passagiermaschine MH 17, der faktisch eine weitere Stufe der Eskalation auslöste.

Russland sei nicht wirklich am Frieden interessiert, da ein Interesse an einer instabilen Ukraine existiere. Dies sei ein Garant dafür, dass eine europäische Ukraine nach westlichem Vorbild nie entstehen könne.

 Aber diese Merkmale nimmt eben auch die russische Erzählung in gleicher Weise für sich in Anspruch. Die Russische Erzählung beginnt jedoch früher. Russland habe nach dem Ende des kalten Krieges durch seine Präsidenten immer wieder den Arm zur aktiven Zusammenarbeit mit der EU und den USA ausgestreckt. Dies sei konsequent ignoriert worden. Gleichzeitig sei die NATO immer weiter an die Grenzen Russlands expandiert. Janukowitsch habe als gewählter Präsident eine klare Entscheidung gegen die EU und für das russische Angebot gemacht. Die Maidan-Proteste seien in ihrer Mehrheit zwar demokratisch gewesen, aber der Umsturz sei von rechtsextremen und russophoben Kräften initiiert und umgesetzt worden.

Der entscheidende Vorwurf sei, dass die Außenminister Polens, Frankreichs und Deutschlands am 21. Februar 2014 eine Vereinbarung unterschrieben hatten, die nur wenige Stunden später Makulatur war. Kein Minister habe sich dann wirklich für die Einhaltung dieser Vereinbarung eingesetzt.

Russland habe davon ausgehen müssen, dass es auch keinerlei Garantien mehr für die eigene militärische Präsenz auf der Krim (Sewastopol) gäbe. Wesentliche Kräfte der Übergangsregierung seien russophob und radikal gewesen. Ein eilig eingebrachtes Gesetz gegen die russische Sprache sei nur einer von vielen derartigen Hinweisen.

Man habe die russische Bevölkerung und die russischen Stützpunkte schützen müssen. Hätte man gewartet – so die russische Erzählung – bis die Ukraine agiert hätte, sei ein schwerer Krieg unvermeidlich gewesen. Die Bevölkerung sei in der überwiegenden Zahl russlandfreundlich und das Selbstbestimmungsrecht der Völker wiege schwerer als das Völkerrecht. Zudem habe Chruschtschow die Krim 1954 völkerrechtswidrig an die Ukraine verschenkt.

In der Ostukraine habe es einen Volksaufstand, kaum anders als in der Westukraine, gegeben. Nur habe man hier durch die militärische Gewalt ukrainischer Truppen eine Eskalation herbeigeführt.

Ein Land, das auf eigene Bürger schieße, habe sich von diesen losgesagt.

Im Übrigen gehe es vor allem um die Interessen der USA, die der eigentliche Gewinner dieses Konflikts seien. Eine Schwächung Europas und insbesondere eine Schwächung der deutsch-russischen Beziehungen seien für die USA  von enormer strategischer Bedeutung.

Argumentationskreise beider Seiten sind jeweils in sich geschlossen und in sich nachvollziehbar – doch miteinander absolut unvereinbar. Eine ständige Wiederholung der bekannten Positionen wird die Kluft zwischen dem Westen und Russland nicht schließen.

Nun kommt jedoch der komplizierende Faktor dazu. Es ist zu fragen, wie mit dem so unterschiedlichen Demokratie- und dem zugrundeliegenden Menschenrechtsverständnis in Ost und West im Interesse einer Wiederanknüpfung der Beziehungen umgegangen werden soll.

Dafür kommt es darauf an, ein Verständnis für die ganz unterschiedliche Auffassung vom Verhältnis von Staat und Individuum in Ost und West zu gewinnen.

Im Westen herrscht die Überzeugung, dass der Staat für den Bürger da ist. Ausdruck dafür ist in der deutschen Verfassung, dass die Grundrechte der Bürger den ersten und wichtigsten Abschnitt der Verfassung einnehmen und dass Artikel 1 des Grundgesetzes die unantastbare Würde des Menschen als höchstes Verfassungsprinzip postuliert.

