Preußen und Sachsen – Erste Brandenburgische Landesausstellung

· 24. September 2012   - 

In Doberlug findet eine Weltpremiere statt! Denn noch nie und nirgendwo wurde in einer Ausstellung die sächsisch-brandenburgisch/preußische Nachbarschaft mit ihrer wechselvollen Geschichte dargestellt. Das verdient hohe Anerkennung, vor allem, weil es der Lausitz, die von manchen Menschen als verlorene Region angesehen oder sogar vergessen wird, die verdiente Aufmerksamkeit schenkt. Denn der Nordosten Sachsens und der Südosten Brandenburgs liegen von ihren jeweiligen Landeszentren weit ab, sind auch sozial ökonomisch benachteiligt und liegen mit ihrem besonderen kulturhistorischen Erbe noch nicht im Mittelpunkt des Interesses. Selbst das Glück, dass in der sächsischen und brandenburgischen Lausitz mit den Sorben/Wenden eine wertvolle Minderheit lebt, ist noch zu wenig geschätzt und genutzt.
Die Lausitz hat eine wechselvolle Geschichte. Sie gehörte lange Zeit zu Böhmen und erhielt von dort starke kulturelle Impulse. Teile der Lausitz gehörten kurzzeitig zu Brandenburg, bis seit dem 17. Jahrhundert die Lausitz, ausgenommen Cottbus, zu Sachsen fiel und maßgeblich von dort geprägt wurde. Sachsen organisierte die Markgrafschaften Oberlausitz und Niederlausitz, förderte die wirtschaftliche Entwicklung und begünstigte seine Kultur. Im reichen und hoch entwickelten Sachsen fühlten sich die Lausitzer zuhause, zumal ihnen und ihren Ständen, vor allem den starken Adelsgeschlechtern eine gewisse Eigenständigkeit zugebilligt wurde.

Im großen Kurfürstentum und späteren Königreich Sachsen hatte die Lausitz einen guten Platz. Zahlreiche kunst- und kulturgeschichtlich wertvolle Objekte zeugen von dieser Zeit auch im sonst mehr kargen Brandenburg. Neben dem kurfürstlich-sächsischen Schloß Doberlug sind hier z. B. Branitz, Altdöbern, Lübben, Lübbenau, Martinskirchen, Spremberg und Wiesenburg zu nennen. Auch eindrucksvolle und einmalige Stadtkerne wie z. B. Luckau, Finsterwalde, Jüterbog oder Belzig bezeugen unser sächsisches Erbe in Brandenburg.
Ein Erbe, das vor 200 Jahren als Kriegsbeute an Preußen fiel, weil der König von Sachsen als treuer Verbündeter Napoleons auf dem Wiener Kongreß fast zwei Drittel seines Territoriums verlor. Dabei wurde die sächsische Lausitz geteilt. Ein Teil der Oberlausitz fiel an die preußische Provinz Schlesien und die Niederlausitz an die preußische Provinz Brandenburg.
Das war eine Schmach für Sachsen, die bis heute nicht voll verwunden ist und Abneigung gegen Preußen verursachte. 1815 haben die Mußpreußen aus der Lausitz ihren Wechsel ins Brandenburgische weiterhin als Unglück empfunden.

Die Stände leisteten passiven Widerstand. Die preußische Verwaltungsstruktur, Gesetzgebung und Umgangsart veränderten die Lebenswirklichkeit der Bevölkerung in der Lausitz. König Friedrich Wilhelm III. bemühte sich sehr um eine verständnisvolle Integrationspolitik. Nach mehreren Reisen und Gesprächen hielt er seine Verwaltung an, sensibel mit den neuen Landeskindern umzugehen und die ehemaligen Kriegsgegner nicht als Besiegte, sondern als willkommene gleichberechtigte Preußen anzunehmen. In der Provinz Brandenburg wuchs Gemeinsamkeit. Vielfältige kulturelle, wirtschaftliche und zwischenmenschliche Beziehungen entstanden. Mit der vom preußischen Staat forcierten Industrialisierung wuchs die Bedeutung der Lausitz in Brandenburg-Preußen als auch der Wohlstand für die Bewohner. Die niederdeutsche Sprachverwandtschaft der Niederlausitzer und Brandenburger mag das Zusammenwachsen begünstigt haben.

Die Niederlausitz wurde und bleibt eine besonders wertvolle Region in Brandenburg. Trotz schwerer wirtschaftlicher Einbußen und dem dramatischen Verlust von Arbeitsplätzen nach 1990 ist sie mit ihrer Wertschöpfung, ihren kulturellen Leistungen, ihren Wissenschaftsstandorten, ihren Sportergebnissen vorbildlich. Und die Lausitzer sind immer ein bisschen cleverer, schneller, eben ein bisschen Sachsen, auch wenn sie nicht so sprechen.

Im Schloß Doberlug, der sächsischen Perle Brandenburgs, wird in einer qualifizierten und hochinteressanten Ausstellung die Nähe der Lausitz zu Sachsen, die Unterschiede sowie die vielen Gemeinsamkeiten präsentiert. Partnerausstellungen in Bad Liebenwerda, Cottbus-Branitz, Lauchhammer, Luckau, Lübben, Senftenberg und Zinna sowie in Bautzen, Görlitz, Krobnitz und Zittau bereichern das Informationsangebot. Das wird neugierig auf die ganze Lausitz, die sächsische und die brandenburgische, machen. Uns in Brandenburg und Sachsen kann es helfen, gemeinsame Möglichkeiten zu entwickeln, um einer der schönsten Regionen Deutschlands den gebührenden Stellenwert zu verschaffen.

In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung viel Erfolg und den Besucherinnen und Besuchern interessante und anregende Eindrücke.
Die Lausitz in Brandenburg und Sachsen freut sich über neue Freunde!

Stichworte: , , , ,