Unverzichtbare Aufbauhelfer

· 15. Juli 2011   - 

Beitrag für einen Jubiläumsband des Freundeskreises Schlösser und Gärten der Mark

Vor 20 Jahren haben wir in Brandenburg viel Glück gehabt. Die Menschen hatten sich in einer friedlichen Revolution selbst befreit und die Voraussetzungen für die Wiedervereinigung Deutschlands geschaffen. Sie wollten den Neuanfang und die Politik versuchte, allen eine Chance zu vermitteln. Wichtige Wirtschaftszweige schafften den Übergang in die Marktwirtschaft, neue Investitionen wurden möglich und über 100.000 Frauen und Männer gründeten neue Unternehmen. Ein demokratischer Rechtsstaat und eine unabhängige Gerichtsbarkeit wurden geschaffen. In nahezu allen Lebensbereichen entstanden neue Arbeitsformen. Das alte Land Brandenburg wurde wiedergeboren, gab den Menschen Mut und Hoffnung und weckte Interesse an seiner Kultur und Geschichte.

Wir hatten das Glück, dass Sybille Badstübner-Gröger, Ernst Badstübner und ihre Freunde mit als erste erkannt haben, welchen großen Schatz Brandenburg in seinen Schlössern, Herrenhäusern und Gärten besitzt. Natürlich sahen alle Sanssouci und viele kannten Wiesenburg, Criewen, Trebnitz oder die Plattenburg. Aber erst die Arbeitsgruppe Schlösser und Gärten der Mark zeigte den ganzen Reichtum dieses Netzes von Entwicklungszentren, die über Jahrhunderte das Land geprägt haben. Neben den 100 kleinen und größeren Städten, den weit über 1000 Dörfern mit ihren Kirchen sind es die Schlösser und Herrenhäuser, die Brandenburg sein Gesicht geben. Sie haben in der Nachkriegszeit schwer gelitten. Sie wurden als Feudalsitze geschmäht, als Baumaterial für Neusiedler genutzt oder günstigstenfalls sehr unterschiedlichen Zwecken zugeführt. Noch 1990 waren viele Schlösser und Herrenhäuser vergessene Ruinen, Altenheime, Sanatorien, Dorfklubs oder Militärstützpunkte. Scheinbar nur eine Last.

Der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark half entscheidend mit, den kulturhistorischen Wert und die Zukunftschancen unserer Schlösser und Herrenhäuser wieder zu entdecken. Er hat nachdrücklich dafür geworben, diese ländlichen Anziehungspunkte wieder herzustellen und zu nutzen. Heute sind zahlreiche brandenburgische Schlösser und Herrenhäuser Visitenkarten der ländlichen Regionen und wichtige Arbeitsplatzgeber. Brandenburg ist schöner geworden und wir erleben, welchen Reichtum das Land in seinen Schlössern, Herrenhäusern und Gärten hat. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Geschichte und prägen Brandenburgs Identität. Kommunen, Investoren, Alteigentümer, das Land, der Bund und zahlreiche Spender haben dazu beigetragen, dass schon weit über 100 Schlösser und Herrenhäuser saniert wurden und nutzbar sind. Ganz Deutschland kennt Meseberg, Neuhardenberg oder Wiepersdorf. Das Neue Palais ist ein Königsschloss, aber erst mit den vielen Dorfschlössern wird Brandenburg zum Kulturland.

Das hat der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark voran gebracht mit unermüdlichem Engagement. Mit hohem Fachwissen und Liebe zum Land wurden zahlreiche Publikationen geschaffen. In 120 „Silbernen Heften“ werden Schlösser und Herrenhäuser vorgestellt, wird ihre Geschichte beschrieben, der Zustand und ihre Nutzung dargestellt. Mit einem eindrucksvollen Band „Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Brandenburg“ ist  ein unverzichtbares Arbeits- und Geschichtsbuch entstanden, das einen konzentrierten Überblick vorlegt und zum Besuch sowie zur Unterstützung anregt. Vortragsveranstaltungen und Diskussionen wecken Interesse. In eindrucksvollen Ausstelllungen wird die Vielfalt brandenburgischer Bau- und Kulturgeschichte anhand seiner Schlösser europaweit gezeigt.  Bei Benefizkonzerten werden Mittel für die Erhaltung dieser Schätze eingeworben. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, der Brandenburgischen Schlössergesellschaft, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Landesregierung hat den Erfolg ermöglicht. Die Deutsche Gesellschaft hat dem Freundeskreis eine strukturelle Basis gegeben. Denn die Zusammenarbeit von Menschen aus Ost und West für brandenburgische Schlösser fördert das Zusammenwachsen für die innere Einheit Deutschlands.

Welch ein Glück, dass die Mitglieder des Freundeskreises Schlösser und Gärten der Mark seit 20 Jahren ehrenamtlich für Brandenburg wirken. Ich danke allen Mitwirkenden, insbesondere Sibylle Badstübner-Gröger und wünsche weiterhin Mut, Tatkraft und neue Freunde. Sie werden noch lange gebraucht!

Stichworte: ,