Es ist bezeichnend, dass die russische Verfassung von 1993 im 1. Kapitel die Bestimmungen über den Staat „Russische Föderation“ voranstellt und erst im 2. Kapitel die Rechte und Freiheiten des Menschen und des Bürgers behandelt. Hier drückt sich ein fundamentaler Unterschied aus, dass in der Verfassungswirklichkeit Russlands der Staat mit seinem Oberhaupt, ob das heute der Präsident ist, oder früher der Generalsekretär der KPdSU und noch davor der Zar war, traditionell die höchste Gewalt vertritt, dem alles, auch der Bürger, untergeordnet ist.

Demgemäß wird der Präsident der Russischen Föderation als über der Verfassung stehend verstanden. Nach Artikel 80 der russischen Verfassung ist er deren Garant. Nach westlichem Verständnis ist der Staat zum Dienste des  Bürgers da. Die westlichen Gesellschaften und ihre Organisationen, die NGOs, sind von der Überzeugung getrieben, dass ihre Vorstellungen überall zur Geltung gebracht werden müssen.

Ganz besonders Amerika verspürt einen missionarischen Drang, die ganze Welt reif für die Demokratie zu machen, die im amerikanischen Sinne verstanden wird. Ein ähnlicher missionarischer Drang treibt auch die Menschenrechtsorganisationen anderer
Staaten um. Gesellschaften, die von der Priorität des Staates und seiner Führung geprägt sind, wehren sich gegen diese Einflussversuche.

Hier liegt ein grundlegender Unterschied in dem Verständnis des Verhältnisses von Staat und Bürger, der sich als Störfaktor in den westlichen Beziehungen zu Russland erweist. Dieser grundsätzliche Unterschied ist auch in verschiedenen religiösen Traditionen begründet, zumal unsere moderne Staatlichkeit säkularisierte religiöse Ordnungen widerspiegelt.

Das westliche, auf den Primat des Individuums gegründete Staatsverständnis nahm seinen Ausgang in der Revolution des Protestantismus vor 500 Jahren, die im Laufe der Zeit auch die katholischen Lande erfasst hat.Anders das orthodox geprägte Russland. Hier ist das byzantinische Erbe mit dem weltlichen Herrscher, der auch Herr der Kirche war, in seiner verweltlichten Form erhalten geblieben. So kann heute der Russisch-Orthodoxe Patriarch seine Ablehnung des westlichen Menschenrechtsverständnisses als mit der russischen kirchlichen und auch staatlichen Auffassung vom Menschen als unvereinbar erklären.

Das muss man bedenken, wenn man Russland verstehen will.

Die Frage ist nun: welche Schritte müssen unternommen werden, um aus der Krise zu kommen, um die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland zu normalisieren? Am unmittelbarsten und dringendsten notwendig, und ohne Gesichtsverlust für beide Seiten erreichbar, sind Maßnahmen zur Reduzierung der Gefahr unbeabsichtigter militärischer Eskalationsschritte.

Es verlangt schon der gesunde Menschenverstand nach deeskalatorischen Maßnahmen und pragmatischer Kooperation. Es ist völlig unverantwortlich, dass wir – selbst noch nach dem MH 17- Abschuss – mehrere Male nur haarscharf an militärischen Zwischenfällen vorbeigeschrammt sind.

NATO und Russland sollten sich dringend auf neue Regeln gegenseitiger militärischer Zurückhaltung und Transparenz einigen – und diese dann auch einhalten.

Auf politischer Ebene muss der Minsk-2-Prozess fortgeführt werden. Die Vereinbarungen von Minsk sind eine notwendige Bedingung, um den Frieden zu retten. Leider sind die Aussichten auf eine schnelle Umsetzung der Vereinbarung von Minsk gegenwärtig nicht rosig. Aktionen wie die Zerstörung bestehender Stromversorgungssysteme für die Krim werfen den Prozessverlauf zurück.

Einen weiteren politischen Schritt als Voraussetzung weitergehender Gespräche zwischen
dem Westen und Russland hat Egon Bahr im Verlauf eines seiner letzten öffentlichen Reden geäußert.

