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Manfred Stolpe (SPD), Ministerpräsident a.D., warnt im PNN-Interview Potsdams Stadtspitze davor, das Mercure-Hochhaus „vorschnell“ abzureißen. Und empfiehlt dem Betreiber des Hotels, Schadensersatzklage gegen die Landeshauptstadt einzureichen. Weiterlesen

Manfred Stolpe, Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident, über Versäumnisse im Garnisonkirchen-Konflikt, Potsdamer Verhältnisse und seinen Lieblingsort in der Stadt

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Im Streitgespräch mit dem Wiederaufbau-Gegner Lutz Boede schlägt Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe eine Namensänderung für die Potsdamer Garnisonkirche vor, deren Wiederaufbau umstritten ist. Auch die Verwendung von Steuermitteln kommt zwischen den beiden Kontrahenten zur Sprache.

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Frau PD Dr. Anke Silomon hat anhand zahlreicher Akten, Verfügungen kirchlicher und staatlicher Stellen, Berichte, Briefe und anderer Unterlagen eine sorgfältige und detaillierte Beschreibung zum kirchlichen Leben an der Garnisonkirche Potsdam zwischen 1914 und 1945 vorgelegt.

Sie hat damit eine wertvolle zeitgeschichtliche Forschung erstellt, die Abläufe und Ereignisse der kirchlichen Arbeit der Garnisonkirche beschreibt und in den Rahmen der damaligen Zeit stellt. Die Dokumentation ist eine Fundgrube zur Analyse und zum Verständnis konkreter historischer Ereignisse. Einmal mehr wird deutlich, welche überragende nationale Bedeutung die Potsdamer Garnisonkirche hatte.

Aus der Fülle der aufgearbeiteten Fakten will ich beispielhaft hervorheben: Die Entscheidung zur Umbenennung der „Königlichen Hof- und Garnisonkirche“ in „Garnisonkirche“ 1928 und die Verhinderung der Rückbenennung 1933.

Das durchgängige Bemühen des Gemeindekirchenrates der Garnisonkirchen-Zivilgemeinde rein politische Nutzungen der Kirche zu verhindern, wie z. B. Fahnenweihen und Feiern der Hitlerjugend, Auseinandersetzungen um das Tragen des NSDAP-Parteiabzeichens und des Hitlergrußes bei kirchlichen Veranstaltungen.

Die Auseinandersetzungen des Kirchenkampfs zwischen „Deutschen Christen“ und „Bekennender Kirche“ insbesondere zwischen dem DC-Superintendenten von Potsdam
und dem BK-nahen Pfarrer der Garnisonkirche.

Die Beschreibung der Umstände und Abläufe des „Tages von Potsdam“ am 21. März 1933.

Der starke Anstieg der Besucherzahlen nach dem „Tag von Potsdam“ und Eintrittspreise zugunsten des „Gruftfonds“ als willkommene und umkämpfte Einnahmequelle.

Die Anforderungsflug zu Abstammungsnachweisen (Arieranträge) und deren vorrangige Bearbeitung aber auch der ätzende Spott eines Schweizer Pfarrers über das „Riesenirrenhaus Deutschland“.

Die Trennung von Staat und Kirche 1919 und deren Umsetzung sowie der kirchlichen Bemühungen um Einnahmen und Religionsunterricht in den Schulen sowie Vorbehalte der Gemeinde gegenüber der neuen Reichsregierung.

Der Streit mit der Stadt Potsdam um das Glockengeläut 1920.

Die Auseinandersetzung mit der Nikolaigemeinde um die „Abtretung von Seelen“ mit der Übernahme von Straßenzügen durch die zivile Garnisonkirchengemeinde.

Nach Kriegsbeginn 1939 die Aufforderung an die Militärseelsorger, für ein menschenwürdiges Verhalten gegenüber den Feinden einzutreten und Misshandlungen von
Polen und Juden zu bekämpfen.

Die Situation in Deutschland, die zum Attentat auf Hitler 1944 führte und seine Folgen für Mitglieder der Garnison-Kirchengemeinde.

Bewegend zum Abschluss der Dokumentation der Bericht über den Brand der Kirche und des Turms nach dem Bombenangriff am 14. April 1945.

