Pro Garnisonkirche

· 12. April 2013   - 

Die Garnisonkirche Potsdam kann ich nicht vergessen. Ich habe sie 1959 als Heilig-Kreuz-Kirche kennengelernt. So war sie nach dem von den Nazis und dem deutschen Militär begonnenen und verlorenen Raubkrieg neu benannt worden. Die Menschen, die im Turm Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Gemeinde- und Jugendarbeit durchführten, haben mich tief beeindruckt. Sie liebten ihre bombenbeschädigte Kirche.

Mit der Stadt bestand Einigkeit über die Sicherung und den Innenausbau des Turms auch um einen späteren Wiederaufbau zu ermöglichen. Doch immer wieder gab es Gerüchte, dass dieser Turm als Zeuge preußisch-deutscher Vergangenheit verschwinden solle. Eine breite Bürgerbewegung setzte sich für den Erhalt des Turmes der Garnisonkirche ein. Das war im Jahr 1968. Dem Jahr des Prager Frühlings, als Bürgerproteste die Tschechoslowakische Parteidiktatur ins wanken brachte. Hoffnung auf Veränderung des starren Systems, auch der SED-Diktatur, brach auf.

Der Generalsekretär der SED Walter Ulbricht sah die Gefahr, dass Prager Ideen auf die DDR übergreifen würden. Protestbewegungen wandten sich gegen den Abriss der Universitätskirche Leipzig und der Garnison/Heilig-Kreuzkirche Potsdam. Ulbricht glaubte, wer nachgibt ermuntert zu weiteren Protesten, gefährdet letztlich die SED-Herrschaft in der DDR. Das machtpolitische Kalkül „den Anfängen von Protestbewegungen wehren“ gab den Ausschlag. Der Turm der Garnison/Heilig-Kreuzkirche wurde aus politisch-ideologischen Gründen gesprengt.

Ich habe mich gefreut, als vor einigen Jahren eine Bürgerbewegung für den Wiederaufbau der Kirche entstand. Ich freue mich aber ganz besonders darüber, dass mit der Anerkennung des Wiederaufbaus durch die internationale Nagel-Kreuzgemeinde die Verpflichtung gegen das Vergessen der Nazikriegsverbrechen und für Versöhnung zwischen den Völkern festgeschrieben ist. Wir wollen diesen Turm als Ort des christlichen Glaubens und als  Zeichen für eine Gesellschaft, die in Toleranz und Frieden zusammen lebt. Das ist  harte Gegenwartsaufgabe. Aufkommender Intoleranz, Gewalt, Rassismus und Antisemitismus muss entschlossen begegnet werden. Wir brauchen kein Gezänk über Geschichtsdeutungen. Wir brauchen das friedliche Zusammenleben und Zusammenarbeiten von Christen, Juden, Muslimen, Atheisten zum Wohl der Gesellschaft. Dafür kann die Kapelle im Turm der Kirche ein Raum des nötigen Dialogs sein.

 

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