Im Frühjahr dieses Jahres nahm er den Dr. Friedrich-Joseph Haass-Preis des Deutsch-Russischen Forums e. V. entgegen und sagte, dass die weitere Behandlung der Krimfrage den entscheidenden Schlüssel zum Frieden in Europa verbirgt.

Minsk 1 und 2 lassen diese Frage außen vor. Sie soll erst besprochen werden, wenn die Ostukraine Frieden gefunden hat. Bahr meinte, dies werde kein praktikabler Weg sein. Solange man im Kreml davon ausgehen muss, dass nach einer Friedenslösung in der
Ostukraine sofort das Thema Krim auf der Tagesordnung steht, wird es auch keine Fortschritte geben.

Neue strategische Herausforderungen von heute sind der Terrorismus, die Konvulsionen und Kriege im Nahen und Mittleren Osten, von Afghanistan bis Syrien.  Die Einbeziehung solcher neuen Themen in die gesamteuropäische Sicherheitsagenda könnte gemeinsame künftige Schritte erleichtern.

Von aktuellen Unstimmigkeiten mit Russland in der Syrienpolitik sollten wir uns nicht abschrecken lassen. Ganz im Gegenteil: mittel- und langfristig werden gerade auch hier gemeinsame Interessen – insbesondere die Bekämpfung des dschihadistischen Terrors von IS/ISIL – überwiegen.

Deutschland übernimmt aber dem 1. Januar 2016 den Vorsitz in der OSZE. Setzen wir an mit einer Politik der verstärkten Dialoge auf allen Ebenen – in der Politik, in der Wirtschaft und besonders in der Gesellschaft.

Dann müssen die Wirtschaftssanktionen so schnell wie möglich fallen. Russische Bürger müssen spüren, dass sie in Europa willkommen sind. Verlassen wir die Position der Anklage und versuchen wir, gemeinsam Perspektiven europäischer Verbundenheit zu entwickeln.

Man könnte beginnen, den von Russland ins Spiel gebrachten gemeinsamen Raum von Lissabon bis Wladiwostok konkret auszugestalten und mit Inhalten zu füllen. Russland und Deutschland werden in diesem Prozess eine Schlüsselrolle zu spielen haben.

Wegen der geschichtlichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, wegen der großen Tradition der Ostpolitik und wegen des besonderen deutschen Engagements in der aktuellen Ukrainediplomatie.

Und weil die deutsch-russischen Beziehungen trotz aktueller Rückschläge tiefer sind als andere bilaterale Beziehungen zu Russland. Niemand hat ein größeres Interesse an einem stabilen, prosperierenden Russland als wir Deutschen.

Dabei müssen wir aber auch Generationen mitnehmen, für die weder der Zweite Weltkrieg noch die Berliner Mauer Teil eigener Kenntnis und Erinnerung sind. Alle, denen eine gemeinsame deutsch-russische bzw. europäisch-russische Zukunft am Herzen liegt, sollten deshalb massiv in die jüngeren Generationen investieren. Tun wir genug, um gerade jetzt den Austausch zwischen jungen Russen und Deutschen zu fördern?

Denn eine friedliche Zukunft werden wir beide, Russen wie Deutsche nur gemeinsam haben. Wir in Brandenburg haben noch dem Abzug der russischen Truppen 1994 die Pflege der russischen Soldatenfriedhöfe übernommen. Hunderttausende Soldatengräber. Jedes Jahr im November besuchen wir gemeinsam mit Russen russische und deutsche Kriegsgräber.

Das ist eine harte Erinnerung und zugleich die Aufforderung, Frieden zu bewahren und Zusammenarbeit voran zu bringen.

Quellen

  • Materialien des Deutsch-Russischen Forums
  • Vortrag von Wolfgang Ischinger am 22. 10. 2015 in Potsdam (unveröffentlicht)
  • Vortrag von Ernst von Studnitz am 20. 11. 2015 in Baden Baden (unveröffentlicht)
Festakt „25 Jahre Landtag Brandenburg“

23. September 2015 – es gilt das gesprochene Wort

Ich bedanke mich für die Ehre hier und heute sprechen zu dürfen.
Demnächst werde ich 80 Jahre alt und da bewegen mich heute unser vor 25 Jahren wiedergeborenes Brandenburg und wie es aus meinem Erleben dazu kam. Ich bin ein Kriegskind und ein Flüchtling. Das Kinderlied, das wir im Mai 1945 sangen, war ein sehr alter Text, den alle in der Zeit als sehr ernst empfanden.