Sehr geehrte Frau Giersberg,

liebe Familie Giersberg,

der Tod des von mir sehr verehrten und bewunderten Hans-Joachim Giersberg macht mich sehr betroffen und ich spreche Ihnen mein aufrichtiges Beileid aus.

Niemand sonst hat die Entwicklung der Region Potsdam in den letzten Jahrzehnten so stark beeinflusst wie Hans-Joachim Giersberg. Noch in DDR-Zeiten hat er Kultur bewahrt und mutig unser Erbe für Gegenwart und Zukunft erschlossen, wie zum Beispiel 1986 mit seiner Friedrich-Ausstellung. Er hat Schlösser und Gärten geschützt und sie immer in Verbindung mit der Stadt gesehen, deren Grundstruktur er bewahren half.

Ab 1990 brachten Markt und Medien neue Herausforderungen, denen er tapfer und zumeist erfolgreich begegnete. Bis in die letzten Tage wirkte Giersberg als kulturpolitisches Gewissen.

Ich bin sicher, dass seine Orientierung weiter wirkt. Sie können sehr stolz auf ihn sein!

In Dankbarkeit für Ihre Unterstützung!

Ihr Manfred Stolpe

Potsdam  – Manfred Stolpe muss nicht vor die Haustür gehen, um Menschen zu treffen. Weiterlesen

Ansprache am 2. Oktober 2013 anlässlich des Eintrages in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Potsdam und zum Tag der Deutschen Einheit 2013

Danke!

Ich bin gerührt und verunsichert. Matthias Platzeck war wieder hervorragend und ich hoffe, dass er noch viele Jahre für Potsdam und Brandenburg wirkt. An welcher Stelle auch immer.

Diese Potsdamer Ehrung freut mich – und vielleicht habe ich sie verdient. Potsdam liebe ich sehr – wie wir Zugereisten das oft heftiger tun als die Hiergeborenen.
Ja – ich habe mich – oft unauffällig für diese Stadt eingesetzt.

In der Zeit der Teilung kamen Richard von Weizsäcker und ich zu der Überzeugung, dass der Turm der Sacrower Kirche im Niemandsland als Mahnmal erhalten bleiben muss. Er besorgte das Geld und ich die Genehmigung.

Das jährliche Adventssingen in dieser Kirche habe ich gern für Begegnungen von Ost- und West-Politikern genutzt. Zuletzt im Dezember 1989, als Hans Modrow und Richard von Weizsäcker sagten, die Wiedervereinigung kommt. Und die Akten stimmen, die beschreiben, dass ich bei der DDR-Spitze für die Städtepartnerschaft Potsdam – Bonn geworben habe. Denn die sahen darin eine Missachtung der Hauptstadt der DDR Berlin. Ich gestehe, dass ich Bonn klein und hässlich geredet habe.
Heute freue ich mich, dass diese Städtepartnerschaft unsere Einheit vorweg genommen hat und weiter aktiv ist.

Und während der friedlichen Revolution habe ich die Staatsmacht dringend gebeten, die Protestanführer Martin Kwaschik, Stefan Flade, Detlef Kaminski und Matthias Platzeck nicht zu verhaften.

Aber ich habe auch Niederlagen erlebt. So ist es mir nicht gelungen, Potsdam davon zu überzeugen, die Ufergrundstücke am Griebnitzsee zu kaufen oder die Chance mit mir als Bundesminister für Verkehr zu nutzen, einen dritten Havelübergang zu bauen. Peinlich ist mir eine dritte Potsdamer Niederlage, als ich der Stadt ein Kohlekraftwerk empfahl. Das hat Horst Gramlich zum Glück verhindert. In der Tat, mit Potsdam hatte ich zu tun und vielleicht kann ich auch künftig diskret nützlich sein.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Heute soll ich hier eine Festansprache zum Tag der Deutschen Einheit halten. Doch wir sind zu einem Festkonzert zusammengekommen. Und deshalb sollte die Rede kurz sein. Und ich will nur einige Bemerkungen zur deutschen Einheit und zu Potsdam machen.

