Zum Tod von Lothar Bisky

· 7. Oktober 2013   - 

Gedenkfeier für Lothar Bisky – 14. 9. 2013 Volksbühne Berlin

Liebe Trauergäste,
liebe Familie Bisky,
liebe Almuth Bisky,

wie muss es Sie getroffen haben. Tief bewegt habe ich in den letzten Wochen an Sie gedacht und gehofft, dass Sie diesen Schock überstehen können und die Dankbarkeit für das Leben mit Lothar Bisky Ihnen Trost und Halt geben möge.

Lothar Bisky hat sich in seinem großen Auftritt 2012 im Brandenburger Landtag in bewegenden Worten zu Ihnen bekannt und mit dem Satz geschlossen „denn die Liebe ist ja allmächtig“.

Seinen Tod empfinde auch ich als schmerzlichen Verlust: Sein lauterer Charakter, seine uneitle Autorität, seine große Geduld im Zuhören und Vermitteln, seine undogmatische Suche nach menschenfreundlichen Lösungen und sein tiefsinniger Humor, seine Warmherzigkeit haben mich sehr beeindruckt. Meine Begegnungen mit Lothar Bisky haben mein Vertrauen in den Wert verlässlicher zwischenmenschlicher Beziehungen gefestigt.

In einer dramatischen Umbruchzeit, als Egoismus und Rechthaberei, auch Lug und Trug zu dominieren drohten, da war für mich der Umgang mit Lothar Bisky eine große Ermutigung. Lothar Bisky war ein Glücksfall für das wiedergeborene Land Brandenburg. In die Aufgeregtheiten der Nachwendezeit brachte er Ruhe und Sachlichkeit ein. Lothar Bisky wusste um die gewaltigen Belastungen, die der politische, wirtschaftliche und mentale Systemwechsel den Menschen brachte. Er sah die Gefahren der Massenarbeitslosigkeit und der sozialen Entwurzelung sowie die Notwendigkeit, den Menschen mit einem handlungsfähigen Land Brandenburg Halt und Mut zu geben. Darin stimmten Lothar Bisky, Regine Hildebrandt und ich überein. Es musste viel getan werden, damit die Ostdeutschen nicht zu Verlierern der Einheit werden, zu verhindern, dass ganze Bevölkerungsschichten im Abseits landen!

Lothar Bisky hat entscheidend mitgeholfen, dass der Weg in das neue Brandenburg im wiedervereinten Deutschland allen Gutwilligen offen stand.Nicht Rache, sondern Recht waren angesagt – wie unser damaliger Justizminister Hans Otto Bräutigam stets betonte.

Unter Führung von Lothar Bisky hat die PDS im Brandenburger Landtag mitgetragen, was für den Aufbau des Landes dringend nötig war: viele wichtige Gesetze und auch die Verfassung des Landes wurden von allen Parteien im Landtag gemeinsam beschlossen – auch von der ebenfalls oppositionellen CDU-Fraktion unter Führung von Peter-Michael Diestel.Das Wohl des Landes und seiner Menschen waren in der 1. Legislaturperiode des Brandenburger Landtages wichtiger als parteipolitische Positionen. Lothar Bisky beschrieb es 2012 so: „bestimmend war, dass man eine Lösung suchte. Ein Ergebnis musste her, und erst dann interessierte es, in welcher Partei der andere ist.“

Bei Nöten und großen Herausforderungen müssen alle Demokraten zusammenstehen. So haben wir damals unseren Auftrag verstanden. Heute gilt das für die Auseinandersetzung mit Neonazis. Unser Brandenburger Bemühungen um ein gesamtgesellschaftliches Bündnis gegen Rassismus, Intoleranz und Gewalt und der gemeinsame Abschluss des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag lassen mich hoffen.

Brandenburger Weg wurde unsere Zusammenarbeit abfällig von Außenstehenden genannt.Denn in der Bundesrepublik Deutschland gelten Streit und Konflikt, aber nicht Konsensversuche als Merkmale der Demokratie.

Mit Lothar Biskys ergebnisorientierter Oppositionspolitik konnte in Brandenburg mit den DDR-Erfahrungen differenziert umgegangen werden. Der Brandenburger Weg war kein Sonderweg, sondern das Bemühen, den Transformationsprozess sach- und menschengerecht zu gestalten. Mit menschlichem Maß sollte auch mit der DDR-Vergangenheit umgegangen werden. Das ist in Brandenburg weithin gelungen, obwohl auf der Bundesebene die Neigung zur Totalverteufelung der DDR vorherrschte.Gesprächskontakte mit der Staatssicherheit wurden skandalisiert, auch wenn sie beruflich nötig waren und jeder wissen konnte, nach welchen Gesichtspunkten die Akten des MfS
geführt wurden.

Lothar Bisky hat in diesem Zusammenhang böse Demütigungen erlebt bis hin zu der Verhinderung seiner Wahl zum Vizepräsidenten des Bundestages – gegen alle vereinbarten Regeln.

„Die Abrechnung mit der DDR hat totalitäre Züge angenommen“, sagte Friedrich Schorlemmer. Mindestens aber war, und ist immer noch ein Kulturkampf, eine Gesinnungsverfolgung unter Missachtung rechtsstaatlicher Grundsätze zu spüren .Immer wieder hat Lothar Bisky gefordert, dass das DDR-Bild nicht von Parteitaktik sondern von unvoreingenommenen Historikern und Fachleuten beschrieben werden sollte. Das würde helfen, die innere Einheit Deutschlands zu fördern!

Lothar Bisky hat für Wahrheit, Verständnis und Versöhnung gekämpft. Mit „stoischer Fairness“ – wie Matthias Platzeck es nennt. Er hat unverdrossen Brücken gebaut und nicht selten zwischen den Ufern gestanden.

Ich danke Lothar Bisky, dem Mitgründer des neuen Brandenburg!Ich danke allen, die den Menschenfreund Bisky unterstützen.Lothar Bisky bleibt ein Vorbild für eine integrierende politische Kultur!

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