„Maikäfer flieg dein Vater ist im Krieg
deine Mutter ist in Pommerland
Pommerland ist abgebrannt
Maikäfer flieg.“ (mehr …)

Interview 25 Jahre Brandenburg

Manfred Stolpes Traumland

Am 22. Juli vor 25 Jahren beschloss die DDR-Volkskammer, auch im Osten Bundesländer zu gründen. Das war die Geburtsstunde des Landes Brandenburg. Ein Gespräch mit Manfred Stolpe, dem ersten Ministerpräsidenten, über seine persönliche Rolle beim Werden dieses Landes. (mehr …)

Der fromme Kurfürst Friedrich Wilhelms Religionspolitik

Als am 9. Mai 1688 am hellen Tage die Stadttore verriegelt und die Berliner durch ihre Meter hohe Mauer von der Außenwelt abgeschlossen wurden, ahnten viele, dass der Mann gestorben war, der schon zu Lebzeiten „der Große Kurfürst“ genannt wurde. Bei allen unterschiedlichen Wertungen, die sein Wirken erfahren hat, wird seine unerschütterliche Glaubensbindung und ihr unmittelbarer Einfluss auf sein Handeln in allen Bereichen seines Lebens allgemein anerkannt.

Reformierte Toleranz

Friedrich Wilhelms Toleranz wollte keine weltanschauliche Unverbindlichkeit. Er war selbst weltanschaulich fest gebunden. Eine tiefe Frömmigkeit, ein unverrückbares Gottvertrauen und eine feste evangelisch-reformierte Bekenntnisbindung bildeten den bestimmenden Grundzug seines Wesens. Seiner großen politischen Begabung und seinem außerordentlichen Gespür für Möglichkeiten der Machterweiterung setzte er selbst Grenzen, wenn seine Grundüberzeugung
tangiert war. Der Verzicht auf die Bewerbung um die polnische Königskrone, die ihm nachdrücklich angetragen wurde, macht diese innere Bindung deutlich: Die Verlockung war riesengroß. Ein Zusammengehen von Brandenburg und Polen hätte einen erstrangigen europäischen Machtfaktor schaffen können. Die Königskrone konnte die lebenslang erstrebte Unabhängigkeit bringen. Doch der Preis war der Übertritt zum Katholizismus. Andere europäische Herrscher hatten vor und nach ihm weniger Skrupel. Friedrich Wilhelm aber konnte und wollte seine Überzeugung, auch für großen Zugewinn, nicht verraten.

Der Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte in seiner reformierten Bekenntnisbindung eine unverrückbare Position, sie gab ihm aber auch die Freiheit, die Gewissensbindung anderer zu respektieren. In seinem politischen Testament mahnte er die Nachfolger, „die von Gott untergebenen Untertanen ohne Ansehung der Religion als ein rechter Landesvater zu lieben“.

Andere Glaubensrichtungen, die sonst in Europa allgemein verketzert und verfolgt wurden, konnten in Brandenburg mit Duldung rechnen. Die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Vorteile für das Land waren höchst willkommen, aber nur ein zusätzliches Motiv. Der Kurfürst praktizierte seine christliche Grundüberzeugung über Jahrzehnte und formulierte sie zum Ende seines Wirkens unter dem Einfluss des sächsischen Juristen Pufendorf in der  Grundsatzaussage, dass „der Mensch den Menschen zu tragen, zu dulden, ja dem ohne Schuld gebeugten zu helfen verpflichtet ist.“ So hat der Kurfürst Friedrich Wilhelm die Toleranz in Brandenburg zur Staatsdoktrin erhoben.