Haben Sie schon einmal mit 20jährigen, 14jährigen, 9jährigen über die Wiedervereinigung gesprochen? Ich tue es gern und komme mir doch immer wie ein Märchenonkel vor. Die Umstände und Wirkungsfaktoren der Wiedervereinigung waren vielschichtig. Sie exakt und differenziert zu erklären, überfordert die meisten Zuhörer. Da ist die Beschreibung „Es war ein Wunder“ einfacher und nicht falsch. Aber auch ein Wunder braucht Wirkungsfaktoren und Potsdam ist daran beteiligt.

Unsere Militärhistoriker haben herausgefunden, dass das Kommando der Landstreitkräfte der DDR hier in Eiche festgelegt hatte, nicht gegen friedliche gewaltlose Proteste vorzugehen. Wichtige Sprecher des gewaltfreien Protestes kamen aus Potsdam. Als das Volk sein Selbstbestimmungsrecht wahrnahm und die Mauer stürmte, befürchteten die Vormächte USA und Sowjetunion einen Bürgerkrieg, der ihre Annäherungspolitik zunichte gemacht hätte. Hier im Untergeschoß dieser Kirche fragte uns der amerikanische Außenminister Baker um Rat. Wir konnten sagen, nur schnelle freie Wahlen helfen. Und den Sowjets sagten wir das auch.

Das Wunder der Einheit geschah im Rahmen der Annäherung der USA und der Sowjetunion mit dem unerwarteten Verzicht Gorbatschows der Sowjetunion auf ihre Vormachtstellung in Mitteleuropa. Es geschah während der Protestbewegungen in Mittelosteuropa und wurde durch die Besonnenheit der DDR-Militärführung sowie die Gewaltfreiheit der Proteste ermöglicht.

Es hätte auch ganz anders kommen können! Heute, am Geburtstag Mahatma Gandhis erinnere ich, dass er das Vorbild gewaltfreier Proteste war. Meine Angst vor einer
Wiederholung des Juni 1953 war begründet. Einige Spitzenfunktionäre der DDR-Führung wollten den Protest erdrücken und sahen in der Niederschlagung der Pekinger Proteste im Frühling 1989 die richtige Methode. Potsdamer SED-Funktionäre setzten im Oktober 1989 die Ablösung dieser Leute durch.

Anrede
Wir haben alle großes Glück gehabt und Potsdam ist seit dem vom Aschenputtel zur Prinzessin geworden. Potsdam ist die Gewinnerin der deutschen Einheit. Jetzt gleichgestellt mit Versailles. Potsdam wächst ungebremst und wird immer attraktiver und immer vielfältiger. Aber auch mit vielen profilierten Meinungen, die oft unnachgiebig auf ihren Positionen beharren. Und manchmal wächst aus Unkenntnis über die Gründe anderer Meinungen Unverständnis und Intoleranz.

Aus Stadtentwicklungsfragen werden Glaubensfragen, die auch von den unterschiedlichen Ost-West-Biografien geprägt sind. Dabei könnte hier in Potsdam geübt werden – offen, geduldig, verständnisvoll – ohne östliche Abwehrhaltung und westliche Belehrungen miteinander auf Augenhöhe zu reden. Dabei könnte die Einzigartigkeit und die Andersartigkeit der Lebenswege und Bedingungen im geteilten Deutschland verstanden und respektiert werden.

Es gab nicht den nur Goldenen Westen und nicht nur ein Groß-Gefängnis DDR. Das gelebte Leben der Einzelnen ist selten nur schwarz-weiß. Es lohnt darüber zu reden und einander zuzuhören. Friedrich Schorlemmer hat gesagt „Die Mauer ist wohl aus den Augen, aber nicht aus den Seelen. Wir brauchen ein großes Palaver über unsere unterschiedlichen Herkünfte, Geschichten, Prägungen, Träume, Verletzungen, Normen, Lebensweisen, Glücksvorstellungen“. In Potsdam kann das gelingen. Hier sind auf allen Seiten kluge, gesprächsfähige Menschen.

Und für die Gespräche gibt es konkrete Anlässe, etwa:

– für oder gegen das Hotel Mercure,
– für oder gegen das Versöhnungszentrum Garnison-Kirchturm,
– für oder gegen die Wiederherstellung des Stadtkanals.

