Grußwort zum 20-jährigen Bestehen des Ökumenischen Europa-Centrums Frankfurt (Oder)

· 11. Juli 2014   - 

Es war eine sehr mutige und sehr richtige Entscheidung 1994 das Ökumenische Europa-Centrum zu gründen. Die Vision in der Grenzstadt Frankfurt (Oder), die Friedens-und Versöhnungsarbeit zu stärken und den verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten zum Ausbau der Nachbarschaft mit Polen eine grenzüberschreitende ökumenische Struktur hinzuzufügen, fand breite Zustimmung. Doch es war nicht einfach, für die nötige Tagesarbeit christlich orientierte Menschen zu finden und die erforderlichen Finanzen zu erschließen. Das schreckte die Gründungseltern der OEC nicht ab. Allein voran Christoph Brückhoff, der zu einem unermüdlichen Motor des Projektes wurde.

Frankfurt (Oder) hat wegen seines geografischen Standortes und seiner Geschichte eine besondere Herausforderung, aber auch Chance eine Brückenfunktion zu Deutschlands östlichen Nachbarn wahrzunehmen. Eine deutsche Stadt an der Grenze zum östlichen Europa kann Festung der Abgrenzung und des Schutzes von Polen und Russen sein. So wie in den letzten Wochen des Weltkrieges hier versucht wurde, die Befreiung vom Nazisystem zu verhindern. Und, in den 80iger Jahren für die Abgrenzung zur polnischen Solidarność-Reformbewegung versucht wurde. Vergeblich, denn der Veränderungswille war nicht aufzuhalten und über Frankfurt (Oder) sickerte er in der DDR ein und gab dort eine starke Motivation zum Umbruch der Verhältnisse bis hin zur Zustimmung der polnischen Regierung zur Wiedervereinigung Deutschlands.

Das 1990 wieder geborene Land Brandenburg hat die gute Nachbarschaft zu Polen als Verfassungsauftrag festgeschrieben und Frankfurts Brückenfunktion unterstützt. Die Verkehrsinfrastruktur wurde ausgebaut. Soweit irgend möglich ist die Wirtschaft gefördert worden. Die Universität wurde gegründet und von Anfang an auf grenzüberschreitende wissenschaftliche Zusammenarbeit orientiert. Der Katastrophenschutz, insbesondere zur Hochwasserabwehr wurde stark verbessert und die polizeiliche Zusammenarbeit zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität wurde praktiziert und jetzt mit einem Staatsvertrag verbindlich gemacht.

Deutsch-polnische Schulpartnerschaften wurden gefördert. Sie stellen heute im Vergleich zu anderen Bundesländern, die dichtesten polnisch-deutschen Beziehungen. Kommunale deutsch-polnische Partnerschaften sind fast flächendeckend in Brandenburg entstanden.

In der kulturellen deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat Frankfurt (Oder) eine Spitzenfunktion. Die großen Möglichkeiten nach dem Beitritt Polens zur Europäischen Union wurden vielfach genutzt.

Diese Entwicklung wurde vom Ökumenischen Europa-Centrum Frankfurt (Oder) begleitet und verbreitet. Christen in dieser Stadt nahmen die Aufgabe an, Menschen zum besseren Verständnis und gemeinsamen Handeln zusammenzuführen. Menschen mit unterschiedlichen Glaubens-und Wertvorstellungen, verschiedenen Konfessionen und politischen Überzeugungen sind aufgerufen, Friedens- und Versöhnungsarbeit zu praktizieren und die Brückenfunktion der Stadt auf deutscher Seite anzunehmen und mit Partnern aus Polen und Osteuropa zu gestalten. Das geschieht in Gesprächsangeboten und Konferenzen, aber auch zunehmend durch gemeinsame Aktivitäten.

Besonders hervorzuheben ist der deutsch-polnische Pilgerweg auf der historischen Verbindung von Magdeburg nach Gnesen, der an die 1.000 jährige geistliche Verbundenheit anknüpft. Die Friedenskirche als Pilgerzentrum und Info-Point gewinnt zunehmend an Bedeutung und bedarf der weiteren baulichen Entwicklung.

Die Grenzgespräche bringen Protestanten und Katholiken aus Deutschland und Polen zusammen und behandeln ökumenische, deutsch-polnische und gesamteuropäische Themen. Theologische Fragen waren immer dabei, aber auch Lebensfragen und gesellschaftliche Probleme bis hin zur Erörterung der Grenzkriminalität. Als Referenten konnten hoch kompetente Fachleute aus Deutschland und Polen gewonnen werden. Diese Arbeitsform unter Beteiligung von Menschen aus dem gesamtgesellschaftlichen Raum ist noch ausbaufähig.

Großes Interesse finden die ökumenischen Studien-Fahrten nach Wroclaw und Krakow, die Verständnis und Dialog fördern. Es würde dem Friedensauftrag dienen, wenn diese Aktivitäten verstärkt werden könnten. Keineswegs werden nur religiöse Themen behandelt, sondern es wird Verständnis für die Partner geweckt und die Verantwortung für Europa gestärkt. Das ist wichtige politische Bildung. Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine und nationalistische Aktivitäten hierzulande zeigen die Dringlichkeit des Brückenbaus. Der Auftrag des Ökumenischen Europa-Centrums endet nicht an Polens Ostgrenze. Der OEC Frankfurt (Oder) kann seine Aktivitäten Richtung Ukraine und Russland weiter entwickeln.

Für die Durchführung der breiten Aufgabenstellung und deren Entwicklung wird die weitere Rekonstruktion der Friedenskirche mit verbesserten Begegnungsmöglichkeiten nötig. Ich hoffe, dass kirchliche und staatliche Instanzen diese Herausforderung erkennen und unterstützen.

Die Gründung des Ökumenischen Europa-Centrums Frankfurt (Oder) war eine richtige Entscheidung. 20 Jahre erfolgreiche Versöhnungsarbeit belegen dies. Doch die Aufgabe bleibt und ich wünsche uns, dass auch weiterhin – durch das OEC Frankfurt (Oder) Verständigung, Versöhnung, Toleranz und Frieden in Mittel-Osteuropa gestärkt werden.

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