In der Religionspolitik Friedrich Wilhelms müssen wir zwei Aufgabenfelder unterscheiden: Die Sicherung des Kirchenfriedens zwischen Reformierten und Lutheranern sowie seine Toleranzpolitik gegenüber nichtevangelischen Auffassungen. Der Gegensatz zwischen Lutheranern und Reformierten kennzeichnete das religiöse Leben in Berlin und Brandenburg zur Zeit des Großen Kurfürsten. Den Streit der beiden evangelischen Konfessionen kannte Friedrich Wilhelm von klein auf. Großmutter Anna war lutherisch, Großmutter Louise Juliane war reformiert. Den Konfessionsstreit erlebte er schon früh in der Familie und schließlich als dramatischen Kirchenstreit vor allem in Berlin. Strenge Lutheraner hielten das reformierte Bekenntnis für Unglauben. Sie wurden von den konservativen Kräften in der Mark, aber auch in Pommern und Preußen, getragen. Für Friedrich Wilhelm war der Kirchenstreit eine innenpolitische Herausforderung, der er
administrativ begegnete. Er selbst sah die beiden Konfessionen nahe beieinander: Für seine Glaubensbindung war es keine Anfechtung, sich jahrelang um die Heirat mit der schwedischen Königin Christine zu bemühen, obwohl damit der Übertritt zum Lutherischen Bekenntnis verbunden gewesen wäre.

Aber dennoch ist eine Bevorzugung reformierter Geistlicher in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms nicht zu leugnen. Das Studium an der Wittenburger Universität, dem Hort der lutherischen Theologie, wurde 1662 vom Kurfürsten verboten. Immerhin versuchte er, das Gespräch zwischen den Konfessionen in Gang zu bringen. Das Berliner Religionsgespräch 1662/63 brachte zwar trotz der 17 Konferenzen keine entscheidende theologische Annäherung, es zeigte aber doch die Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens auf – die freilich noch bis zum Ende des Jahrhunderts auf sich warten lassen sollte. Friedrich Wilhelm konnte eine Religionseinigung der Reformierten und Lutheraner nicht erreichen. Seine Position zum Kirchenstreit beschrieb er im Toleranzedikt von 1664 in der Forderung, das Schmähen anderer Kirchen zu unterlassen und Streitfragen nur aufgrund der geltenden Bekenntnisse und nicht nach Behauptungen zu betreiben. Im Übrigen sollten die Prediger selbst ein beispielhaftes Leben führen und der Zerrüttung der gesellschaftlichen Eintracht wehren. Viele lutherische Theologen empfanden diesen Vorstoß des Kurfürsten als Zumutung, denn was von ihnen als wahr verkündet wurde, sollte nun im Namen der Toleranz eingeschränkt werden. Aber Friedrich Wilhelm beharrte auf dem Edikt: Jeder Geistliche sollte es unterschreiben. Wer dies unterließ, wurde entlassen. Der lutherische Theologe und bedeutende Kirchenlieddichter Paul Gerhardt verweigerte Anfang 1666 seine Unterschrift und verlor nach einigem Hin und Her im folgenden Jahr seine Anstellung. Gerhardt sollte Berlin für immer verlassen, um bis zu seinem Tod 1676 in Lübben tätig zu sein.

Auch gegenüber nichtevangelischen Überzeugungen öffnete sich der Kurfürst. Zur Gewährung der Religionsfreiheit gegenüber Katholiken war Brandenburg durch den Westfälischen Frieden und Abmachungen mit dem polnischen König verpflichtet. Daran hielt sich Friedrich Wilhelm. Doch er ging über seine Verpflichtungen hinaus und duldete auch Religionsgemeinschaften, denen nach dem Westfälischen Frieden das Recht öffentlicher oder privater Religionsausübung verwehrt war. Er duldete Mennoniten, Unitarier und Juden. Er gab ihnen Gleichberechtigung, Rechtssicherheit, duldete ihre private Religionsausübung und ihre nichtöffentlichen gemeinschaftlichen Gottesdienste. In einem Erlass von 1667 versprach der Kurfürst, sogar Araber und Ungläubige zuzulassen, und setzte damit ein Signal für Toleranz und Gewissensfreiheit – aber auch für wirtschaftlichen Pragmatismus. Mit der 1671 erfolgten Aufnahme von aus Österreich vertriebenen Juden setzte Friedrich Wilhelm ebenso wirtschaftliche Impulse wie mit der späteren Aufnahme der Hugenotten.