Bei allem war ich dabei und gern würde ich mich an einem echten Dialog beteiligen, aber ungern an allwissenden Monologen, da ist mein Bedarf gedeckt. Potsdam wurde 1685 durch den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zum Vorort der Toleranz in Europa. Es wäre wunderbar, wenn wir diesem stolzen Erbe gerecht würden.

Anrede
Bitte erlauben Sie mir noch einige Hoffnungen und Wünsche an mein Potsdam zu nennen.
Bitte nicht vergessen, dass Potsdam Landeshauptstadt eines großen Flächenlandes mit sehr unterschiedlichen Entwicklungen ist. Potsdam wächst stark und ist die jüngste Großstadt Deutschlands. Aber in Zweidritteln des Landes schwächelt die Wirtschaft, wandert die Jugend ab.

Doch die meisten Brandenburger sind stolz auf ihre Hauptstadt. Potsdam ist die beste Visitenkarte Brandenburgs und selbst ein Parkeintritt würde das nicht ändern.
Potsdam ist Hoffnungsträgerin für das ganze Land Brandenburg. Aber alle sehen genau, was hier geschieht.

Erschrecken Sie unsere Brandenburger bitte nicht durch abgehobene und manchmal kleinkarierte Debatten. Der Erfolg Potsdams durch die deutsche Einheit ist auch Verpflichtung: Zum Beispiel Gartz und Ortrand, Meyenburg und Mühlberg, die 100 Städte und 3000 Dörfer des Landes nicht zu vergessen. Fahren Sie dort mal hin: Die freuen sich! Denn auch diese schönen alten Städte und Dörfer hat Potsdam als Landeshauptstadt durch die deutsche Einheit gewonnen.

Anrede
Die deutsche Einheit ist ein Glücksfall – aber auch eine ständige Aufgabe.

Gott segne unsere Stadt.

Die Garnisonkirche Potsdam kann ich nicht vergessen. Ich habe sie 1959 als Heilig-Kreuz-Kirche kennengelernt. So war sie nach dem von den Nazis und dem deutschen Militär begonnenen und verlorenen Raubkrieg neu benannt worden. Die Menschen, die im Turm Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Gemeinde- und Jugendarbeit durchführten, haben mich tief beeindruckt. Sie liebten ihre bombenbeschädigte Kirche.

Mit der Stadt bestand Einigkeit über die Sicherung und den Innenausbau des Turms auch um einen späteren Wiederaufbau zu ermöglichen. Doch immer wieder gab es Gerüchte, dass dieser Turm als Zeuge preußisch-deutscher Vergangenheit verschwinden solle. Eine breite Bürgerbewegung setzte sich für den Erhalt des Turmes der Garnisonkirche ein. Das war im Jahr 1968. Dem Jahr des Prager Frühlings, als Bürgerproteste die Tschechoslowakische Parteidiktatur ins wanken brachte. Hoffnung auf Veränderung des starren Systems, auch der SED-Diktatur, brach auf.

Der Generalsekretär der SED Walter Ulbricht sah die Gefahr, dass Prager Ideen auf die DDR übergreifen würden. Protestbewegungen wandten sich gegen den Abriss der Universitätskirche Leipzig und der Garnison/Heilig-Kreuzkirche Potsdam. Ulbricht glaubte, wer nachgibt ermuntert zu weiteren Protesten, gefährdet letztlich die SED-Herrschaft in der DDR. Das machtpolitische Kalkül „den Anfängen von Protestbewegungen wehren“ gab den Ausschlag. Der Turm der Garnison/Heilig-Kreuzkirche wurde aus politisch-ideologischen Gründen gesprengt.

Ich habe mich gefreut, als vor einigen Jahren eine Bürgerbewegung für den Wiederaufbau der Kirche entstand. Ich freue mich aber ganz besonders darüber, dass mit der Anerkennung des Wiederaufbaus durch die internationale Nagel-Kreuzgemeinde die Verpflichtung gegen das Vergessen der Nazikriegsverbrechen und für Versöhnung zwischen den Völkern festgeschrieben ist. Wir wollen diesen Turm als Ort des christlichen Glaubens und als  Zeichen für eine Gesellschaft, die in Toleranz und Frieden zusammen lebt. Das ist  harte Gegenwartsaufgabe. Aufkommender Intoleranz, Gewalt, Rassismus und Antisemitismus muss entschlossen begegnet werden. Wir brauchen kein Gezänk über Geschichtsdeutungen. Wir brauchen das friedliche Zusammenleben und Zusammenarbeiten von Christen, Juden, Muslimen, Atheisten zum Wohl der Gesellschaft. Dafür kann die Kapelle im Turm der Kirche ein Raum des nötigen Dialogs sein.