Religionsfreiheit und Toleranz bringen Wohlstand – das hatte der brandenburgische Kurfürst verstanden und machte es auch in seiner Außenpolitik deutlich. Er intervenierte bei Religionsverfolgungen zum Beispiel in Ungarn, Savoyen und Frankreich und verwies auf seine guten Erfahrungen bei der Duldung anderer Überzeugungen, dass die Gewährung der Religionsfreiheit die Wohlfahrt und die Sicherheit des Staates fördere und die „Liebe der Untertanen durch die Freiheit in Gewissenssachen am meisten gewonnen, vermehret und konservieret“ wird.

Der Landesvater in den Wirren der Zeit

Der Kurfürst war häufig in Kriege verwickelt, aber Kriege waren für ihn nur ein letztes Mittel. Doch die Zeiten waren unruhig. Die politische Lage in Europa war instabil. Ständige Machtkämpfe der Großmächte mit wechselnden Bündnissen bestimmten die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Immer neue Kriege waren die Folge, und der Brandenburger war mit seinem Streubesitz zwischen Maas und Memel regelmäßig davon betroffen. Aus der Ohnmacht unbewaffneter Neutralität im Dreißigjährigen Krieg, die seinem Lande die stärksten Zerstörungen gebracht hatte, zog er die Konsequenz, ein ständiges Heer aufzubauen. Im wechselnden Interessenspiel der Mächte versuchte er, die jeweils richtigen Bündnisse zu schließen, um entweder den Krieg zu vermeiden – und dafür gibt es gute Beispiele in seinem Wirken – oder wenigstens im Krieg den Besitz und die Anwartschaft zu sichern. Manche Zeitgenossen und Historiker warfen ihm zu Unrecht ein „Wechselfieber“ in seiner Bündnispolitik vor. Friedrich Wilhelm muss dagegen bescheinigt werden, dass er vor allem die Interessen seines Staates im Auge hatte, diesen möglichst aus Kämpfen heraushielt und, wo es unvermeidbar war, dann im Wechselreigen der Bündnispartner schneller reagierte als andere. Er konnte im Laufe seiner Regierungsjahre sein Land von der Ohnmacht zur relativen Sicherheit führen und schließlich ein Stabilisierungsfaktor der europäischen Politik werden.

Das Wohl des Landes und seiner Bewohner war Friedrich Wilhelms erstes politisches Anliegen. Die Ausgangslage nach dem großen Dreißigjährigen Krieg war katastrophal. Die Menschenverluste und Zerstörungen waren schlimmer als nach dem Zweiten Weltkrieg. Außerdem bestand der Besitz aus völlig unterschiedlichen Landesteilen: Aus Erbschaften und Kriegsfolgen waren nun neben der Mark Brandenburg noch das polnische Lehen Preußen, rheinisch-westfälische Gebiete, das frühere Bistum Magdeburg und Hinterpommern zusammengekommen.

Alle hatten zwar den einen Landesherrn, dem sie mehr oder minder willig gehuldigt hatten, jedoch untereinander betrachteten sie sich als Ausland und waren in den Anfangsjahren freiwillig nicht zur gegenseitigen Unterstützung bereit. Der Kurfürst sah seine Aufgabe darin, dieses Erbe lebensfähig zu machen und zusammenzuführen. Vier wichtige Jahre (1634 bis 1638) hatte Friedrich Wilhelm als Prinz in den Niederlanden verlebt und dort Weltoffenheit, Staats- und Heeresorganisation sowie eine florierende Wirtschaft kennengelernt. Wie armselig dagegen sein Herrschaftsgebiet! Das Kernland Kurbrandenburg hatte nur Sand und Sümpfe, zerstörte Städte und viele wüste Dörfer. Pommernland war abgebrannt. Die übrigen Landesteile waren zwar im Großen Krieg besser weggekommen, fügten sich aber nur widerwillig in ihr Schicksal, unter dem roten Adler zu leben. Mit ungeheurer Tatkraft, im Hauptziel unerschütterlich, in der Durchführung mit großer Flexibilität, ging der Kurfürst daran, aus diesem „halbverlorenen Land“ einen Staat zu schaffen.