 

Stiftung Großes Waisenhaus. Potsdam – 12. September 2012

(Es gilt das gesprochene Wort)

Herr Staatssekretär,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

herzlichen Dank, dass dieses Haus wieder für eine ganz besondere Ausstellung zur Verfügung steht!

Ich freue mich, dass die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg die Kunst in ihren Arbeitsauftrag mit einbezieht! Und das ist richtig so!

Denn in dieser Metropolenregion Berlin-Brandenburg gibt es viele technische Faktoren der Zusammengehörigkeit, natürlich die Verkehrs-, Entwicklungs- und Siedlungsplanung – vom Flughafen will ich gar nicht reden, der kommt gewiss. Alle Großprojekte haben Planungsschwierigkeiten, dauern länger und werden teurer. Ich weiß wovon ich rede: Meine LKW-Maut hatte 18 Monate Verspätung, aber heute ist sie weltspitze!

Aber Technik alleine bringt die Region Berlin-Brandenburg nicht zusammen. Die Seele muss gesucht werden! Das können nur Künstler. Bei Musik und Text kann es auch daneben gehen, die Malerei kann am besten helfen, die Seelen übereinstimmend zum Klingen zu bringen. Der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg ist es gelungen, drei interessante, unterschiedliche Maler zusammenzubringen: Hanne Pluns, Roland Korn und Hartmut Meyer, alle drei leben in Brandenburg und sind doch auch Berliner!

Roland Korn, im thüringischen Saaletal geboren, hat das Zentrum Berlins gestaltet. Schauen Sie auf „Stadtzentrum mit Fernsehturm und Kreuz“! Sein bekanntester Bau ist das Staatsratsgebäude. Ich habe das Haus bei Erich Honecker und Gerhard Schröder kennen und schätzen gelernt. Ich freue mich, dass dieses Gebäude nicht dem „Bildersturm“ zum Opfer fiel, und es auch nicht durch einen Kubus zugestellt wird. Roland Korn gestaltete den Alexanderplatz um und baute den Kern Berlins um das Nikolai-Viertel wieder auf.

Der Planer und Gestalter Roland Korn sucht Ausgleich als Maler. Seine Bilder stellen Motive aus seinem Lebensumfeld dar, Landschaften, Stillleben, Blumen und Portraits. Seine Stadtaquarelle haben neben dem künstlerischen Wert hohe dokumentarische Bedeutung. Sie erinnern an Bauten, die Ostberlin bestimmten, aber in den letzten 20 Jahren verschwunden sind: den Palast der Republik, die Kreuzung Friedrichstraße/ Unter den Linden und mein geliebtes Ahornblatt. Eine Spitzenleistung von Ulrich Müther. Ich war so stolz, dass ich in diese sozialistische Betriebsgaststätte auch kirchliche Mitarbeiter hineinbekommen habe.

Hanne Pluns, in Wriezen geboren, in früher Kindheit vom Oderbruch geprägt, kehrte nach erfolgreicher Westwanderung in ihre alte Heimat zurück. Die studierte Malerin und Zeichnerin ist mit ihrem Kunstschaffen ständig unterwegs, um ihren Horizont zu erweitern, um Orientierung zu suchen und neue Erkenntnisse zu gewinnen: in der Malerei, in Radierungen, aber auch in Tonschöpfungen, Bronzewerken.
Heike Mildner hat Hanne Pluns beschrieben mit ihren gegenständlichen Motiven, Landschaften und Stillleben, ihrem späteren expressiven Farbauftrag und dann der Gabe, Gegenständliches darzustellen, Ebenen nur anzudeuten, einer zurückhaltenden Farbgestaltung und einer Tendenz zu Pastelltönen. Und so überrascht die Frage nicht, ob es sich bei diesen unterschiedlichen Werken um dieselbe Künstlerin handelt. Mich hat bei Hanne Pluns besonders beeindruckt das Bild „Ob Land, ob Meer“, wo abstrakte und gegenständliche Malerei wirken. Und „Das Oderbruch“ mit der bedrängenden Nähe und der befreienden Weite. Meditation ihre Bilder „Die Schöpfung“ und „Bewegung“.