Menschen gewann Friedrich Wilhelm vor allem durch seine Toleranzpolitik. Er trat für die Glaubensverfolgten in fremden Ländern ein und nahm sie auf, wenn die Verfolgungen nicht nachließen. Auch vor der Aufnahme der Hugenotten hatte er mehrmals beim französischen König für Toleranz geworben. Mit dem Edikt von Potsdam 1685 lud er sie dann formell ein, seine Landeskinder zu werden. 15 000 französische Protestanten folgten diesem Ruf und verschafften vor allem der Berliner Wirtschaft neue Impulse. Gezielte Anwerbungen wurden in Holland und der Schweiz vorgenommen. Alle ausländischen Neusiedler wurden gefördert.

Menschen gewann der Kurfürst auch durch eine bemerkenswert offensive Informationspolitik, die er ganz gezielt mit den damals neuen Medien, mit Flugblättern und Zeitungen, auch über die Landesgrenzen hinweg einsetzte. Er kannte die Bedeutung der Meinungsbildung und verstand es sehr geschickt, die Gefühle der Menschen anzusprechen. Das trug erheblich zu seinem europäischen Ansehen, aber auch zum Zusammenhalt seiner Landeskinder bei. Auch wenn der brandenburgische Kurfürst selbst gelegentlich versucht war, in die Rechtspflege einzuwirken, so hat er doch insgesamt auf unparteiische Richter geachtet. Unter dem Einfluss des berühmten Philosophen und Rechtsgelehrten Samuel von Pufendorf (1632–1694) sprach er sich für die Rechte jedes Menschen – ob Christ oder Heide – aus und war so mit der Anerkennung allgemeiner Menschenrechte der Zeit weit voraus. Allerdings sah er die Rechte des Menschen immer auch mit seinen Pflichten an der Allgemeinheit verbunden. Friedrich Wilhelm wird vorgeworfen, dass er die Bauern dem Adel ausgeliefert habe, um diesen für den Verlust der politischen Macht abzufinden. Dabei sollte jedoch nicht übersehen werden, dass der in diesem Zusammenhang bedeutsame Landtagsabschied von 1653 auch die bestehenden Rechte festschrieb. Der Kurfürst konnte und wollte die Erbuntertänigkeit der Bauern nicht beseitigen. Sie blieben an ihren Wohnsitz gebunden und mussten weiter Frondienste leisten. Doch sie konnten ihre Rechte vor Gericht geltend machen.

Nicht zuletzt hatte Kurfürst Friedrich Wilhelm die Gabe, gute Mitarbeiter zu gewinnen und Aufgaben zu delegieren. Er wollte keine Ja-Sager, sondern Menschen, deren Talente er neidlos anerkannte. Insgesamt gelang es Friedrich Wilhelm, den Bewohnern seiner unterschiedlichen und verstreuten Landesteile ein gemeinsames Bewusstsein der Zugehörigkeit zu ihrem Staat, den man später Preußen nannte, zu vermitteln. Das Ziel seiner gelungenen Reformpolitik hieß Wirtschaftsbelebung und Wohlstand. Der Weg war oft verschlungen und der Erfolg immer wieder von Kriegen gefährdet. Letztlich waren es die veränderte Finanzverwaltung, eine geschickte Domänenwirtschaft und ein neues Steuersystem, die auf Dauer Stabilität im Inneren schufen und den Menschen zugutekamen.

Wichtigen Anteil an der wirtschaftlichen Stabilisierung hatte die Währungspolitik, die der Kurfürst im Verbund mit dem wohlhabenden Sachsen durchführte. Bedeutende Fortschritte erlebte die Infrastruktur durch Kanalbauten, den Ausbau von Verkehrsverbindungen sowie die Errichtung der damals schnellsten Post in Deutschland. Entscheidende Verbesserungen der medizinischen Versorgung und des Feuerschutzes trugen zum Wohl der Bevölkerung bei.