Hartmut Meyer, im thüringischen Saaletal aufgewachsen, vermisst bis heute die liebliche Landschaft seiner Heimat, die stolzen Burgen an der Saale hellem Strande. Solange er im Stress des Arbeitslebens stand, konnte er das nicht kompensieren. Weder als Leiter des 1. Rechenzentrums der DDR noch als Chef eines Baukombinates. Erst recht nicht als Politiker der ersten Stunde 1990: Landrat im Oderbruch – einem Himmelfahrtskommando, oder fünfzehn Jahren als Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr in Brandenburg. Da rettete er 35 Altstadtkerne und bewahrte durch ein Stadtumbau-Programm Neubaugebiete vor der Verwahrlosung. Doch in diesen 30 brandenburgischen Fronjahren bewegte er sich in seinem Brandenburg-Bild von Heinrich von Kleist zu Theodor Fontane. Kleist, der unser Brandenburg einen langweiligen Landstrich nannte, bei dessen Erschaffung der liebe Gott offenbar eingeschlafen war. Und Fontane, der auf reizvolle Motive in Brandenburgs Dörfern, Seen, und Landschaften hinwies.

Hartmut Meyer begann zu malen! Nicht die Heidecksburg bei Rudolstadt oder die Dornburger Schlösser an der Saale, sondern einfach Schönheiten unserer Region. Ich war verblüfft und begeistert, als er mir zum 60. Geburtstag statt der sonst üblichen Cognacflasche ein kleines Bild vom Schloss Rheinsberg schenkte – Meyer malt! Zunächst gelegentlich, seit Ende des Berufslebens zahlreicher bringt Hartmut Meyer uns Brandenburg nahe, immer wieder Ostbrandenburg. Er trifft die Stimmungen, unterscheidet die Jahreszeiten. Sein Oderhochwasser geht nicht nur den Betroffenen nahe. Die Vielfalt in Farbe und Licht beeindruckt. Und häufig Rapsfelder, Wege und Weiten. Besonders empfehlen möchte ich Ihnen den Weg ganz nach oben in diesem Haus. Da erwartet Sie eine Meyersche „Mohn-Orgie“, geradezu wie einen Altar: Fünf Mohnbilder zusammengestellt.

Der Hobbymaler Meyer ist noch auf der Suche. Aquarell, Acryl, Bleistift, Kreide, Grafik: Lieber Hartmut, wohin wird die Reise gehen? Ins Abstrakte? Vielleicht entwickelt sich ein Quereinsteiger-Genie? Seine Lust am Ausdruck, sein Drängen auf Gestaltung und seine erstaunliche Begabung sind gute Voraussetzungen dafür!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

diese Ausstellung bringt eine freischaffende studierte Künstlerin und zwei Hobbymaler zusammen. Danken wir allen, auch Ihnen, Frau Pluns, dass das möglich wurde. Interessant, welche Perspektiven die Künstler einbringen. Hartmut Meyer liebt die Zentralperspektiven, Roland Korn nutzt breite Perspektive bis zur Vogelschau. Und Hanne Pluns überwindet künstlerisch herkömmliche Regeln, setzt den Horizont hoch und lässt das Davorliegende gelegentlich im Perspektivlosen verschwinden.

Die Ausstellung bringt uns die Vielfalt der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg nahe. Lässt uns die Spannung von Dynamik und Stille und so unsere Stärke spüren.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich hoffe, dass viele Brandenburgerinnen und Berlinerinnen, Brandenburger und Berliner in dieser Ausstellung die Kraft und Zusammengehörigkeit unserer Region Berlin-Brandenburg verstehen lernen!

Dank und Erfolg den Künstlern. Und Ihnen allen ein wertvolles Kunsterlebnis!