Eine disziplinierte Staatsverwaltung und eine effektive Polizei führten ebenfalls zum Erstarken Brandenburgs. Dieser Landesvater hat in den fast 50 Jahren seiner Herrschaft das Beste für das ihm anvertraute Land gesucht.

Dieser Aufsatz beruht auf einer Rede, die Dr. Manfred Stolpe zum 300. Todestag des Großen Kurfürsten am 9. Mai 1988 im Berliner Dom gehalten hat.

Veröffentlicht in der Zeitschrift „Berliner Geschichte“

Rede zum Thema „Politik und das Ringen um Frieden in Europa“

„Frieden im Land“ – Veranstaltung der Städte Guben und Gubin am 8. Mai 2015

Der 8. Mai ist ein gut gewählter Tag für Ihre Veranstaltung „Frieden im Land“.  Deshalb bin ich gern Ihrer Einladung gefolgt, heute zu Ihnen zu sprechen. (mehr …)

Der andere Bischof – Beitrag zum Erinnerungsbuch an Bischof Dr. Gottfried Forck

In meinen 30 Jahren im kirchlichen Dienst habe ich hautnah viele Bischöfe kennengelernt. Das waren sehr unterschiedliche Menschen. Ich erlebte starke Führungspersönlichkeiten, furchtlose Kämpfer, selbstbewusste Patriarchen, geschickte Diplomaten, einfühlsame Seelsorger und mitreißende Propheten. Allen gemein war, dass sie sich der besonderen Würde des Bischofsamtes bewusst waren und das auch deutlich machten. (mehr …)

Eröffnung der Potsdamer Geschichtsbörse

Herzlichen Dank für die Einladung zu Ihrer Geschichtsbörse, Herr Dr. Winkler. Wie Sie wissen, komme ich immer gerne in Ihr Haus, dessen Arbeit ich sehr schätze.

Ich schätze Ihre Arbeit und auch die Arbeit der Landesgeschichtlichen Vereinigung deshalb, weil sie Antworten geben auf die Frage, wer wir sind, was wir waren und woher wir kommen. Oder anders gesagt: warum die alte märkische Geschichte für unser Land Brandenburg so wichtig ist. (mehr …)

Grußwort zum Neujahrsempfang der Stadt Zossen, der Evangelischen Kirchengemeinde und des Heimatvereins „Alter Krug“ (Auszüge)

Ich bin auch gekommen, weil mir als Zeitzeuge sehr daran liegt, die Bedeutung von Zossen-Wünsdorf bei der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung zu erinnern.

Vor 25 Jahren hat das Volk der DDR sein Selbstbestimmungsrecht wahrgenommen, dadurch die deutsche Einheit ermöglicht und die Rückgabe der Souveränität an Deutschland durch die Siegermächte bewirkt.

1989 brach sich die Unzufriedenheit der DDR-Bevölkerung Bahn. Die Forderungen nach Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, Mitbestimmung, eine unabhängige Gerichtsbarkeit und eine effektive Wirtschaft wurden unüberhörbar. Von September bis Dezember 1989 gingen von Rostock bis Plauen, von Halberstadt bis Zittau jeden Montag Hunderttausende mit der Forderung nach einer besseren DDR auf die Straße. Und auch in der Zossener Dreifaltigkeitskirche sammelten sich viele Menschen zum Protest. (mehr …)

Biografie

Manfred Stolpe im Brandenburgischen Landtag

Manfred Stolpe wurde am 16. Mai 1936 in Stettin geboren. Nach dem Jura-Studium in Jena war er von 1959 bis 1969 bei der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg tätig, wo er seit 1962 Leiter der Geschäftsstelle der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR war.

Von 1969 bis 1981 leitete er das Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, von 1982 bis 1990 war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg tätig und war stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR.
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Engagement
Engagement
  • Mitglied des Vorstands Petersburger Dialog e.V.
  • Garnisonkirche PotsdamMitglied des Kuratoriums der Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam
  • Landesdenkmalbeirat Brandenburg
  • Evangelisch-kirchlicher HilfsvereinMitglied im Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein

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